eLearning: Fahrplan für WebCT Vista 4.0

von Annabell Lorenz (Ausgabe 06/3, Oktober 2006)

 

WebCT Vista, die Lernplattform der Universität Wien, ist jetzt zweieinhalb Jahre alt. Mittlerweile verzeichnen wir rund 600 Lehrveranstaltungen pro Semester und eine stetig wachsende Gruppe an Lehrenden und TutorInnen, die im Umgang mit der Software geschult werden möchte. Stetig wird eLearning auch in den curricularen Strukturen der Universität verankert und evolviert: Inzwischen gibt es eine politische Einbindung der Fakultäten in die Strategieentwicklung sowie die Funktion fakultärer eLearning-Beauftragter. Längst ist die Lernplattform der Uni Wien auch im Kontext einer europaweiten Ausrichtung von eLearning-Strategien sichtbar.

Nun steht ein weiterer großer Schritt ins Haus: Das Upgrade vom mittlerweile bewährten WebCT Vista 3.0 auf die neue Version 4.0. Für diesen Wechsel spricht vor allem die bei gleichem Funktionsumfang wesentlich vereinfachte Benutzeroberfläche (einen gewissen Lernaufwand bereitet eventuell das stark veränderte Designerinterface für Lehrende). Serverseitig bietet Vista 4 strukturelle Verbesserungen, die sich erfreulich auf die Übersichtlichkeit der Datenbankstruktur und die Performance des Systems auswirken. Auch im europäischen Vergleich ist ein Umstieg auf Vista 4 im Sinne der technischen Weiterentwicklung und der Flexibilität von Content durchaus sinnvoll.

Im Zuge der Vorbereitungen auf Vista 4 wurden auch verbesserte Schnittstellen und Anmeldeinterfaces für die Lehrenden entwickelt. Die Anmeldung und Verwaltung von Lehrveranstaltungen wird dadurch vereinfacht - Lehrende registrieren ihre Lehrveranstaltungen jetzt über http://data.univie.ac.at/kurs/elv/. Voraussetzung dafür: Die Lehrveranstaltung muss schon im Online-Vorlesungsverzeichnis eingetragen sein. Parallel dazu wird an der Einbindung externer Applikationen und Add-Ons für Vista 4 (möglicherweise Wiki, ePortfolio) gearbeitet. Eine derzeit praktikable Funktion ist ein LaTeX-Parser, der bei Eingabe der Formel (LaTeX-Code) in die Adresszeile des Browsers eine .png-Datei generiert, die als Grafik in WebCT Vista eingebunden werden kann (z.B. http://latex.univie.ac.at/?x=1).

Vorbereitungen: Wann kommt Vista 4?

Vor einem Versionsumstieg müssen - mit ausreichender Vorlaufzeit - viele Parameter abgesichert sein. Dazu zählen in erster Linie gründliche Tests auf einem einzelnen Vista 4-Server, die Ausweitung der Software auf einen Vista 4-Cluster (ein Verbund mehrerer Rechner), das Einspielen notwendiger bzw. verfügbarer Service Packs und Language Packs, gefolgt von einem Nachziehen der Supportstrukturen. Dies umfasst u.a. die Überprüfung der migrierten Daten, das Testen von Backups und Templates, die Implementierung von Add-Ons, die Vorbereitung der Lehrenden, die Ausarbeitung von Vista 4-Schulungen, Dokumentationen, FAQs etc.

Im Sinne einer sorgfältigen Vorbereitung des Vista 4-Software-Upgrades hat sich das Team entschieden, im Wintersemester 2006 wie bisher den Vista 3-Cluster für den laufenden Betrieb zur Verfügung zu stellen. Vista 4-Schulungen sind frühestens ab November 2006 vorgesehen. Das eigentliche Upgrade und die Datenmigration werden (nach gründlichen Tests auf dem Vista 4-Cluster) im vorlesungsfreien Februar durchgeführt, sodass zu Beginn des Sommersemesters 2007 mit einer verlässlichen Installation von WebCT Vista 4.0 gerechnet werden kann. Bis dahin werden Upgradeschulungen und entsprechende Dokumentationen zur Verfügung stehen, damit es auch für die bereits erfahrenen UmsteigerInnen keine bösen Überraschungen gibt.

Vorschau: Was bietet Vista 4?

Personal Desktop

Am Personal Desktop (siehe Abb. 1) gibt es nur geringfügige Änderungen. Neu ist der so genannte Inhalts-Manager, der den globalen Dateimanager ersetzt. Das Symbol scheint folglich auch nicht mehr in der Desktop-Toolbar auf. Veraltete Kurse können, wie schon in Vista 3.0 nach dem Service Pack 6, aus- und eingeblendet werden.

Abb. 1: Der Personal Desktop in WebCT Vista 4.0 - ein vertrautes Bild

Studentenansicht

Da sich die Studierenden rein passiv mit den Kursinhalten auseinandersetzen müssen, bleiben hier die Features weitgehend gleich. Verändert haben sich lediglich einige Standard-Symbole. Sind neue Objekte verfügbar, so versieht das System sie künftig mit einem grünen Stern (siehe Abb. 2). Die Studentenansicht kann vom Lehrenden editiert werden; das betrifft im Wesentlichen die Anordnung der Symbole, die Art der Icons und Menüleisten sowie die Kursinhaltsübersicht.


Abb. 2: Die Studentenansicht bleibt in WebCT 4.0 weitgehend gleich.

Designer und Dozenten

Die weitaus umfangreichsten Funktionsänderungen und -erweiterungen betreffen das Designen und Verwalten von Lehrveranstaltungen. Die wesentlichsten Neuerungen sollen hier skizziert werden.

