UNIVIS: Anmeldesysteme
Piloten ist nichts verboten

von Martin Polaschek (Ausgabe 06/2, Juni 2006)

 

Kasten: UNIVIS online


Im letzten Comment-Artikel zum Thema UNIVIS1) wurde bereits kurz über Arbeiten an einem Prototyp eines Lehrveranstaltungs-Anmeldesystems für die Studienrichtung Politikwissenschaft berichtet. Der im Rahmen dieses Pilotprojekts Politikwissenschaft entwickelte Prototyp ist mittlerweile seit zwei Semestern im Einsatz - Zeit also für ein Resümee.

Wie es in diesem Bereich zu einem - für das Projekt UNIVIS durchaus untypischen - Verzug von mittlerweile mehreren Jahren gekommen ist, warum man sich für die - ebenfalls untypische - Durchführung eines Pilotprojekts ohne vorherige breit angelegte Planung und Entscheidungsfindung entschieden hat und was das Thema Lehrveranstaltungs-Anmeldesysteme ausreichend komplex macht, um eine universitätsweite Lösung nachhaltig zu verzögern, obwohl doch vermeintlich schon der Begriff allein den Leistungsumfang eines solchen Systems recht umfassend beschreibt - auch diesen Fragen soll im Rahmen dieses Artikels nachgegangen werden.

Lehr- und Prüfungsverwaltung in UNIVIS

Die Einführung eines Anmeldesystems für Lehrveranstaltungen und Prüfungen ist im Rahmen des Projektes UNIVIS im Teilprojekt Studienwesen angesiedelt.2) In diesem Teilprojekt werden die Bereiche Studierendenverwaltung, Lehrverwaltung und Prüfungsverwaltung unterschieden. Während die Studierendenverwaltung und die Lehrverwaltung weitgehend planmäßig in Betrieb genommen werden konnten, zeichneten sich bei der Prüfungsverwaltung bald Probleme ab, die die Aufspaltung in zwei Teilbereiche erforderlich machten, nämlich die Prüfungsergebnisverwaltung einerseits und die umfassende Prüfungsverwaltung andererseits.

Im Rahmen der Prüfungsergebnisverwaltung wurden mit hoher Priorität jene Funktionen umgesetzt, die zur Erfüllung des gesetzlichen Auftrags rasch benötigt wurden, also im Wesentlichen eine zentrale Prüfungsevidenz mit angeschlossenen Funktionen (z.B. Zeugnisausfertigung). Die darüber hinausgehenden Funktionen wurden in der umfassenden Prüfungsverwaltung zusammengefasst - und aus Zeitgründen auf später verschoben.

Der gesamte Bereich Anmeldesysteme (inklusive Lehrveranstaltungs-Anmeldesysteme) wurde der umfassenden Prüfungsverwaltung zugerechnet. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Zuordnung ist bei einer näheren Betrachtung eher verständlich: Es ist prinzipiell zu unterscheiden zwischen Anmeldungen zu Lehrveranstaltungen und Anmeldungen zu Prüfungen. Bei den Lehrveranstaltungen ist weiters zu unterscheiden zwischen

  • Lehrveranstaltungen mit immanentem Prüfungscharakter (auch prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen genannt): Bei diesen Lehrveranstaltungen (z.B. Übungen, Proseminare) erfolgt die Beurteilung während der gesamten Dauer der Lehrveranstaltung. Die Anmeldung zur Lehrveranstaltung ist daher zugleich auch die Anmeldung zur Prüfung.

  • Lehrveranstaltungen ohne immanenten Prüfungscharakter: Bei diesen Lehrveranstaltungen (z.B. Vorlesungen) erfolgt die Beurteilung im Rahmen eines eigenständigen Prüfungsaktes, in der Regel am Ende des Semesters und in weiteren Prüfungsterminen danach. Zusätzlich zur Anmeldung zur Lehrveranstaltung (sofern eine solche vorgesehen ist), wird eine gesonderte Anmeldung zu einem der Prüfungstermine erforderlich sein, zumal ja mit der Teilnahme an der Lehrveranstaltung noch keine Verpflichtung zur Ablegung der entsprechenden Prüfung entsteht.

