"Verstrahlte" Universität?
WLAN und Elektrosmog

von Markus Ankner (ZID), Mag. Martina Kaburek (ANS) & Dr. Clemens Becsi, Dr. Beata Lutomska-Kaufmann (TeamPrevent GmbH) (Ausgabe 06/3, Oktober 2006)

 

Kasten: Messverfahren für Elektrosmog
Kasten: Weiterführende Informationen

Wenn im Alltag von "Elektrosmog" gesprochen wird, sind meist technisch - d.h. durch elektrische Geräte, Leitungen und Sender - erzeugte elektrische und magnetische Felder gemeint. International gebräuchlich ist der Ausdruck EMF, elektromagnetische Felder.

Grundlagen

Jede Anwendung von Elektrizität, wie z.B. das Stromversorgungsnetz oder Mobilfunk, erzeugt Felder und führt so zu Elektrosmog. Man unterscheidet zwischen Gleich- und Wechselfeldern. Felder lassen sich durch ihre Stärke (Amplitude) beschreiben; bei Wechselfeldern ist zusätzlich die Schwingung (Wellenlänge) sowie die Schwingungszahl (Frequenz) charakteristisch. Die Erde ist von natürlichen elektrischen und magnetischen Feldern umgeben. Das technologische Eingreifen durch den Menschen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bewirkt, dass die Erde nun auch von künstlichen elektromagnetischen Feldern umgeben ist.

  • Gleichfelder (oder statische Felder) werden beispielsweise durch Batterien oder elektrostatische Aufladungen produziert. Sie haben eine im Wesentlichen zeitlich konstante Stärke.

  • Bei Wechselfeldern dagegen, wie sie z.B. im öffentlichen Stromnetz auftreten, ändern sich Polarität und Stärke periodisch: Sie schwingen mit einer bestimmten Frequenz (siehe Abb. 1). Abhängig von ihrer jeweiligen Frequenz haben die von Wechselfeldern ausgehenden elektromagnetischen Felder entsprechende Wellenlängen: Je höher die Frequenz, desto kürzer die Wellenlänge. Elektromagnetische Felder breiten sich also als Welle frei im Raum aus. Aus praktischen Gründen werden Wechselfelder in nieder- und hochfrequente eingeteilt. Während niederfrequente Wechselfelder (bis 30 kHz) in sämtliche Stoffe relativ tief eindringen können, können hochfrequente Wechselfelder in Abhängigkeit von ihrer Frequenz nur bis zu einer gewissen Tiefe (wenige Zentimeter bis Millimeter) in diese Stoffe - z.B. in den menschlichen Organismus - eindringen.

Niederfrequente Wechselfelder (bis 30 kHz)

Bis zu einer Frequenz von 30 kHz (das sind Wellenlängen von 10 km und mehr) spricht man von "niederfrequenten Wechselfeldern". Vereinfacht ausgedrückt gilt: Wo Spannung ist, ist ein elektrisches Feld - und wo Strom ist, ist ein magnetisches Feld. Sobald z.B. eine (ausgeschaltete) Schreibtischlampe an eine Steckdose angesteckt wird, erzeugt die nun anliegende, mit 50 Hz wechselnde Spannung des öffentlichen Stromversorgungsnetzes ein elektromagnetisches Wechselfeld. Schaltet man die Lampe ein, bringt der im Kabel der Lampe fließende Strom die Glühbirne zum Leuchten, die Stärke des elektromagnetischen Wechselfeldes wird durch den Stromfluß erhöht.

Typische Verursacher von niederfrequenten elektromagnetischen Wechselfeldern im täglichen Leben sind z.B. E-Herd, Haarfön, Lampen, Strominstallationen in Gebäuden oder Oberleitungen bei Eisenbahn bzw. Straßenbahn.

Hochfrequente Wechselfelder (30 kHz bis 300 GHz)

Bei Frequenzen zwischen 30 kHz und 300 GHz spricht man von "hochfrequenten Wechselfeldern" bzw. nicht ionisierender Strahlung. Dies entspricht Wellenlängen von 10 km bis hin zu 1 mm. Hochfrequente elektromagnetische Felder werden zum Beispiel bei Radio und Fernsehen, Mobilfunk, WLAN, Bluetooth, Rettungs-, Betriebs- und Taxifunk oder funkbasierten Diebstahlsicherungen genutzt.