Wie bisher können Lehrende entweder einen leeren Kurs einrichten, Inhalte aus einem anderen Kurs kopieren, dem Kurs eine Vorlage zuweisen oder Inhalte aus einer Datei importieren. Die neu eingerichteten Vista-Kurse können auf eigenen oder Fachbereichs-Vorlagen basieren. Sie sind bei der Anmeldung der eLearning-LV unter http://data.univie.ac.at/kurs/elv/ auszuwählen (Näheres dazu finden Sie unter www.univie.ac.at/ZID/elearning/data/Doku_elv_beantragen.pdf). Bisher stand nach Anmeldung einer eLearning-Lehrveranstaltung den Lehrenden ein roher Standard-Kurs mit allen Werkzeugen zur Verfügung. Jetzt müssen Designer und Instruktoren beim ersten Login eine spezifische Auswahl an Werkzeugen vordefinieren. Sie erhalten dabei ein Fenster mit einer Übersicht über alle verfügbaren Tools (siehe Abb. 3). Ihre Auswahl - und zwar nur diese! - erscheint anschließend im Menüpunkt Kurswerkzeuge.


Abb. 3: Vorauswahl der Werkzeuge zur Errichtung einer Lehrveranstaltung

 

Sollten Sie später feststellen, dass Sie ein nicht ausgewähltes Werkzeug doch benötigen, können Sie es nachträglich über die Designerwerkzeuge (Kurs verwalten) für den gesamten Kurs global freischalten. Es erscheint dann für Designer und Dozent im Menüblock Kurswerkzeuge bzw. Verwaltungswerkzeuge; die Studierenden haben über die Kurssymbolleiste Zugriff.

Insgesamt sind das Designer- und das Dozenten-Interface in Vista 4 intuitiver gestaltet (siehe Abb. 4). Die Prozesse des Erstellens und des Lehrens sind noch immer deutlich getrennt, die Interfaces selbst wurden aber im optischen Erscheinungsbild stark analogisiert. Das Kursmenü befindet sich nun in beiden Ansichten vertikal auf der linken Seite und bietet einen Hide/Show-Modus, in dem der Text versteckt wird. Das umständliche Aktionsmenü ist gänzlich verschwunden. Zu beinahe jedem Element existiert nun direkt im Anschluss an den Text ein Drop-Down-Menü, das man durch einen Mausklick auffächern kann. Die Studentenansicht ermöglicht den Lehrenden wie bisher eine schnelle Überprüfung der Studierendenperspektive.


Abb. 4: Vereinfachtes Strukturieren der Startseite und weitere Verknüpfungen

 

Die vielleicht wichtigste Veränderung ist das Wegfallen des Bestands (Content Inventory). Damit entfällt eine "Lagerungsebene" von Content. Die je nach Werkzeug erstellten Objekte (Inhaltsdateien, Lernmodule, Diskussionen, Chats etc.) finden Sie nur mehr rubriziert über das jeweilige Werkzeug: Um z.B. Zugriff auf alle verfügbaren Tests zu haben, müssen Sie unter Kurswerkzeuge das Tool Tests anklicken - dort sind alle Online-Tests aufgelistet. Das Kursdesign wird damit wesentlich vereinfacht. Auf der Startseite befinden sich nun drei Rubriken. Aus jeder Rubrik können Sie per Drop-Down-Menü die entsprechenden Objekte einzeln anwählen und beliebig in Ihre Kursstruktur einbauen.

Auch die Kommunikationswerkzeuge, vor allem Chat und Diskussionsforen, sind in ihrer Ansicht deutlich vereinfacht; diese Reduktion der Kanäle hat sich auch auf die Fehleranfälligkeit von WebCT Vista positiv ausgewirkt. Beim Kalender, Wirt einiger lästiger Bugs im parasitenträchtigen Vista 3.0, sind Einträge nun endlich auch über die Jahresgrenze hinaus möglich! Eine weitere sehr praktische Neuerung: Beim plattforminternen Mailtool kann man jetzt bei der Auswahl der Adressaten zwischen Rollen (z.B. alle Studierenden), Gruppen und Einzelpersonen differenzieren.

Da der Bestand wegfällt, verändert sich auch die Selektive Freigabe. Aufgaben lassen sich jetzt als <tt>.zip</tt>-Datei herunterladen und können wie viele andere Werkzeugkomponenten nun lokal gespeichert und damit flexibler in anderen Kursen verwendet werden. Auch die nachträgliche Einbindung dieser Komponenten ist nun deutlich vereinfacht: Bislang musste man zwischen der Funktion Inhaltsimport und dem Dateimanager trennen sowie zur Vermeidung von Datenkorruptionen mit Zeichensätzen jonglieren. Jetzt gibt es den Dateimanager zwar nach wie vor (Rubrik Designerwerkzeuge), er befindet sich aber direkt hinter dem Icon Kurs verwalten, wo durch entsprechende Verlinkung und einfachere Darstellung die Funktion Import klar entschärft wurde. Beim Anklicken öffnet sich ein Java-Applet (siehe Abb. 5). Hier besteht für jegliche Art von Content eine Verknüpfung zum Dateimanager, Templates werden über den von den Lehrenden lang ersehnten Vorlagen-Manager eingespielt. Deutlicher getrennt sind nun auch die Ordner für persönliche und für kursbezogene Dateien.


Abb. 5: Kein Einstellen des Zeichensatzes mehr beim Upload,

 

Einen guten Überblick über die wichtigsten Features bietet das auf Englisch verfügbare Interface-Tutorial. Aufgrund der stark veränderten Selektiven Freigabe sollte eventuell das technische Aufbaumodul Lerngruppen/Aufgaben nochmals besucht werden (siehe www.univie.ac.at/ZID/elearning-schulungen/).