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen haben im Normalfall eine beschränkte TeilnehmerInnenzahl, und dies führt - vor allem dann, wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot - zumeist unmittelbar zur Notwendigkeit einer "Anmeldung" im weitesten Sinne. Bei entsprechend großen Studierendenzahlen wird eine Anmeldung durch persönliches Vorsprechen oder handschriftliches Eintragen in einer Liste nicht mehr administrierbar sein, und ein EDV-unterstütztes Anmeldesystem wird erforderlich. Der Hauptbeweggrund für die Einführung eines Lehrveranstaltungs-Anmeldesystems ist somit die Verteilung der beschränkt verfügbaren Plätze in prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen.

Ein weiterer Umstand intensiviert den Zusammenhang zwischen Lehrveranstaltungsanmeldung und Prüfungsverwaltung: Neben dem beschränkten Platzangebot sind bei der Anmeldung zu Lehrveranstaltungen auch studienrechtliche Rahmenbedingungen zu beachten. Im Curriculum (vor dem UG2002: Studienplan) kann festgelegt werden, dass für die Teilnahme an einer Lehrveranstaltung bestimmte Voraussetzungen (z.B. die positive Absolvierung von Prüfungen) zu erfüllen sind (§ 54(7) UG2002). Wenn ein Anmeldesystem derartige Nebenbedingungen prüfen soll, so ist das jeweilige Curriculum im System in geeigneter Weise abzubilden. Eine entsprechende Curriculum-Verwaltung ist eines der Ziele der umfassenden Prüfungsverwaltung.

Ein Problem - viele Lösungen

Die Erfahrungen im Projekt UNIVIS haben gezeigt, dass die universitätsweit einheitliche Unterstützung von Abläufen durch Informationstechnologie dann vergleichsweise reibungslos umgesetzt werden kann, wenn zumindest einer der folgenden Umstände zutrifft:

  • Der Ablauf ist durch gesetzliche Vorgaben relativ genau geregelt.

  • Der Ablauf wird von einer zentralen Stelle der Universität durchgeführt oder zumindest koordiniert und damit an der gesamten Universität weitgehend einheitlich abgewickelt.

  • Der Ablauf wird bereits durch ein zumindest in weiten Teilen der Universität eingesetztes System unterstützt, das somit den kleinsten gemeinsamen Nenner der unter Umständen unterschiedlichen Ansprüche darstellt und als Basis für eine Neuentwicklung geeignet ist.

Leider trifft für den Bereich Anmeldesysteme keiner dieser Umstände zu. Die entsprechende gesetzliche Regelung findet sich im § 54(8) UG2002:

Im Curriculum ist für Lehrveranstaltungen mit einer beschränkten Zahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Anzahl der möglichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie das Verfahren zur Vergabe der Plätze festzulegen. Dabei ist zu beachten, dass den bei einer Anmeldung zurückgestellten Studierenden daraus keine Verlängerung der Studienzeit erwächst.

Es hat sich herausgestellt, dass der zweite Teil dieser Regelung zwar schwierig zu erfüllen ist, aber insgesamt kaum konkrete Hinweise enthalten sind, wie dies zu bewerkstelligen sei. Die Anmeldung zu Lehrveranstaltungen (und Prüfungen) wird an der Uni Wien weder zentral abgewickelt noch koordiniert, und es gibt auch keine universitätsweit einheitlichen Vorgaben. Der massiv vorhandene Bedarf an Anmeldesystemen in Verbindung mit dem Fehlen eines zentralen Serviceangebots hat daher seit etwa 1985 zur Entwicklung von zahlreichen individuellen Anmeldesystemen geführt, die von Fakultäten, Instituten und mitunter einzelnen LehrveranstaltungsleiterInnen betrieben wurden und werden. Der Student Point führt eine Liste von Anmeldesystemen;http://studentpoint.univie.ac.at/index.php?id=325; der dort enthaltene Aufruf, neu entdeckte Anmeldesysteme doch bitte der Redaktion zu melden, verdeutlicht die Situation recht plastisch.