Wechselfelder in diesem Frequenzbereich werden grundsätzlich schwächer, je größer der Abstand zur Quelle ist. Aufgrund ihrer relativ kurzen Wellenlänge nimmt die Intensität der Strahlung - infolge von Reflexionen und Interferenzen bzw. Abschirmungen - jedoch nicht immer gleich mit der Entfernung ab: Einerseits können im Raum Schwingungsknoten mit wesentlich stärkeren Feldstärken beobachtet werden, andererseits können aber auch Punkte im Raum mit wesentlich schwächeren Feldstärken beobachtet werden. Hier lässt sich ohne spezielle Computerprogramme bzw. Messungen vor Ort keine genaue Vorhersage über mögliche Feldstärken treffen.

Die für Handy, Bluetooth, Mikrowelle und WLAN verwendeten Frequenzen umfassen den Bereich von ca. 1 GHz bis 3 GHz; das bedeutet Wellenlängen im Bereich von 30 cm bis 10 cm. Die erwähnten lokalen Unterschiede in der Feldstärke können daher auch in diesen kleinen Dimensionen beträchtlich sein.

Strahlung (über 300 GHz)

Über einer Frequenz von 300 GHz spricht man von Strahlung. Die Wellenlängen betragen hier weniger als einen Millimeter. In diese Kategorie fallen das sichtbare Licht und die so genannte ionisierende Strahlung, z.B. Röntgen- und Gammastrahlung. Ionisierende Strahlung wird heute unter anderem für die Sterilisation von Geräten, Implantaten oder Lebensmitteln eingesetzt, aber auch für die Strahlentherapie in der Krebsbekämpfung.

Wirkungen auf den Körper

Prinzipiell muss zwischen thermischen und nichtthermischen Wirkungen bzw. Effekten unterschieden werden:

  • Unter thermische Effekte fallen Gewebeerwärmungen durch Strahlungsabsorption, wie wir sie auch von der Infrarotstrahlung durch die Wärmeempfindung anschaulich kennen.

  • Beeinflussungen des Organismus wie z.B. Beeinflussung des Herz-/Kreislaufsystems oder der biologischen Ströme (Nervensystem, Gehirn) werden den nichtthermischen Wirkungen zugerechnet.

Das thermische Wirkungsmodell bildet die Grundlage der gesetzlichen Grenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Wechselfelder. Nichtthermische Wirkungen werden nicht berücksichtigt. Zahlreiche Wissenschaftler sind jedoch der Ansicht, dass Auswirkungen der Strahlung auf den Körper schon weit unterhalb der thermischen Grenzwerte möglich sind. Sie fordern daher die Einführung von "Vorsorgewerten", die deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen (siehe Kasten Messverfahren für Elektrosmog). Die wissenschaftliche Diskussion über dieses Thema ist auch nach Jahren noch nicht abgeschlossen. Es gibt zwar unzählige Beobachtungen, Arbeiten und Studien, die über mögliche Gesundheitsrisiken und Befindlichkeitsstörungen berichten, aber keine wissenschaftlich abgesicherten Daten über eine konkrete Gesundheitsgefährdung durch schwache hochfrequente Strahlung. Dennoch warnte die Ärztekammer im Jahr 2005 vor einem unkontrollierten Gebrauch von Handys durch Kinder (basierend auf der REFLEX-Studie - Näheres dazu siehe z.B. http://www.aekwien.at/media/REFLEX_Vortrag.pdf).

Folgende nichtthermische Wirkungen werden unter anderem vermutet:

  • Effekte auf das genetische Material (chromosomale Schäden, Tumorentstehung);
  • neurologische Symptome und EEG(Hirnstromaktivität)-Veränderungen;
  • Blutdruckveränderungen;
  • Verhaltensstörungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Tinnitus, Änderung der kognitiven Funktionen1);
  • übersteigerte Empfindlichkeit gegenüber elektromagnetischen Feldern ("Elektrosensibilität").

