RSS Enterprise

von Alexander Berndl (Ausgabe 06/1, März 2006)

 

Kasten: Am Anfang war...

Kasten: RSS stellt sich dar

Kasten: Aktuelle Meldungen des ZID via RSS

Kasten: Linksammlung

 

Im Internet-Zeitalter besteht die größte Herausforderung nicht mehr darin, an so viel Information wie möglich zu kommen - nein, heute muss man aus der Informationsflut die interessanten Meldungen herauspicken und die Übersicht behalten. Genau dabei unterstützt RSS. Was aber verbirgt sich hinter dieser Abkürzung, die zur Zeit in aller Munde ist und auf zahlreichen Webseiten aufscheint?

Das Kürzel RSS, das eher an einen Flugzeugträger als an ein Internet-Service erinnert, steht je nach Version für unterschiedliche Begriffe (Näheres dazu siehe Kasten Am Anfang war...), bezeichnet aber in allen Varianten eine Technik zur Verbreitung so genannter Newsfeeds. Dabei handelt es sich um ein Informationsmedium, das sich immer schneller einbürgert und schon jetzt den klassischen Newsletters - die aktuelle Infos regelmäßig per eMail verbreiten - ernsthaft Konkurrenz macht. Die Einsatzbereiche für Newsfeeds sind vielfältig: Nachrichten, Weblogs (meist chronologisch geordnete Auflistungen von Anmerkungen, Notizen, kurzen Artikeln usw. - siehe auch Artikel "(B)logbuch des Captains, Sternzeit Zweitausendundsechs..."), Podcasts (Sammlungen von selbst erstellten Audio-Dateien), aber auch kommerzielle Anwendungen wie Jobangebote, Last-Minute-Angebote, Artikellisten, Lagerstände, Wiedergabelisten oder Softwareversionen können auf diese Weise publiziert werden.

In einer RSS-Datei dreht sich alles um den reinen Text. Sie ist relativ einfach aufgebaut und enthält keinerlei Formatierungsangaben wie Abstände, Farben, Schriftgrößen oder Ähnliches. Daher ist es ein Leichtes, diesen Text plattformunabhängig abzurufen und nach eigenem Geschmack darstellen zu lassen. Eine Möglichkeit ist das Einbinden eines fremden Newsfeed in die eigene Webseite in passendem Design. Man kann den Text aber z.B. auch von einem so genannten Meta-Blog abholen lassen - das ist ein Newsfeed, der seine Inhalte von anderen Newsfeeds bezieht und auf einer Seite gesammelt anbietet, was man Content Syndication nennt.

Am Anfang war...

Die Geschichte von RSS reicht zurück bis ins Jahr 1997, als Dave Winer, der heutige Generaldirektor der Software-Firma Userland, sein Weblog in einem XML-Format veröffentlichte. XML steht für Extensible Markup Language und ist ein vom World Wide Web Consortium (kurz W3C, ein Gremium zur Standardisierung von Techniken, die das WWW betreffen [12] definierter Standard. Dieses einfache, aber sehr flexible Text-Format bildet die Grundlage eines jeden Newsfeed [13].

Richtig los ging es dann 1999 mit der RSS-Version 0.90, welche von der Firma Netscape ins Leben gerufen wurde. Darauf folgten die Versionen 0.91, 0.92, 0.93 und 0.94. In diesem Stadium steht RSS für Rich Site Summary/Syntax.

Parallel dazu entwickelte Netscape die anspruchsvollere, auf RDF basierende Version 1.0; RSS heißt hier RDF Site Summary. Bei RDF (Resource Description Framework - übersetzt in etwa "Quellenbeschreibungssystem" [14]) handelt es sich um die Spezifikation eines Modells zur Repräsentation von Metadaten (das sind in die jeweiligen Dokumente eingebundene Zusatzinformationen über Webseiten und andere Objekte), die erstmals 1999 vom W3C vorgelegt wurde.

Die Weiterentwicklung des ursprünglichen RSS-Erfinders (Version 2.0) heißt Really Simple Syndication - eine einfache, aber vielseitige Version, die derzeit am häufigsten genutzt wird. Wie Version 1.0 lässt sich Version 2.0 mit Namespaces erweitern [15]. Dabei wird am Beginn der RSS-Datei anhand eines URI (Uniform Resource Identifier, eine eindeutige Kennzeichnung für eine Ressource im Netzwerk) ein standardisierter Tag-Bereich definiert, der im XML-Code verwendet werden kann und zusätzliche Informationen enthält. So ist es beispielsweise möglich, in Podcasts Links zu den zugehörigen Audio-/Video-Dateien sowie deren Format direkt im Feed anzugeben, Copyright-Vermerke genauer zu definieren oder festzulegen, wie oft die Seite vom abrufenden Programm aktualisiert werden soll.

