Wir sind die Kabellosen
Mobiles Arbeiten mit GPRS, UMTS und EDGE

von Lukas Ertl & Karin Geicsnek (Ausgabe 06/1, März 2006)

 

Es gab einmal eine Zeit, da konnte man mit einem Mobiltelefon vor allem eines recht gut, nämlich telefonieren. Dann kamen Short Messages, Multimedia Messages, Downloads von Klingeltönen in allen möglichen Qualitäts- und "Geht mir auf die Nerven"-Stufen, Infrarot, Bluetooth, animierte Hintergrundbilder, MP3-Player, und mittlerweile kann man auf dem Handy auch schon fernsehen (ob es ein wirklicher Genuss ist, sich das Programm des ORF auf einem Mini-Display anzusehen, steht auf einem anderen Blatt).

Kurz gesagt - die technische Entwicklung auf dem Mobilfunk-Sektor hat in den letzten Jahren rasante Fortschritte gemacht, und davon profitieren nicht nur jugendliche Handy-Junkies, sondern auch diejenigen unter uns, die eine mobile Internet-Anbindung für ihre tägliche Arbeit nutzen wollen.

GSM und GPRS

"Mobil ins Internet" ging es auch schon in den seligen GSM-Zeiten (Global System for Mobile Communications), als Handys noch Handys waren und keine eierlegenden Wollmilchmediaplayer: Das Handy wurde z.B. via seriellem Kabel oder Infrarot-Schnittstelle mit dem Laptop verbunden und konnte so als Modem verwendet werden - unter der Voraussetzung, dass man a) viel Zeit hatte und b) nur wenige eMail-Nachrichten lesen wollte, denn mit einer maximalen Bandbreite von 9,6 kbit/s kann man allerhöchstens von "Geduldsprobe" sprechen, nicht aber von "entspanntem Surfvergnügen" (vor allem, wenn man ein verwöhnter ADSL-Benutzer ist).

Deutlich interessanter wurde es mit der Einführung der GPRS-Technik (General Packet Radio Service), einer Weiterentwicklung von GSM, die in Österreich praktisch flächendeckend zur Verfügung steht und eine Datenübertragungsrate von bis zu 57,6 kbit/s ermöglicht; zumindest auf dem Papier, mit Abstrichen in der Praxis muss man immer rechnen. Damit erreicht man schon annähernd die Geschwindigkeit eines klassischen Modems, wenn auch die so genannte Latency bzw. die Round-Trip-Time (also die Zeit, die ein Datenpaket von Host A zu Host B und wieder retour braucht) deutlich höher ist als bei kabelgebundenen Internetverbindungen, was vor allem beim interaktiven Arbeiten - beispielsweise via SSH-Login auf einer Shell - ins Gewicht fällt.

UMTS

Der wirkliche Knaller kam allerdings mit der Einführung von UMTS (Universal Mobile Telecommunications System, umgangssprachlich auch "3G" genannt, für "die dritte Generation des Mobilfunks"), das nicht nur auf Sprach- und reinen Datenverkehr abzielt, sondern auch Videotelefonie, Location Based Services und Ähnliches ermöglichen soll. Die Mobilkom Austria, die im September 2002 das erste nationale UMTS-Netz in Europa in Betrieb nahm, verspricht mit UMTS "das Fundament für schnelle, mobile Datenübertragung und Multimedia-Services im urbanen Bereich" - und zumindest im Bereich der Datenübertragung kann man das durchaus unterschreiben.

UMTS ermöglicht Datenraten von bis zu 384 kbit/s, damit rückt das oben erwähnte "entspannte Surfvergnügen" auch im mobilen Einsatz in greifbare Nähe; sogar kleinere Downloads sind damit möglich (wenn auch das Bild aus der Werbung - der Download ist noch vor dem Kaffee fertig - deutlich übertrieben ist).

UMTS ist keine direkte Weiterentwicklung von GPRS bzw. GSM, weshalb die existierenden Mobilfunk-Sender nicht damit kompatibel sind. Darin liegt auch der größte Nachteil von UMTS, nämlich die im Vergleich zu GPRS deutlich geringere Verfügbarkeit: Eine UMTS-Zelle (also der Bereich, der von einem Sender abgedeckt werden kann) ist wesentlich kleiner; es müssten also mehr Sender aufgestellt werden, um die gleiche Flächenabdeckung zu erreichen. Da sich das für die Mobilfunkbetreiber nicht rechnet, funktionieren UMTS-Verbindungen derzeit vor allem im Bereich größerer Städte (ein Plan des A1 UMTS-Netzes findet sich unter www.a1.net/business/coveragemap/index.php).

Weiters ist bei der Verwendung einer UMTS-Datenverbindung zu bedenken, dass sich alle NutzerInnen, die sich innerhalb einer UMTS-Zelle befinden, die verfügbare Bandbreite von 384 kbit/s teilen müssen - je mehr aktive UMTS-Verbindungen, desto langsamer wird es.