Elektrosensibilität

Unter Elektrosensibilität versteht man das Auftreten von mindestens einem psychischen und/oder physischen Symptom (z.B. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen, Veränderungen von Blutdruck und Herzschlag etc.), verursacht durch diverse elektromagnetische Felder. Ursachen dieser Belastungen können elektromagnetische Felder sein (ausgehend von Mobilfunk, Radio- und Fernsehsendern, Mikrowellengeräten), aber auch niederfrequente elektrische und magnetische Wechselfelder, wie sie im Haushalt oder in der Nähe von Trafo-Stationen und Fernleitungen vorkommen. Die Anzahl von elektrosensiblen Personen wird in manchen Studien mit bis zu 6% angegeben. Für dieses Krankheitsbild gibt es zwei Erklärungsmodelle:

  • Elektrosensibilität ist tatsächlich vorhanden
    Ursache der Elektrosensibilität ist demnach ein bis jetzt noch nicht entdeckter "bioelektrischer" Mechanismus. Vertreter dieses Modells empfehlen daher eine Expositionsreduktion (Isolierung von Elektrokabeln, Installation von Netzfreischaltern, Abschirmungen u.Ä.).

  • Elektrosensibilität als psychologisches Phänomen
    Die Beschwerden als solche werden zwar nicht bezweifelt, sehr wohl aber ihre Auslösung durch elektromagnetische Felder. Ausgehend von Symptomen, für die die Betroffenen keine einleuchtende medizinische Erklärung und/oder Therapie erhalten, entwickelt sich stufenweise ein Zustand, in dem bei jedem Auftreten von Beschwerden elektromagnetische Felder gesucht und als Auslöser identifiziert werden.2)

Wegen des großen öffentlichen Interesses wurde im Februar 2004 von Infrastrukturminister Hubert Gorbach der Wissenschaftliche Beirat Funk (WBF) eingerichtet. Dieser sollte als erstes die weltweit vorliegenden Studien zum Thema Mobilfunk und Gesundheit kritisch durchleuchten. Das Ergebnis: Es sind sehr wohl Effekte feststellbar, doch in keiner Studie konnte ein schädlicher oder gar krankmachender Effekt nachgewiesen werden (z.B. wurden EEG-Veränderungen während des Handy-Telefonierens zwar beobachtet, aber als nicht schädlich eingestuft).3)

E-Smog durch WLAN an der Universität Wien?

Der ZID wurde im Zuge des Ausbaus der WLAN-Infrastruktur an der Uni Wien (WLANs = Wireless Local Area Networks, lokale Funknetzwerke) verstärkt mit dem Thema Elektrosmog konfrontiert: Von einigen UniversitätsmitarbeiterInnen wurde eine ernst zu nehmende, von den Accesspoints ausgehende Strahlenbelastung befürchtet. Daher entschloss sich der Zentrale Informatikdienst, sich mit der Thematik genauer auseinanderzusetzen und eine entsprechende Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen - gemeinsam mit der Abteilung für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerschutz des Raum- und Ressourcenmanagements unter der Leitung von Mag. Martina Kaburek und den für die Universität Wien zuständigen Arbeitsmedizinern Dr. Clemens Becsi und Dr. Beata Lutomska-Kaufmann von der TeamPrevent GmbH.

Medizinische Beurteilung

Es gibt mittlerweile zahlreiche nationale und internationale Studien über die Wirkung von hochfrequenten elektromagnetischen Wechselfeldern. Bei allen diesen Studien steht die Frage im Vordergrund, ob Mobilfunk (z.B. GSM, UMTS) ein Gesundheitsrisiko darstellt. Zum Thema WLAN liegen jedoch noch keine Wirkungsdaten vor. Eine medizinische Beurteilung kann daher nur anhand von Analogieschlüssen mit dem GSM-Netz erfolgen.