Abgesehen vom Funktionsumfang und dem äußeren Erscheinungsbild unterscheiden sich die bestehenden Anmeldesysteme vor allem hinsichtlich der Vorgangsweise bei der Vergabe der Plätze. Im Wesentlichen sind hier drei Varianten zu unterscheiden:

  • Vergabe der Plätze in der Reihenfolge der Anmeldung: Diese Strategie simuliert die früher übliche Warteschlange. Neben der Grundidee wurde dabei auch die überdurchschnittlich häufige mediale Präsenz aufgrund der mitunter unerfreulichen Begleitumstände (menschliche Zusammenbrüche einst, Serverzusammenbrüche jetzt) übernommen.

  • Vergabe der Plätze durch Zufall/Losentscheid

  • Vergabe der Plätze auf individueller Basis: Als Kriterien werden hier Präferenzen der Studierenden (z.B. mit Hilfe so genannter Auktionssysteme), eine Bewertung des Studienfortschritts oder andere individuelle Faktoren herangezogen.

Gemeinsam ist den meisten Systemen, dass sie schon länger im Einsatz und daher recht gut auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt sind. Die Ablösung durch ein einheitliches System wird daher verständlicherweise nur dann auf Akzeptanz stoßen, wenn durch das neue System zumindest keine Verschlechterung der Situation eintritt. Vor allem auch die Art der Platzvergabe stellt für die meisten BetreiberInnen solcher Systeme ein Kriterium dar, auf das nicht verzichtet werden kann. Für ein universitätsweites System ist es jedoch, nicht zuletzt im Sinne der Bedienbarkeit, ein wesentlicher Erfolgsfaktor, dass man sich - wenn schon nicht auf eine - auf einige wenige Vergabevarianten einigt, die darüber hinaus auch miteinander verträglich sein müssen (was leider auf die meisten im Einsatz befindlichen Varianten nicht zutrifft).

Auch die grundsätzlich sinnvolle Verknüpfung des universitätsweiten Anmeldesystems mit der Curriculum-Verwaltung hat sich als ein der raschen Umsetzbarkeit nicht eben zuträgliches Ziel erwiesen. Zwar ist praktisch jedes Curriculum für sich genommen in einem solchen System abbildbar, indem im Extremfall alle Vorschriften des Curriculums "ausprogrammiert" werden; dies wird in einigen der bestehenden Anmeldesysteme auch erfolgreich umgesetzt. Angesichts der Vielzahl von Curricula der Uni Wien würde dies bei einem universitätsweiten Anmeldesystem aber einen weder zeit- noch kostenmäßig vertretbaren Aufwand bedeuten, der zudem nicht nur bei der Einführung des Systems anfällt, sondern bei jeder Neuerstellung oder Änderung eines Curriculums. Die technische Herausforderung besteht also darin, ein System zu entwickeln, in dem mittels Konfiguration (also ohne Eingriff in das eigentliche System) alle Curricula abgebildet werden können und das im Idealfall von den fachlich für die Erstellung und Pflege der Curricula zuständigen Personen selbst bedient werden kann.

