Artgerechte Server-Haltung
Serverhousing am ZID

von Elisabeth Zoppoth (Ausgabe 06/1, März 2006)

 

Es war einmal ein kleiner Server, der fristete sein Dasein in einem dunklen, staubigen Winkel eines Institutsbüros. Seine unmittelbaren Nachbarn - eine halb vertrocknete Grünpflanze, einige alte Kartons, zwei Abfalleimer und ein wackeliger Sessel, der meistens unter Ordnern und Papieren begraben war - drängten den armen kleinen Server im Laufe der Zeit immer weiter in die Ecke, bis sein Aufenthaltsort schließlich nur noch demjenigen Menschen bekannt war, der ihm ab und zu ein neues Bauteil zusteckte. Das war jedoch ein seltenes Vergnügen - meistens musste sich der Server mit dem Allernotwendigsten zufrieden geben: Seine Strom-Ration kam aus einer Steckdose, die gleichzeitig auch eine Kaffeemaschine, eine Schreibtischlampe und ein Radio zu versorgen hatte, und sein Netzwerkanschluss war gerade schnell genug, um die Datenpakete zumindest in ruhigen Zeiten einigermaßen pünktlich ausliefern zu können.

Aber nicht genug damit, dass der Server ohne jegliche Zuwendung dahinvegetieren musste, sein Leben steckte auch voller Gefahren: Wenn Besucher kamen, wurden die Papierstapel vom Gästesessel kurzerhand dem Server aufgeladen, der unter dem zusätzlichen Gewicht ächzte. Wenn die Putzfrau kam und den Staub in seinem Winkel aufwirbelte, litt er unter Atembeschwerden. Wenn der Sommer kam, stöhnte er unter den maschinenunwürdigen Temperaturen im Büro. Wenn die Topfpflanze neben ihm gegossen wurde, erhielt mitunter auch der Server eine kleine Dusche. Hin und wieder stolperte jemand über seine Kabel, sodass ihm ganz schwarz vor den Augen wurde. Einmal hatte sich sogar ein Unbekannter heimlich an ihn herangemacht und versucht, ihm einige Teile zu stehlen; das konnte dann aber im letzten Moment von "seinem" Büromenschen verhindert werden.

Trotz dieser Widrigkeiten verrichtete der kleine Server seine tägliche Arbeit ohne zu murren, so gut er es eben konnte - bis er eines Tages ohne Vorwarnung vom Netz genommen wurde. Als er wieder zu sich kam, glaubte er zu träumen: Er befand sich nicht länger in seiner gewohnten Ecke, sondern vielmehr in einer Art Schrank in einem großen, hellen Raum. Die Luft war angenehm temperiert und erfüllt von einem sympathischen Rauschen. Als der Server entdeckte, dass dieses Geräusch von Artgenossen stammte, fiel er vor Aufregung fast aus dem Schrank. "Wo bin ich denn hier?" piepste er schüchtern. "Du bist in einem Serverraum des ZID", brummte ein dicker Rechner neben ihm. "Ein Serverraum? Nur für uns? Sowas gibt's?", staunte der kleine Server. "Na klar", sagte der Dicke. "Du bist wohl auch einer von denen, die bisher nicht viel zu lachen hatten, oder?" "Kann schon sein", räumte der kleine Server ein und streckte sich vorsichtig. War sein Netzwerkanschluss tatsächlich gewachsen? Ja wirklich - die Datenpakete flutschten durch die Leitung, dass es eine Freude war. Keine Bit-Staus mehr! "Habt ihr hier zufällig auch eine USV?", fragte er seinen freundlichen Nachbarn. "Natürlich, was glaubst du denn? Unser Stromnetz ist dreifach abgesichert - das ist schließlich ein Serverraum!" Der kleine Server konnte sein Glück kaum fassen. Und fortan war er fröhlich und zufrieden bis an sein Lebensende...

Serverhousing?!

Server sollten rund um die Uhr erreichbar und infolgedessen gegen Ausfälle aller Art gut gesichert sein. Das bedeutet einerseits, dass der Zugriff auf einen Server beschränkt werden muss: Niemand außer den AdministratorInnen soll den Ausschaltknopf drücken, den Netzstecker ziehen oder die Konfiguration verändern können. Zum anderen braucht man für einen reibungslosen Betrieb auch eine geeignete technische Infrastruktur - eine Klimaanlage, eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) und einen Internetanschluss mit ausreichender Bandbreite - sowie qualifiziertes Personal für die Wartung dieser Infrastruktur. Insgesamt ist der Aufwand für den laufenden Betrieb eines Servers weitaus größer, als allgemein angenommen wird, was natürlich auch finanziell entsprechend zu Buche schlägt: Bei "artgerechter Haltung" kostet der Betrieb (berechnet auf einen Zeitraum von drei Jahren, inklusive Strom und Arbeitszeit) inzwischen oft mehr als der Rechner selbst. Begnügt man sich hingegen mit der Minimalvariante der Serverpflege, so riskiert man unerfreuliche Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Lebensdauer des Rechners - und vor allem auch auf die Servicequalität.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet das so genannte Serverhousing. Dieser Begriff bezeichnet die Unterbringung "fremder" Server in dedizierten Räumlichkeiten eines professionellen Rechenzentrums. Das Rechenzentrum stellt dabei den Standplatz für die Geräte, die (sicherheits)technische Infrastruktur sowie die Internetanbindung zur Verfügung; für Administration und Wartung der Server sind in der Regel weiterhin die jeweiligen BesitzerInnen zuständig. Diese Lösung hat den Vorteil, dass die Verantwortung für den Betrieb der Infrastruktur in den Händen von SpezialistInnen liegt, was für die Kunden eine erhebliche Entlastung darstellt.

Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass der Zentrale Informatikdienst seit Beginn des Jahres 2006 den Universitätsinstituten ein solches Service anbietet. Das einleitende Märchen ist zwar stark überzeichnet, entbehrt aber nicht des berühmten Körnchens Wahrheit: An der Uni Wien existieren neben den "großen" (d.h. universitätsweit verfügbaren) Mail-, Web-, File- und sonstigen Servern des ZID auch zahlreiche "kleine" (dezentrale) Server an den Instituten und Dienststellen, die in der Regel deren spezielle Anforderungen abdecken sollen, aber leider nicht immer adäquat untergebracht werden können. Am Zentralen Informatikdienst hingegen sind sowohl die technische Ausstattung als auch das nötige Know-how für eine optimale Betreuung solcher Rechner vorhanden.

Serverhousing am ZID

Das Serverhousing des ZID ist für Institute und Dienststellen der Universität Wien kostenlos verfügbar; der Zentrale Informatikdienst behält sich jedoch vor, Anmeldungen ohne Angabe von Gründen abzulehnen oder zu beschränken.

Geboten werden:

  • Rack-Space: Der Server erhält einen Stellplatz in einem speziellen EDV-Schrank (Rack). Die Racks sind für einbaufähige Serversysteme im 19"-Standard-Format geeignet - Desktop-PCs als Server-Hardware können daher nicht akzeptiert werden. Die in den Serverräumen untergebrachten Geräte müssen darüber hinaus auch bestimmten technischen Anforderungen des ZID genügen. Es empfiehlt sich, die Details möglichst schon vor dem Kauf der Rechner mit dem Zentralen Informatikdienst abzuklären.

  • Infrastruktur: Für Strom-/USV-Anbindung, Klimatisierung und Brandschutz-Vorkehrungen (Handfeuerlöscher, Brandmelder mit Direktleitung zur Feuerwehr) sorgt der ZID. Alle Arbeiten, die die Infrastruktur der Serverräume betreffen, dürfen ausschließlich von MitarbeiterInnen des Zentralen Informatikdienstes vorgenommen werden.

  • Datennetz-Anbindung: Standardmäßig werden die Server mit einer Bandbreite von 100 Mbit/s an das Datennetz angeschlossen; bei Bedarf kann diese Bandbreite auf 1 Gbit/s erhöht werden.

  • Zutrittskontrolle: Die Serverräume verfügen über Sicherheitstüren, Spezialschlösser mit kodierten Schlüsseln und Kamera-Überwachung. Der Zugang ist nur für namentlich bekannte Personen mit schriftlicher Voranmeldung und nur in Begleitung eines ZID-Mitarbeiters möglich.

  • WLAN: Ein Accesspoint in den Serverräumen ermöglicht bei Bedarf den drahtlosen Internetzugang mittels Notebooks und ähnlichen Geräten.

Lizenzverwaltung und Software-Wartung des Servers liegen vollständig in der Verantwortung des jeweiligen Instituts. Zusätzlich zum regelmäßigen Einspielen von Updates und Patches ist es ratsam, den Server mit entsprechenden softwaremäßigen Zugriffsbeschränkungen zu schützen, da unbefugte Manipulationen durch Dritte trotz aller Sicherheitsvorkehrungen des ZID nicht gänzlich ausgeschlossen werden können.

Die Software-Wartung sollte idealerweise via Datennetz (remote) erfolgen, um die Besucherfrequenz in den Serverräumen niedrig zu halten. Ein eigenes Konsolennetzwerk ermöglicht darüber hinaus den Remote-Zugriff auf die Serverkonsole. Sofern der Server Fernwartungsfunktionen - beispielsweise iLO (integrated Lights-Out) von HP - unterstützt, können daher auch "Notoperationen" wie z.B. Neustarts über das Netzwerk durchgeführt werden. Eine physische Anwesenheit der AdministratorInnen in den Serverräumen ist in diesem Fall nur mehr bei Hardware-Arbeiten erforderlich.

Die Hardware-Wartung ist ebenfalls Sache des Instituts; bei sicherheitsrelevanten Hardware-Mängeln - z.B. schadhafte Ventilatoren - kann der Zentrale Informatikdienst jedoch das Institut zu einer Behebung derselben auffordern. Wird dieser Aufforderung nicht Folge geleistet oder liegt ein anderer grober Verstoß gegen die Serverhousing-Richtlinien vor, drohen Sanktionen bis hin zur fristlosen Kündigung des Vertrags (im Normalfall beträgt die Kündigungsfrist drei Monate).

Zu guter Letzt sei noch ein kleines, aber nicht unwesentliches Detail erwähnt: Bei der Übersiedelung in die Serverräume wird dem Rechner vom Zentralen Informatikdienst eine IP-Adresse zugewiesen; der Server bleibt jedoch im Subnetz des jeweiligen Instituts. Sofern das Institut über eine Institutsfirewall verfügt, bleibt der Server somit auch hinter dieser Firewall.

Weitere Infos & Kontakt

Genauere Informationen zu diesem neuen Angebot des Zentralen Informatikdienstes sowie die entsprechenden Richtlinien sind auf der Serverhousing-Seite des ZID zu finden. Bei Interesse oder bei Fragen wenden Sie sich bitte an die eMail-Adresse serverhousing.zid@univie.ac.at.