Bei WLAN-Netzen wird, analog zu den GSM-Basisstationen, über einen Accesspoint ständig gepulste Strahlung ausgesandt. Der Nutzer und seine Umgebung sind über die Sendeantenne des Notebooks einer näheren und damit stärkeren Strahlenexposition ausgesetzt. Die stärkste Belastung liegt also bei Benutzung des Notebooks vor (wie im GSM-Netz beim Telefonieren mit dem Handy) und erfolgt nur während der Nutzdatenübertragung. Dauersendende Mobilfunk-Basisstationen sind beim GSM-Netz in der Regel weiter weg und außerhalb des Gebäudes, wobei allerdings immer mehr Mikrozellen zur lückenlosen Versorgung in Gebäuden (z.B. in Tiefgaragen) zum Einsatz kommen.

WLAN arbeitet im Frequenzbereich von 2400-2483,5 MHz. GSM arbeitet in den Frequenzbereichen 1710-1785 MHz (uplink) und 1805-1880 MHz (downlink). Die maximal zulässige EIRP (= äquivalente isotrope Strahlungsleistung: Sender-Ausgangsleistung plus Berücksichtigung der Antennenrichtwirkung) für WLAN im Frequenzbereich von 2400-2483,5 MHz beträgt in Österreich 100 mW. Als Reichweite werden in den Produktbeschreibungen - bei Einhaltung von 100 mW EIRP - je nach Datenübertragungsrate für Innenräume etwa 25-50 m und für das Freie etwa 150-550 m angegeben. In der Praxis liegen die Expositionen in Innenräumen etwa im Bereich von 0,0001 mW/m2 bis 1 mW/m2; es treten natürlich auch höhere und tiefere Werte auf. Die maximal zulässige Leistung der WLAN-Geräte liegt allerdings mit 100 mW deutlich unter der Maximalleistung von Handys, die in Österreich bei GSM 1800 MHz bis zu 1 W betragen darf (siehe Tabelle 1). Dafür senden diese wiederum leistungsgeregelt, d.h. nur während des Gebrauchs und nur in der jeweils erforderlichen Intensität.

Quelle

Frequenzbereiche

Maximal zulässige Sendeleistung

Mindestabstand

Basisstation Mobilfunk

900 MHz /1800 MHz

bis 50 W / 20 W

2,5 m

Handy

900 MHz / 1800 MHz

bis 2 W / 1 W

keiner

Bluetooth

2,4 GHz

bis 1 mW / 2,5 mW / 100 mW

keiner

DECT (Schnurlostelefon)

1880 MHz

bis 250 mW

keiner

WLAN

2,4 GHz / 5 GHz

bis 100 mW / 1 W

keiner

WLAN - Uni Wien / ZID

2,4 GHz / 5 GHz

1 mW *

keiner

Tabelle 1: Maximal zulässige Sendeleistungen in Österreich
(* Bei manchen technisch schwierig zu versorgenden Außenbereichen
muss die maximale Sendeleistung von 1 mW überschritten werden.)

Bewertung des ZID

Auf die Auswertung des aktuellen Stands der Wissenschaft bzw. Medizin folgte am ZID die Erkenntnis, dass das Thema "WLAN und E-Smog" umfassend und mit Bedacht behandelt werden muss: Ob und welche Risiken von einer möglichen Elektrosmog-Belastung durch WLAN ausgehen, kann derzeit nicht endgültig beantwortet werden. Selbst die aktuellen Grenzwertempfehlungen namhafter Wissenschaftler reichen von 0,001 mW/m2 bis 10 W/m2 (siehe Tabelle 2).

Experte

Institution

Grenzwertempfehlung

Prof. Dr. Robert Wana

Wissenschaftlicher Beirat Funk (WBF)

10 W/m2 (ÖVE/ÖNORM 8850)

DI Dr. Hans-Peter Hutter

Institut für Umwelthygiene (Medizinische Universität Wien)

1 mW/m2

Dr. Gerd Oberfeld

Landessanitätsdirektion Salzburg

0,001 mW/m2 (Salzburger Vorsorgewert)

Tabelle 2: Von namhaften Experten im Juni 2006 empfohlene Grenzwerte
für Belastungen durch elektromagnetische Wechselfelder

 

Daher entschloss sich der ZID, das Vorsorgeprinzip anzuwenden und alles zu tun, um die von den Accesspoints ausgehende Strahlenbelastung möglichst gering zu halten. Dies erreichen wir durch eine Beschränkung der maximalen Sendeleistung der Accesspoints auf 1 mW. Eine mögliche Elektrosmog-Belastung an Dauerarbeitsplätzen kann zusätzlich durch sorgfältige Wahl des Aufstellungsortes (Einhaltung eines möglichst großen Abstands zu Dauerarbeitsplätzen, Ausnutzung der abschirmenden Wirkung von Gebäudeteilen wie Wände oder Glasscheiben) vermindert werden. Durch sorgfältige Festlegung der Strategie, welche Bereiche mit WLAN versorgt werden sollen, ist ebenfalls eine Senkung der E-Smog-Belastung für die UniversitätsmitarbeiterInnen möglich. So könnten z.B. Notebooks an Dauerarbeitsplätzen anstatt über WLAN weiterhin über die Netzwerkverkabelung angebunden werden. In Aufenthaltsbereichen - speziell solchen für Studierende - oder Besprechungsräumen ist eine WLAN-Versorgung hingegen durchaus sinnvoll. Die Initiative zur Errichtung einer solchen Infrastruktur muss allerdings von der jeweiligen Organisationseinheit der Universität Wien ausgehen (wenden Sie sich dazu bitte per eMail an netzwerk.zid@univie.ac.at).

Fazit

Bei der Abwägung möglicher Risiken gegen den Nutzen mobiler Technologien hat sich die heutige Gesellschaft für den Mobilfunk entschieden. Wissenschaftliche Forschungen liefern derzeit noch zu wenig stichhaltige Ergebnisse, um diesen Trend wesentlich zu beeinflussen: Es gibt keine direkt messbaren Anzeichen dafür, dass elektromagnetische Strahlung in den derzeit üblichen Mengen eine schädliche Wirkung hat, gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Funknetze konnten bisher noch nicht wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen werden. Diesem Trend folgend wurde auch an der Uni Wien - aufgrund der großen Nachfrage durch MitarbeiterInnen und Studierende und auf ausdrücklichen Wunsch der LeiterInnen von Organisationseinheiten - der Ausbau der WLAN-Infrastruktur an den Universitätsstandorten in der Leistungsvereinbarung des Zentralen Informatikdienstes festgelegt.

Nachdem diese Technologien erst seit wenigen Jahren eingesetzt werden, liegen allerdings noch keine Untersuchungen über mögliche Langzeitfolgen von durch WLAN bzw. Mobilfunk verursachtem Elektrosmog vor; auch können beobachtete Phänomene zum Teil noch nicht wissenschaftlich erklärt werden. Somit ist noch kein endgültiges Urteil möglich, weshalb das Vorsorgeprinzip auch an der Universität Wien zur Anwendung gelangen muss. Die Herausforderung für den ZID liegt also darin, dem stetig wachsenden Bedürfnis nach mobiler Kommunikation gerecht zu werden und gleichzeitig die Funknetze der Uni Wien - wie oben beschrieben - mit Bedacht zu errichten und zu betreiben, um ein mögliches Risiko für alle Universitätsangehörigen und Gäste auf ein Minimum zu reduzieren. Regelmäßige exemplarische Messungen der realen Strahlenbelastung sind in diesem Zusammenhang selbstverständlich.

Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass jeder einzelne von uns sich selbst und sein Umfeld durch den unbedachten Einsatz mobiler Kommunikationsgeräte temporär wesentlich größeren Strahlenbelastungen aussetzt als z.B. von der WLAN-Infrastruktur permanent abgestrahlt werden (siehe Tabelle 3).