Es gab im Laufe des Projektes UNIVIS einige zeitintensive Bemühungen in diesem Zusammenhang, die im Wesentlichen ergaben, dass ein Formalismus, der ausreichend mächtig ist, um zumindest einen großen Teil der an der Universität Wien gültigen Curricula (bzw. damals Studienpläne) in hinreichender Genauigkeit abzubilden, einen so hohen Grad an Komplexität aufweist, dass der Einsatz eines darauf aufbauenden Systems gegenüber der individuellen Ausprogrammierung jedes einzelnen Curriculums praktisch keinen Vorteil hat. Es war daher bald klar,3) dass eine universitätsweite Abbildung von Curricula nur dann erfolgreich sein kann, wenn die Curricula nach einheitlichen Konstruktionsprinzipien aufgebaut sind. Ein Formalismus, der diese Konstruktionsprinzipien unterstützt, kann dann in Folge zur Abbildung aller Curricula benutzt werden, die diesen Prinzipien gehorchen. Selbstverständlich ist bei der Festlegung derartiger Prinzipien darauf zu achten, dass die dadurch zwangsläufig definierten Einschränkungen ausschließlich struktureller und keinesfalls inhaltlicher Natur sind. Aus diesem Grund kann die Festlegung solcher Prinzipien auch nicht durch den ZID erfolgen, sondern nur durch die für die Entwicklung von Curricula zuständigen Organe der Universität Wien.

Ein Pilotprojekt ...

Die im Zuge von UNIVIS im Bereich Studienwesen eingesetzte Software i3v verfügte bereits bei der Einführung über eine Komponente zur Modellierung von Studienplänen. Um Erfahrungen zu sammeln, wurde diese Komponente von der Firma GINIT um ein Online-Anmeldesystem erweitert und im Rahmen des Pilotprojekts [mcw]150 im Wintersemester 2001 an der damaligen Medizinischen Fakultät eingesetzt.4) Mit dem Inkrafttreten des neuen medizinischen Studienplanes im Wintersemester 2002 wurde das System auf die gesamte Fakultät ausgedehnt; an der heutigen Medizinischen Universität Wien ist es nach wie vor im Einsatz. Das Online-Anmeldesystem stellte sich jedoch bald als Schwachstelle heraus und wurde daher von der Universität Wien völlig neu entwickelt und in UNIVIS online (siehe Kasten) integriert.

Die Erfahrungen an der Medizinischen Fakultät zeigten, dass die Modellierungsmöglichkeiten von i3v für den medizinischen Studienplan recht gut geeignet sind. Es zeigte sich allerdings auch, dass dies zu einem wesentlichen Teil auf die spezifischen Eigenheiten dieses Studienplanes zurückzuführen ist und die Erkenntnisse daher nicht ohne weiteres für andere Studienpläne verallgemeinert werden konnten (aus heutiger Sicht mag daher die Wahl der Medizinischen Fakultät als Versuchsgelände ein wenig unglücklich erscheinen). Noch ein weiterer Aspekt war dem Einsatz an der Medizinischen Fakultät förderlich, einem Einsatz an der gesamten Uni Wien jedoch hinderlich: Das System beruht auf der Voraussetzung, dass nur Studierende teilnehmen, deren Studienplan im System abgebildet ist. Das war für die Medizinische Fakultät (und danach für die Medizinische Universität) aufgrund der überschaubaren Anzahl von Studienrichtungen mit vertretbarem Aufwand umsetzbar. Für die gesamte Universität Wien bedeutet dies aber, dass für den Einsatz des Systems die Abbildung aller aktuell gültigen Studienpläne erforderlich ist, was aufgrund der großen Anzahl von Studien für viele Jahre - wenn nicht überhaupt auf Dauer - unrealistisch ist.

... und noch eines

Im Juni 2005 wurde ein neuerlicher Anlauf zur Entwicklung eines Anmeldesystems im Rahmen von UNIVIS unternommen. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie sollte UNIVIS online bis zum Beginn des Wintersemesters 2005 um ein Anmeldesystem erweitert werden (genau genommen um ein weiteres Anmeldesystem, denn das Anmeldesystem für die Medizinische Universität war ja bereits integriert). Als Zugeständnis an diesen ehrgeizigen Zeitplan wurden - den bisherigen Erfahrungen Rechnung tragend - folgende Rahmenbedingungen festgelegt:

  • Um weltanschauliche Diskussionen in Bezug auf die Modalitäten der Platzvergabe zu vermeiden und auch sonst den Bedarf an zeitaufwendigen Abstimmungen auf ein Minimum zu reduzieren, sollte das Projekt vorerst auf eine Studienprogrammleitung (SPL) beschränkt bleiben (somit konnte die betroffene SPL autonom entscheiden) und alle erforderlichen Abstimmungen direkt zwischen der SPL und dem ZID erfolgen.