Der Aufbau ist bei allen RSS-Versionen glücklicherweise identisch, auch sind höhere Versionen größtenteils abwärtskompatibel. Die Disharmonie der jeweiligen Versions-AnhängerInnen und die unübersichtliche Entwicklungsgeschichte trugen jedoch nicht gerade zu einem Durchsetzen eines Standards bei. In diese Kerbe schlägt Atom: Es wurde als Gegenpart zur RSS-Versionsvielfalt und als möglicher Nachfolger entwickelt. Atom ist nicht kompatibel zu RSS, kann jedoch in das RSS-Format umgewandelt werden (und vice versa).

Newsfeeds wollen gefunden werden

Woran erkennt man nun, dass eine Webseite einen Newsfeed enthält? Viele Browser zeigen dies mit Hilfe eines Icons in der Adress-Zeile an (in diesem Fall muss die HTML-Datei einen entsprechenden Eintrag enthalten). Oft findet man ein solches Icon auch direkt auf der besuchten Seite. Ein Klick darauf sollte in der Regel genügen, um den Feed zu abonnieren, sprich den URL der XML-Datei in seinen Newsfeed-Reader zu kopieren. Das Standard-Icon für Newsfeeds [1], das von Mozilla und Microsoft beschlossen wurde, sieht folgendermaßen aus:

Daneben kommen aber auch zahlreiche Eigenkreationen der Webseiten-BetreiberInnen zum Einsatz. Meist sind diese Variationen durch ihre XML- oder RSS-Beschriftung leicht als Newsfeed-Link erkennbar.

Die beliebten Weblogs oder kurz Blogs basieren ebenfalls auf RSS [2]. Daher sind auch die so genannten Blogrolls (oder Blogverzeichnisse, Bloglisten) zu den Newsfeeds zu zählen. Diese enthalten keine Artikel, sondern lediglich Verweise auf Weblogs, in denen Artikel stehen [3]. Man kann sich ein solches Blogverzeichnis in etwa wie die Veröffentlichung einer Bookmark-Liste vorstellen. Die Steigerungsform davon sind Meta-Blogrolls: Listen, die ausschließlich aus Verweisen auf weitere Listen bestehen - also Seiten, die nur Links zu Blogverzeichnissen enthalten [4].

Wie verwende ich einen Newsfeed?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen angebotenen Newsfeed zu nutzen. Die einfachste ist ein im Browser integrierter Newsfeed-Reader, wie ihn z.B. Firefox oder Safari anbieten [5]. Hier genügt ein Klick auf das Feed-Icon in der Adress-Zeile des Browsers - schon ist ein "dynamisches Lesezeichen", das bei jedem Browserstart aktualisiert wird, angelegt und der Feed kann abgerufen werden.

Daneben gibt es auch spezielle Newsfeed-Programme, die den Inhalt der XML-Dateien auslesen und in übersichtlicher Form darstellen; das gewünschte Design kann vom Benutzer gewählt werden. Diese Programme werden meist gratis oder als Shareware im Internet zum Download angeboten. Ein ganz besonderer Vertreter dieser Gattung ist auf den ZID-Webseiten unter Gratissoftware verfügbar. Hierbei handelt es sich um eine kostenlose "Uni Wien Edition" des exzellenten FeedReader für Windows [6] - ein sehr schlankes, übersichtliches und einfach zu bedienendes Programm, welches vom ZID speziell angepasst wurde: mit einer komfortablen Installations-Routine, vollständiger Übersetzung ins Deutsche und bereits abonniertem ZID-Newsfeed (siehe auch Kasten Aktuelle Meldungen des ZID via RSS).

Eine Untergruppe solcher Newsfeed-Programme sind Webbrowser-Plugins, z.B. Pluck [6] für Internet Explorer und Firefox. Als Plugin für Outlook steht z.B. IntraVnews [6] zur Verfügung (ab der kommenden Outlook-Version 7 ist ein Reader bereits integriert). Eine weitere Möglichkeit sind entsprechende Online-Reader auf Basis der Programmiersprache Java [7], mit denen sich die Meldungen direkt im Webbrowser übersichtlich darstellen lassen. Ein solches Service wird unter anderem auch von Google angeboten; um es verwenden zu können, muss man sich lediglich registrieren (und im Browser muss Java aktiviert sein).

Wie eine RSS-Datei "in Rohform" aussieht und wie sie vom Browser bzw. vom Newsfeed-Programm angezeigt wird, ist im Kasten RSS stellt sich dar ersichtlich.