 

Quelle

Exposition Mittelwert

Exposition Spitzenwert

WLAN - Uni Wien / ZID, 1 m

0,047 mW/m2

0,14 mW/m2

WLAN - Uni Wien / ZID, 3 m

0,038 mW/m2

0,26 mW/m2

WLAN - Uni Wien / ZID, 5 m

0,018 mW/m2

0,169 mW/m2

Notebook, 60 cm Abstand

0,0014 mW/m2

0,082 mW/m2

Handy Nokia 6210, 2 m, Verbindungsaufbau

1,2 mW/m2

> 20 mW/m2

Handy Nokia 6210, 2 m, Gespräch

1,8 mW/m2

2,8 mW/m2

Tabelle 3: Tatsächliche Belastungen ausgehend von aktiven Komponenten,
gemessen im Juni 2006 am ZID der Universität Wien (verwendetes Messgerät: Gigahertz-Solutions HF59B)

Messverfahren für Elektrosmog

Zur Festlegung von offiziellen Grenz- und Richtwerten (siehe Tabelle unten) werden folgende Messverfahren herangezogen:


Stromdichtemessung

Bei niederfrequenter Strahlung bis 30 kHz wird zur Ermittlung von Grenzwerten die Änderung der Stromdichte im Körper gemessen. Niederfrequente magnetische Wechselfelder induzieren bei geeigneter Stärke einen elektrischen Stromfluss im Körper. Niederfrequente elektrische Wechselfelder bewirken durch Ladungsverteilung einen elektrischen Stromfluss im Körper. Die Grenzwerte werden für das magnetische Wechselfeld in Tesla (T) bzw. für das elektrische Wechselfeld in Volt pro Meter (V/m) angegeben.


Spezifische Absorptionsrate (SAR)

Das thermische Wirkungsmodell ist die Grundlage der gesetzlichen Grenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Wechselfelder (nicht ionisierende Strahlung). Diese beziehen sich daher nur auf die thermischen Effekte, also auf Gewebeerwärmungen durch Strahlungsabsorption. In den Körper eindringende, nicht ionisierende Strahlung kann ab einer bestimmten Stärke das Gewebe erwärmen und es dadurch schädigen. Es wird davon ausgegangen, dass dafür eine bestimmte Zeit notwendig ist. Daher werden zur Einschätzung der biologischen Wirkungen nicht die für Sekundenbruchteile auftretenden Spitzenwerte herangezogen, sondern die über ein bestimmtes Zeitintervall gemittelten Leistungsflussdichten. Bei hochfrequenter Strahlung zwischen 30 ?kHz und 300 GHz wird daher die spezifische Absorptionsrate (SAR) des gesamten Organismus bzw. des Kopfes ermittelt. Die SAR gibt an, wie viel elektromagnetische Energie vom Körper in äußeren Feldern aufgenommen und in Wärme umgewandelt wird. Über einer Frequenz von 30 kHz treten die Moleküle des Organismus mit den Wellen der äußeren Felder in Resonanz und beginnen zu schwingen bzw. zu rotieren. Dies erzeugt einen Wärmeeffekt im Organismus, der heute als Basis für Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (ICNIRP) und auch der Europäischen Union herangezogen wird.

Man unterscheidet zwischen Ganzkörper-SAR und Teilkörper-SAR (kleinerer Gewebebereich, z.B. Kopf). Die SAR wird in Watt pro Kilogramm (W/kg) angegeben. In Österreich gelten für elektromagnetische Felder ebenfalls die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO). So wurde z.B. als SAR im Umfeld von Handymasten 0,08 W/kg für den ganzen Körper und als SAR beim Telefonieren mit dem Handy 2 W/kg für den Kopf als betroffenen Teilbereich des Körpers festgesetzt.