  • Da einerseits die Entwicklung einer allgemein verwendbaren Komponente zur Abbildung von Curricula im vorgesehenen Zeitrahmen nicht realisierbar schien (nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass einheitliche Konstruktionsprinzipien nach wie vor nicht vorlagen), und andererseits im Sinne einer späteren Ausdehnung des Projekts auf andere Studienprogrammleitungen die Entwicklung einer speziell auf die Bedürfnisse der teilnehmenden SPL abgestimmten Komponente zu vermeiden war, wurde auf eine Integration des Curriculums vorerst überhaupt verzichtet.

Als Projektpartner konnte die Studienprogrammleitung Politikwissenschaft gewonnen werden,5) die bereits erste Erfahrungen mit einem selbst entwickelten Anmeldesystem gesammelt hatte, das seit dem Studienjahr 2002/2003 für einen Teil der vom Institut für Politikwissenschaft angebotenen Lehrveranstaltungen eingesetzt worden war. Dieses System sollte nun durch ein Nachfolgesystem abgelöst werden, das einerseits für alle Lehrveranstaltungen der SPL zum Einsatz kommen und zudem auch für die Prüfungsanmeldung geeignet sein sollte.

Im Juli 2005 begannen intensive Gespräche zwischen VertreterInnen der SPL und dem ZID, die aufgrund der bereits recht konkreten Vorstellungen der SPL rasch vorankamen. Planmäßig ab 3. 10. 2005 erfolgte die Anmeldung zu den Lehrveranstaltungen des Instituts für Politikwissenschaft über UNIVIS online. Die Anmeldephase verlief technisch reibungslos, lediglich die gewohnt spartanische Benutzeroberfläche von UNIVIS online bereitete vereinzelt Probleme bei der Bedienung.

Für die Anmeldungen des Sommersemesters 2006 wurden die Erfahrungen aus dem Wintersemester 2005 berücksichtigt und das System um einige Funktionen erweitert. Außerdem wurden nunmehr auch die Lehrveranstaltungen des Instituts für Staatswissenschaft in das System aufgenommen. Im Wintersemester 2005 war (wie in den Semestern davor) die Anmeldung zu diesen Lehrveranstaltungen noch im Anmeldesystem ISWI abgewickelt worden, und zwar im Wesentlichen deshalb, weil die entsprechenden Vorarbeiten am Institut (Erfassung der Lehrveranstaltungen, Festlegung der Anmeldefristen, Information der Studierenden usw.) längst abgeschlossen waren, als das Pilotprojekt Politikwissenschaft ins Leben gerufen wurde.

Zur Charakterisierung des im Rahmen des Pilotprojektes entwickelten Prototyps soll im Folgenden auf einige Eigenschaften desselben eingegangen werden:

  • Das Anmeldesystem ist Bestandteil des Universitätsverwaltungssystems i3v und arbeitet daher mit dem zentralen Datenbestand der Universität Wien. Folglich entfällt etwaige Mehrarbeit durch mehrfaches Erfassen von Daten, und auch der aufwendige Betrieb fehleranfälliger Systemschnittstellen ist nicht erforderlich.

  • Die Bedienung des Systems erfolgt für Studierende (z.B. zum An- und Abmelden) und Lehrende (z.B. zum Zugriff auf Anmeldelisten) über UNIVIS online - also über einen beliebigen Webbrowser. Die Verwaltung des Systems (z.B. die Festlegung der Anmeldefristen oder die Erfassung von Noten) erfolgt über i3v. Da die zugrunde liegenden Daten (Lehrveranstaltungsdaten, Studierendendaten usw.) ohnehin bereits in i3v verfügbar sind, ist der für die Konfiguration der Anmeldung erforderliche Zusatzaufwand minimal.

  • Das System unterscheidet hinsichtlich der Lehrveranstaltungsanmeldung zwischen Lehrveranstaltungen mit beschränkter TeilnehmerInnenzahl (in der Regel prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen) und solchen ohne Zugangsbeschränkung (klassischer Vertreter dieser Kategorie ist die Vorlesung). Die - nicht in allen Systemen übliche - Anmeldung zu Vorlesungen dient zum einen der SPL als Information über die Nachfrage nach den einzelnen Veranstaltungen, um z.B. eine Veranstaltung bei Bedarf in einen größeren Hörsaal zu verlegen (wobei die Reaktionsmöglichkeiten in Anbetracht der Hörsaalsituation der Universität in der Regel beschränkt sind). Zum anderen können die TeilnehmerInnen einer Veranstaltung künftig per eMail mit relevanten Informationen (z.B. kurzfristigen Änderungen) versorgt werden.

  • Die Aufnahme in Veranstaltungen mit Platzbeschränkung erfolgt nach einem so genannten Präferenzsystem; der Zeitpunkt der Anmeldung ist dabei nicht relevant. Die Studierenden melden sich zu einem beliebigen Zeitpunkt innerhalb der Anmeldefrist (diese dauert in der Regel eine Woche) zu den gewünschten Lehrveranstaltungen an und reihen diese nach persönlicher "Wichtigkeit", beginnend mit 1 für die subjektiv wichtigste Lehrveranstaltung. Diese Wunschliste wird bei der Vergabe der Plätze insofern berücksichtigt, als die Aufnahme in die Veranstaltungen in der Reihenfolge der Wunschliste erfolgt. In eine konkrete Lehrveranstaltung werden also zuerst alle Studierenden aufgenommen, die diese auf Platz 1 der Wunschliste haben, danach folgen jene, die sie auf Platz 2 haben usw., bis die Veranstaltung ausgebucht ist.

  • Lehrveranstaltungen, die mehrfach angeboten werden (Parallelveranstaltungen), können nur einmal besucht werden (d.h. man kann nicht zwei inhaltlich gleiche Parallelveranstaltungen im selben Semester besuchen). Es ist jedoch möglich, sich für mehrere davon anzumelden und die persönlichen Präferenzen in Form einer Reihung anzugeben, die bei der Zuteilung nach Maßgabe verfügbarer Plätze berücksichtigt wird.

  • Nach der Anmeldefrist erfolgt die Zuteilung der Plätze aufgrund der festgelegten Kriterien. Die Studierenden können online eruieren, in welche Veranstaltungen sie aufgenommen wurden. Nach der Zuteilung erfolgt eine zweite Anmeldephase für Restplätze und etwaige infolge der Nachfrage zusätzlich angebotenen Lehrveranstaltungen. Die Anmeldung und Zuteilung in dieser Nachfrist erfolgt nach denselben Kriterien wie im ersten Durchgang. Die Listen der aufgenommenen Studierenden stehen den LehrveranstaltungsleiterInnen sowohl in UNIVIS online als auch in i3v zur Verfügung.

  • Da die Studierenden bei der Anmeldung noch nicht wissen können, in welche Veranstaltungen sie letztlich aufgenommen werden, besteht prinzipiell die Gefahr, in Lehrveranstaltungen aufgenommen zu werden, die sich teilweise oder zur Gänze zeitlich überschneiden und daher nicht besucht werden können. Um die Anmeldung flexibler zu gestalten, erlaubt das System zwar eine Anmeldung zu kollidierenden Veranstaltungen, teilt jedoch nur Veranstaltungen zu, die auch besucht werden können (eine minimale Überschneidung wird toleriert).

  • Damit alle für die Auswahl von Lehrveranstaltungen hilfreichen Informationen an einer Stelle zugänglich sind, wurde auch ein Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis in UNIVIS online integriert. Die entsprechenden Daten werden (wie auch alle anderen) in i3v gepflegt.

