Storage & Backup
Der aktuelle Status des SAN-Projekts

von Peter Marksteiner (Ausgabe 06/3, Oktober 2006)

 

Kasten: Storage- und Backup-System: Technische Daten

Im Comment 06/1 wurde das Projekt vorgestellt, ein Storage Area Network (SAN) für die Universität Wien zu errichten.1) Damit soll einerseits die heterogene und teilweise veraltete Ausrüstung des ZID mit Massenspeicher konsolidiert und andererseits der chronische Platzmangel durch einen großzügigen Ausbau behoben werden. Im Rahmen dessen soll auch das Backup-System, das 1997 angeschafft wurde und schon in die Jahre gekommen ist, erneuert werden. Im Folgenden wird über den aktuellen Status dieses Projektes berichtet.

Am 7. Februar 2006 wurde eine entsprechende Ausschreibung veröffentlicht. 23 Firmen haben die Ausschreibungsunterlagen abgeholt; davon haben zehn bis zum Ende der Frist am 31. März 2006 ein Angebot abgegeben. Das mag nicht viel erscheinen, doch mehr war kaum zu erwarten: Obwohl die Ausschreibung EU-weit veröffentlicht wurde, ist sie hauptsächlich für lokale Anbieter interessant - und da kommen nicht allzu viele in Frage. Das Interesse in der Branche war enorm: Storage-Projekte dieser Größenordnung gibt es in Österreich wohl kaum öfter als einmal im Jahr. Alle namhaften Hersteller von Storage-Produkten waren vertreten, entweder selbst oder durch Partnerfirmen, die als Reseller fungierten. Auch ein oder zwei "Außenseiter" versuchten ihr Glück mit weniger bekannten Produkten. Die Ermittlung des Bestbieters war recht aufwendig und erforderte auch die Durchführung von Leistungstests (Benchmarks), die gemeinsam mit den Anbietern in der ersten Junihälfte erfolgte.

The winner is ...

Am 27. Juni 2006 wurde schließlich die Entscheidung gefällt: Den Zuschlag erhielten die Firmen Bull GmbH für den Teilbereich Storage und EDV-Design Informationstechnologie GmbH für den Teilbereich Backup.

Bull GmbH ist die österreichische Niederlassung des internationalen Bull-Konzerns mit Sitz in Frankreich. Bull - benannt nach dem norwegischen Ingenieur Fredrik Rosing Bull, der 1919 eine auf Lochkarten basierende Rechenmaschine erfand - wurde 1931 in Paris gegründet und hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Heute ist Bull ein IT-Unternehmen, das neben Hardware (Server, Mainframes, Supercomputer) auch Software, Systemintegration, Dienstleistungen und Consulting anbietet. Bull GmbH tritt als Generalunternehmer und Systemintegrator auf; die Hardware wird größtenteils von anderen Firmen zugekauft, wobei die meisten Komponenten von EMC stammen.

EMC wurde 1979 gegründet und produzierte ursprünglich Möbel. Heute ist EMC einer der führenden Hersteller von Storage-Systemen. Das Firmenlogo zeigt den Schriftzug EMC2, das ist eine Kontraktion von EMCC, wobei die ersten drei Buchstaben die Initialen der Firmengründer sind und das zweite C für Corporation steht. Der Name hat also nichts mit der berühmten Einstein-Formel E=mc2 zu tun, obwohl die Assoziation möglicherweise durchaus erwünscht ist.

1999 übernahm EMC die Firma Data General, die 1994 ein damals höchst innovatives Plattensystem namens HADA (High Availability Disk Array) vorgestellt hatte. Später wurde dieses unter dem Namen CLARiiON vermarktet und von EMC weiterentwickelt. Das neue Storage-System der Universität Wien heißt mit vollem Namen CLARiiON CX3-80 UltraScale und ist das größte Modell der neuesten CLARiiON-Generation, die erst am 8. Mai 2006 - also nach Ende der Abgabefrist - offiziell angekündigt wurde. Die technischen Daten des Systems sind im Kasten unten zu finden. Die Netzwerk-Komponenten (Switches) des SAN werden ebenfalls von EMC geliefert; es handelt sich dabei aber um OEM-Produkte2) von Brocade Communications Systems, dem führenden Hersteller von Fibre Channel-Switches.

Backup-System

EDV-Design Informationstechnologie GmbH ist eine kleine Firma, die als IBM-Partner hauptsächlich IBM-Systeme vertreibt. Auch die angebotene Backup-Lösung ist von IBM: Nachdem ebenso wie beim bestehenden Backup-System der IBM Tivoli Storage Manager (TSM) als Software zum Einsatz kommt, wird sich aus Benutzersicht nicht viel ändern: Die bisherigen Klienten funktionieren weiter,3) durch die höhere Leistungsfähigkeit der Server und die größere Geschwindigkeit der Bandlaufwerke werden Backup und Restore jedoch oft schneller vonstatten gehen. Vor allem aber sind wir durch die weitaus größere Kapazität des neuen Bandarchivs4) für einige Zeit für die großen Datenmengen gerüstet, die demnächst - vor allem auch durch das neue Storage-System - auf uns zukommen werden.