Leistungsflussdichte (abgeleiteter Grenzwert)

Die Leistungsflussdichte beschreibt die Intensität der Strahlung. Sie gibt an, wie viel Energie mit Hilfe elektromagnetischer Wellen durch den Raum transportiert wird. Als Einheit der Leistungsflussdichte wird Watt pro Quadratmeter (W/m2) verwendet; häufig wird auch Milliwatt pro Quadratmeter (mW/m2) bzw. Mikrowatt pro Quadratmeter (µW/m2) als Einheit angegeben (1 W = 1000 mW; 1 mW = 1000 µW). Da die Ermittlung der SAR-Basisgrenzwerte in der Praxis sehr aufwendig ist, wurden so genannte "abgeleitete Grenzwerte" zur einfachen Messung der elektromagnetischen Felder entwickelt. Aus den SAR-Basisgrenzwerten und unter Berücksichtigung eines Sicherheitsfaktors von 50 ergeben sich folgende frequenzspezifischen Grenzwerte:

  • UMTS: 10 W/m2
  • GSM 1800 MHz: 9 W/m2
  • GSM 900 MHz: 4,5 W/m2

Diese abgeleiteten Grenzwerte stellen sicher, dass die Basisgrenzwerte (SAR) nicht überschritten werden, d.h. dass die Erwärmung des Kopfes beim Telefonieren mit dem Handy 0,1° C nicht übersteigt.

Grenz- und Richtwerte

mW/m2

ICNIRP/WHO/EU-Ratsempfehlung (1800 MHz, z.B. GSM)

9000*

Deutschland (1800 MHz, z.B. GSM)

9000

Österreich-ÖNORM S 1120 (900 MHz / 1800 MHz, z.B. GSM)

6000 / 10000

Russland (Summe Hochfrequenz)

100

Wien (Gemeindebauten Summe GSM, Innen und Außen)

10*

Salzburger Vorsorgewert 1998 (Summe GSM Außen)

1*

Salzburger Vorsorgewert 2002 (Summe GSM Außen)

0,01*

Salzburger Vorsorgewert 2002 (Summe GSM Innen)

0,001*

Grenz-/Richtwerte für hochfrequente elektromagnetische Wechselfelder (Mobilfunk)
* = Richtwerte

Weiterführende Informationen

  • Informationsstelle zum Thema WLAN & Elektrosmog:
    Zentraler Informatikdienst der Universität Wien (Kontakt: netzwerk.zid@univie.ac.at)

  • Informationsstelle zum Thema Elektrosmog & gesundheitliche Beeinträchtigungen:
    Abteilung für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerschutz (ANS) des Raum- und Ressourcenmanagements (www.univie.ac.at/ANS/) bzw. Arbeitsmediziner der Uni Wien (über ANS erreichbar)

  • Broschüre Elektromagnetische Felder der AUVA:
    erhältlich in der Abteilung für Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerschutz, auch als PDF-Datei verfügbar

  • ÖNORM S 1119:
    Grenzwerte für niederfrequente elektrische und magnetische Wechselfelder (www.ove.at)

  • ÖVE/ÖNORM 8850:
    Grenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Wechselfelder (www.ove.at)

  • Elektrosmog auf Wikipedia:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Elektrosmog


  • Informationsplattform zum Thema EMF der Forschungsstiftung Mobilkommunikation, ETH Zürich:
    www.emf-info.ch
    (alltägliche Belastung leicht verständlich aufbereitet - sehr empfehlenswert für Neueinsteiger)

  • Deutsches Mobilfunk-Forschungsprogramm:
    www.emf-forschungsprogramm.de


  • Moser, Rolf: Das Handyhandbuch,
    Verlag der Grünen Bildungswerkstatt OÖ, ISBN 3-902009-25-X
    (kostenloser Download unter www.ooe.gbw.at/verlag/vorschau/das-handyhandbuch-neu/)

  • Grasberger, Th. und Kotteder, F.: Mobilfunk - Freilandversuch am Menschen,
    Kunstmann (2003), ISBN 3-88897-328-7

1) Anmerkung: Diese Symptome, wie auch die oben genannten Blutdruckveränderungen, werden mittlerweile bei den verschiedensten Krankheitsbildern angeführt - z.B. bei Elektrosensibilität oder auch bei diversen Umweltkrankheiten wie Chemikalienunverträglichkeiten.

2) Wolf C., Barth A.: Befindlichkeitsstörungen ohne Befund - moderne Symptome, Internist 43: 833 (2002)

3) Krause et al. 2000: Effects of electromagnetic field emitted by cellular phones on the EEG during a memory task, Neuroreport 11(4), 761-764