  • Auch die Anmeldung zu Lehrveranstaltungsprüfungen kann über UNIVIS online abgewickelt werden. Die Listen der aufgenommenen Studierenden stehen den PrüferInnen auch hier sowohl in UNIVIS online als auch in i3v zur Verfügung. Die Erfassung der Beurteilungen (Noteneingabe) erfolgt vorerst nur über i3v.

Ausblick

Das Projekt Lehre XXI - Services beschäftigt sich im Rahmen des universitätsweiten Projekts Lehre XXI mit der operativen Planung, Umstellung und Neuorientierung der Administration des Studienbetriebs und gliedert sich in verschiedene Teilprojekte (u.a. Anmeldesysteme, Elektronisches Curriculum, Lehrcontrolling, Prozessdokumentation).

Im Rahmen einer Präsentation am 14. 3. 2006 im Kleinen Festsaal der Universität Wien wurde das Pilotprojekt Politikwissenschaft als Vorarbeit zu Lehre XXI - Services vorgestellt und die Einführung eines auf diesem Pilotprojekt aufbauenden Systems für weitere Studienrichtungen im Rahmen des Teilprojekts Anmeldesysteme angekündigt. Dadurch ist gewährleistet, dass die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt in die Konzipierung eines universitätsweiten Anmeldesystems einfließen, und darüber hinaus ist eine reibungslose Zusammenarbeit mit den anderen Teilprojekten von Lehre XXI - Services (insbesondere mit dem Teilprojekt Elektronisches Curriculum) sichergestellt. 

 

UNIVIS online

UNIVIS online (www.univie.ac.at/uvo/) ist der Online-Zugang zum zentralen Universitätsverwaltungssystem der Universität Wien und bietet Studierenden die Möglichkeit, persönliche Daten einzusehen, die Heimat- und Zustelladresse zu ändern, den Studienstatus zu überprüfen und Studien online fortzusetzen (dies ist erforderlich, wenn der Studienbeitrag an einer anderen Universität eingezahlt wurde), das Studienbeitragskonto und Prüfungsergebnisse abzufragen sowie über die Zweckwidmung der Studienbeiträge abzustimmen.

UNIVIS online ging im Jänner 2004 als Prototyp in Betrieb und wurde sukzessive erweitert, zuletzt um ein Lehrveranstaltungs- und Prüfungsanmeldesystem und ein kommentiertes Vorlesungsverzeichnis.

Der Prototyp wurde auf Basis der J2EE-Technologie implementiert, als Application Server kommt der Open Source-Server JBoss mit eingebettetem Apache Tomcat zum Einsatz. Der JBoss Application Server läuft auf einem HP DL380-Server unter dem Betriebssystem RedHat AS 3.0. Die SSL-gesicherte Kommunikation wird über einen Apache-Webserver abgewickelt. An Web-Technologien werden derzeit ausschließlich HTML und CSS eingesetzt, was zwar die Möglichkeiten der Benutzeroberfläche und der Client-Server-Kommunikation einschränkt, aber eine möglichst gute Verträglichkeit mit einer Vielzahl von Browsern gewährleistet.

UNIVIS online wird täglich von durchschnittlich 5 000 Personen benutzt; dieser Wert steigt zu Semesterbeginn und -ende auf über 12 000. Ende 2006 soll der Prototyp von einem regulären Nachfolger abgelöst werden.

 

 

 

1) siehe Artikel UNIVIS - Ein Haus voller Daten in Comment 05/2

2) siehe Artikel UNIVIS: Was bisher geschah in Comment 04/3

3) siehe z.B. Artikel UNIVIS: i3v im Produktionsbetrieb in Comment 01/2

4) siehe Artikel UNIVIS wird immer größer in Comment 02/1

5) Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle den MitarbeiterInnen des Instituts für Politikwissenschaft, des Instituts für Staatswissenschaft und der Studienprogrammleitung Politikwissenschaft, insbesondere Mag. Marion Löffler und Michael Mühlböck, deren unermüdlicher Einsatz den Erfolg des Pilotprojektes erst ermöglicht hat, sowie den Studierenden der politikwissenschaftlichen Studienrichtungen.