Zeitplan

Das Backup-System wurde sehr schnell geliefert und im Laufe des Sommers aufgestellt, installiert und getestet. Die Abnahme erfolgte am 6. September 2006. Das Storage-System wurde am 30. August geliefert. Nachdem es sich um ein sehr komplexes System handelt, nahm die Installation und Konfiguration längere Zeit in Anspruch und war in der dritten Septemberwoche abgeschlossen. Wie bereits im Comment 06/1 berichtet, soll das neue Storage-System aus Gründen der Ausfallsicherheit auf zwei Universitätsstandorte (Neues Institutsgebäude und Hauptgebäude) aufgeteilt werden. Nachdem die Adaptierung der benötigten Räumlichkeiten im Hauptgebäude noch nicht fertiggestellt ist, wurden vorläufig beide Teile in getrennten Systemräumen des Neuen Institutsgebäudes untergebracht.

Das Storage Area Network wird eine zentrale Komponente der Infrastruktur des ZID sein, ohne die die meisten Services nicht funktionieren. Aus diesem Grund ist eine gründliche Vorbereitung mit umfangreichen Tests erforderlich. Die Testphase wird voraussichtlich Ende Oktober abgeschlossen sein. Dann werden zuerst die Fileserver5) an das SAN angeschlossen werden, weil dort derzeit der größte Platzmangel herrscht. Weitere Server werden nach und nach folgen; bis Jahresende sollte der Großteil der Daten übersiedelt sein. Wann der neue Systemraum im Hauptgebäude in Betrieb genommen werden kann, ist noch ungewiss: Vor allem aufgrund von Verzögerungen bei den erforderlichen Genehmigungen kann das noch länger dauern.

 

Storage- und Backup-System: Technische Daten

Primärer Standort (Neues Institutsgebäude / NIG):

  • ein Storage-System EMC CLARiiON CX3-80 UltraScale mit 16 GB Cache und einer Gesamtkapazität von 150 Terabyte, davon 62 TB in Form von 146 GB- und 300 GB-FC-Platten, der Rest in Form von Low-Cost Fibre Channel-Platten (500 GB; diese ersetzen in der neuesten Generation die bisher angebotenen S-ATA-Platten); eine Management Station Bull Express5800/TM800

  • zwei EMC DS-4900B Fibre Channel-Switches mit je 48 Ports (4 Gbit/s)

Sekundärer Standort (derzeit NIG, später Hauptgebäude):

  • ein Storage-System EMC CLARiiON CX3-80 UltraScale mit 16 GB Cache und einer Gesamtkapazität von 50 Terabyte, davon 20 TB in Form von 146 GB- und 300 GB-FC-Platten, der Rest in Form von Low-Cost Fibre Channel-Platten (500 GB); eine Management Station Bull Express5800/TM800

  • zwei EMC DS-4900B Fibre Channel-Switches mit je 32 Ports (4 Gbit/s)

  • ein Bandarchiv mit Roboter IBM 3584, bestehend aus drei Einheiten ("Frames") mit insgesamt zehn Bandlaufwerken IBM 3592-E05 ("Jaguar") und 1024 Stellplätzen für Bandkassetten. Davon sind derzeit 800 mit Kassetten mit einer Kapazität von je 500 GB bestückt, sodass sich eine Gesamtkapazität von 400 Terabyte ergibt.

  • zwei Backup-Server IBM pSeries 52A mit je vier Prozessoren und 4 GB Hauptspeicher

 

1) siehe Artikel Speicherplatz Absolut Notwendig in Comment 06/1

2) Original Equipment Manufacturer: Damit werden in der Computerbranche Produkte bezeichnet, die unter dem Namen eines anderen Herstellers verkauft werden.

3) Ab einem Stichtag, der noch bekanntgegeben wird, zeigt der Hostname BACKUP.UNIVIE.AC.AT auf einen der neuen Backup-Server, sodass Sicherungen auf das neue Backup-System erfolgen. Um auf Daten zuzugreifen, die vor diesem Tag gesichert wurden, ist dann der Hostname RESTORE.UNIVIE.AC.AT anzugeben.

4) Zum Vergleich: Das bisherige Bandarchiv besteht aus zehn Frames und hat etwa ein Viertel der Kapazität der drei Frames des neuen Systems, welches noch durch zusätzliche Frames beliebig erweitert werden kann.

5) siehe Artikel Fileservices: Willkommen in der Daten-Bank in Comment 05/1