RSS stellt sich dar

Der Quelltext einer RSS-Datei - hier ein Auszug aus Version 2.0 - hat in etwa das unten gezeigte Aussehen. Um eine richtige und einheitliche Darstellung unter allen Readern zu erreichen, ist es wichtig, die Datei zu validieren, d.h. auf korrekte Syntax überprüfen zu lassen [16].

<?xml version="1.0" encoding="ISO-8859-15"?>
<rss version="2.0">
<channel>
<title>ZID Aktuell-Meldungen</title>
<link>http://www.univie.ac.at/ZID/</link>
<description>Aktuelle Nachrichten des Zentralen Informatikdienstes der Uni Wien</description>
<language>de-at</language>
<pubDate>Mon, 13 Feb 2006 15:00:00 +0100</pubDate>
<item>
<title>Neues RSS-Service auf den Webseiten des ZID</title>
<pubDate>Mon, 13 Feb 2006 15:00:00 +0100</pubDate>
<description>Ab sofort bietet der ZID der Uni Wien einen RSS-Newsservice an</description>
<link>http://www.univie.ac.at/ZID/aktuell/100.html</link>
</item>
</channel>
</rss>

Dieser Code wird von einem Browser mit eingebautem Newsfeed-Reader (hier am Beispiel Firefox) folgendermaßen dargestellt:

In einem klassischen Newsfeed-Programm mit 3-Fenster-Ansicht (hier am Beispiel FeedReader) wird die Datei etwa so dargestellt:

 

 

So füttert man seinen eigenen Newsfeed

Will man auf seiner Webseite einen eigenen Newsfeed anbieten, so hat man in der Regel - d.h. sofern man über keine Programmierkenntnisse verfügt - folgende Möglichkeiten:

  • Eine Variante ist die Verwendung eines RSS-Generators [8], mit dessen Hilfe sich die Erstellung eines Newsfeed weitestgehend automatisieren lässt.

  • Man kann auch eine statische XML-Seite schreiben. Das hat allerdings den Nachteil, dass man die XML-Datei händisch nachbearbeiten muss, wenn sich auf der Webseite etwas ändert.

  • Die dritte Möglichkeit besteht darin, auf ein Content Management System (CMS) mit integriertem Newsfeed umzusteigen. Der positive Nebeneffekt dabei ist, dass ein CMS die Wartung der gesamten Website wesentlich erleichtert.

Aktuelle Meldungen des ZID via RSS

Ab sofort bietet der Zentrale Informatikdienst einen Newsfeed für seine Aktuell-Meldungen an. Der Dienst ist in den Versionen RSS 2.0 und Atom verfügbar. Klicken Sie einfach auf das Feed-Symbol in Ihrem (Firefox-)Browser oder fügen Sie einen der folgenden URLs in Ihren Newsfeed-Reader ein:

 

Was die Zukunft bringt

Gerade durch die leichte Erlernbarkeit und die schnelle Verbreitung von XML in vielen Bereichen lässt sich heute schon sagen, dass sich Newsfeeds weiter rasch durchsetzen werden. Nicht zuletzt die ständig wachsenden Ideen und Angebote rund um RSS bestätigen den Stellenwert von Newsfeeds. So tauchen laufend neue, klangvolle Dienste [9] wie RSS2PDF (dieses Service wandelt Newsfeed-Dateien in PDF-Dateien um und bietet sie in dieser Form an) oder RSS2SMS (damit kann man sich seine Lieblings-Feeds als SMS zuschicken lassen) im Internet auf. Die Konkurrenz zu klassischen Newsletters will man mit einer Kombination aus beiden Services entschärfen. Das nennt sich dann RSS2MAIL und bietet dem Benutzer die Möglichkeit, sich die gewünschten Newsfeeds gesammelt per eMail zuschicken zu lassen. Wenn Sie sich mit der "RSS Enterprise" auf die Reise begeben möchten, starten Sie am besten mit einem Nachrichten-Newsfeed [10]. Auch im Computer-Bereich sind zahlreiche nützliche Newsfeeds verfügbar [11].

Also: Leinen los und viel Vergnügen!

 

Linksammlung

[1] Standard-Feedicon:

[2] Eigener Weblog:

[3] Blogrolls:

[4] Meta-Blogrolls:

[5] Gratis-Browser mit integriertem Newsreader:

[6] Gratis-Newsfeed-Programme

[7] Online-Reader:

[8] RSS-Generator:

[9] RSS2x:

[10] Nachrichten-Newsfeeds:

[11] Computer-Newsfeeds:

[12] W3C:

[13] XML:

[14] RDF:

[15] Namespaces:

[16] Feedvalidator: