Infrastructure ENUM
Die Inter-Net(z)-Verbindung für Telefonprovider

von Otmar Lendl (enum.at) & Gerhard Winkler (Ausgabe 06/2, Juni 2006)

 

Kasten: Who is who?

 

Als im Dezember 2004 die weltweit erste ENUM-Registrierungsstelle1) in Österreich in Betrieb genommen wurde, hatte auch der ZID der Universität Wien Grund zum Feiern: Die Software-Entwicklung und die Implementierung dieses Service wurde von derselben Arbeitsgruppe am Zentralen Informatikdienst durchgeführt, die auch die technischen Bereiche des Registry-Service der nic.at seit Jahren erfolgreich betreut (siehe Kasten Who is who?). Ende April 2006 fiel der Startschuss für den zweiten Teil der ENUM-Story: Die RTR GmbH beauftragte enum.at mit dem Betrieb einer neuen ENUM-Variante, wobei für die technische Realisierung dieses so genannten "Infrastructure ENUM" wiederum der Zentrale Informatikdienst der Uni Wien verantwortlich zeichnet. Der Testbetrieb hat bereits im Mai 2006 begonnen.

Was ist ENUM?

ENUM steht für Electronic NUmber Mapping - ein Standard, der regelt, auf welche Weise Informationen zu Telefonnummern im DNS (Domain Name System, eine globale Datenbank zur Umwandlung von Hostnamen in IP-Adressen) gespeichert werden können. Die Hauptanwendung dafür liegt im Zusammenschluss von klassischem Telefonnetz (PSTN, Public Switched Telephone Network) und VoIP (Voice over IP, Telefonieren über das Internet). Während im PSTN Telefonnummern zur Adressierung von TeilnehmerInnen verwendet werden, sind es bei VoIP üblicherweise Adressen der Form sip:user@domain. ENUM vermittelt zwischen diesen Welten, indem es eine Übersetzung von Telefonnummern auf VoIP-Adressen ermöglicht.

User-ENUM

Das Zielpublikum für die ENUM-Variante, die im Dezember 2004 in Österreich in Betrieb genommen wurde ("User-ENUM"), sind die EndkundInnen: Der jeweilige Nummerninhaber hat das Verfügungsrecht über die ENUM-Domain zu seiner Telefonnummer. Das ist primär dann interessant, wenn der Nutzer selbst eine VoIP-Infrastruktur - etwa eine moderne Nebenstellenanlage - betreibt. In diesem Fall ermöglicht ENUM die automatische Kopplung solcher Nebenstellenanlagen über das Internet, sodass für Gespräche zwischen ENUM-NutzerInnen keine Dienste von Telefonnetz-Betreibern mehr benötigt werden.

Infrastructure ENUM

Die Kopplung von VoIP-Systemen ist aber nicht nur auf der Ebene von privaten VoIP-Geräten oder Firmen-Nebenstellenanlagen ein Thema, sondern auch zwischen Netzbetreibern: Auch dort ersetzen VoIP-basierte Lösungen zunehmend die klassische Vermittlungstechnik. Ob die KundInnen per VoIP oder über andere Technologien angebunden sind, spielt dabei kaum eine Rolle. Wenn - wie es jetzt bereits geschieht - die Kernnetze auf VoIP umgestellt werden (bzw. neue Betreiber erst gar keine alten Systeme einsetzen), ist es natürlich sinnvoll, die Querverbindungen zwischen den Providern ebenfalls auf VoIP umzustellen. Auch hier braucht man ENUM, um eine Telefonnummer auf eine VoIP-Adresse umzusetzen. Dieses "Infrastructure ENUM" (kurz I-ENUM) unterscheidet sich vom User-ENUM in einigen wesentlichen Punkten:

  • Der Netzbetreiber trägt seine Rufnummern ein. Die Zustimmung des Nummerninhabers ist dazu nicht nötig; dieser kann auch nicht die im I-ENUM abgelegten Informationen bestimmen.

  • Eine Überprüfung (Validierung) der Nutzungsberechtigung ist nicht erforderlich.

  • Die VoIP-Adressen sind nicht mehr notwendigerweise offen erreichbar, sondern die Netzbetreiber können definieren, von welchen anderen Betreibern sie Gespräche per VoIP annehmen wollen.

  • Beim User-ENUM werden die Adressinformationen zu den Rufnummern bei der jeweiligen Registrierungsstelle gehalten (die übergeordnete Registry macht nur entsprechende Verweise), beim Infrastructure ENUM werden sie hingegen direkt in der zentralen Registry-Datenbank verwaltet.

Eine direkte Verbindung per VoIP hat für die Netzbetreiber viele Vorteile - nicht zuletzt auch finanzielle: Da die Zusammenschaltung von zwei Betreibern keine dedizierte physikalische Verbindung mehr benötigt, sondern das Internet als Transportmedium nutzt, lassen sich Transitnetze vermeiden und somit die Kostenstrukturen im Telefonnetz revolutionieren. 

Who is who?

enum.at

Die enum.at GmbH, eine Schwesterorganisation von nic.at, verwaltet die österreichische ENUM-Zone 3.4.e164.arpa sowie das neue Infrastructure ENUM.

nic.at

Die nic.at Internet Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H. ist für die Registrierung und Verwaltung aller Domains unter .at, .co.at und .or.at zuständig - also für die gesamte österreichische Topleveldomain mit Ausnahme des Bildungsbereichs (.ac.at), der vom österreichischen Wissenschaftsnetz ACOnet verwaltet wird.

RTR GmbH

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH fungiert als österreichische Regulierungsbehörde für Rundfunk und Telekommunikation.

ZID

Die Entwicklung der Registry-Software sowie der technische Betrieb des Registry-Service für die .at-Topleveldomain, für das User-ENUM und für das Infrastructure ENUM wird von der Arbeitsgruppe Internet-Domainverwaltung des Zentralen Informatikdienstes der Universität Wien durchgeführt.

 

1) Ausführliche Informationen über ENUM finden Sie im Artikel ENUM: Eine Nummer Und Mehr - Telefonie und Internet verbünden sich in Comment 05/1.