EDGE

Um der begrenzten Netzabdeckung von UMTS entgegenzuwirken, hat der Mobilfunk-Betreiber A1 im Sommer 2005 mit EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) eine weitere Technik eingeführt, die wiederum eine Weiterentwicklung von GSM und GPRS darstellt, sodass die vorhandenen Sendestationen mit moderatem Aufwand darauf umgestellt werden konnten. EDGE bietet Datenraten von bis zu 200 kbit/s und ist aufgrund der GSM-Kompatibilität auch in ländlichen Gegenden verfügbar - sofern das Handy bereits EDGE unterstützt. Die Abdeckung des A1 EDGE-Netzes findet sich ebenfalls unter www.a1.net/business/coveragemap/index.php.

Mobiles Breitband

Natürlich stellen die Mobilfunk-Betreiber diese mobilen Internetzugänge nicht kostenlos zur Verfügung - die Datenübertragung ist im Vergleich zur Sprachübertragung sogar ziemlich teuer: A1 verrechnet derzeit schamlose 6,40 Euro/MB für die ersten 10 MB. Das wird für VielnutzerInnen rasch unbezahlbar, weshalb es oft günstiger ist, sich für das Paket Mobiles Breitband anzumelden, in dessen Rahmen ein fixes Datenvolumen (500 MB oder 1000 MB) inkludiert ist. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sofern man unterhalb des Limits bleibt, fallen keine Mehrkosten an, man erspart sich böse Überraschungen auf der Monatsabrechnung.

Wo es Licht gibt, gibt es bekanntlich auch Schatten - das inkludierte Datenvolumen erkauft man sich mit einer ziemlich hohen Grundgebühr (die jedoch im Vergleich zu den Preisen für einzeln abgerechnete Megabytes sehr günstig ist), mit einer Bindungsfrist von 24 Monaten und einer nicht vorhandenen Roaming-Möglichkeit (das Service wird nur innerhalb Österreichs angeboten, außerhalb gilt der Tarif Data Roaming).

Mobiles Breitband für Diensthandys

Das Paket Mobiles Breitband ist auch im A1-Network der Universität Wien verfügbar. Es kann sowohl auf die private wie auch auf die dienstliche Abrechnung bestellt werden; für letzteres wird das Einverständnis des Institutsvorstands bzw. Dienststellenleiters benötigt. Bei der Anmeldung für Mobiles Breitband besteht die Möglichkeit, eine Vodafone Mobile Connect Card für den Laptop (mehr dazu weiter unten) zu verbilligten Konditionen zu erwerben.

Nähere Informationen dazu finden Sie auf den Webseiten des Zentralen Informatikdienstes unter www.univie.ac.at/ZID/handy-service/#mb. Das Mobile Breitband ist selbstverständlich auch ohne Mobile Connect Card verwendbar: Etliche Handys - z.B. Nokia 6630 (Auslaufmodell), Nokia N70 oder Sony Ericsson W900i - können auch via Bluetooth oder seriellem Kabel mit einem Rechner verbunden und als UMTS-Modem eingesetzt werden.

Mobile Connect Card

Die Vodafone Mobile Connect Card ist eine normale PC-Card zur Verwendung in Laptops, in die - wie bei einem Handy - eine SIM-Karte geschoben werden muss. Sie ist in mehreren Ausführungen erhältlich; am ZID kamen bisher die Varianten UMTS/GPRS und UMTS/EDGE zum Einsatz. Abgesehen davon, dass die eine Karte auch EDGE unterstützt und die andere nicht, unterscheiden sie sich kaum - sofern man sie mit einem Windows-Betriebssystem verwendet. BenutzerInnen von Mac OS X oder Open Source-Betriebssystemen wie FreeBSD oder Linux können derzeit nur die UMTS/GPRS-Karte einsetzen, da es für die andere Variante noch keine Treiber gibt. Genauere technische Details findet man unter www.a1.net/business/vodafonemobileconnectcard.

Die Installation und die Verwendung der Karte sind denkbar einfach: Zunächst startet man die Installation der mitgelieferten Software (des so genannten Dashboard), die sich mit wenigen Klicks erledigen lässt. Nach einem Neustart und dem Einschieben der Mobile Connect Card in den PC-Card-Slot des Laptops ist diese auch schon funktionsfähig - vorausgesetzt, man hat die SIM-Karte nicht vergessen.

Startet man die Dashboard-Software, wird man wie beim normalen Handy nach dem PIN-Code der SIM-Karte gefragt, danach sucht die Mobile Connect Card nach einem geeigneten Netz (UMTS, EDGE oder GPRS). Sobald dieses gefunden wurde, kann man mittels Klick auf Verbinden eine Datenverbindung herstellen - voilà, mobiles Internet!

Neben den Funktionen Verbinden bzw. Trennen einer aktiven Verbindung bietet die Dashboard-Software auch eine SMS-Schnittstelle, um wie mit einem Handy SMS verschicken bzw. empfangen zu können, sowie eine Nutzungs-Übersicht (für den vergangenen und den laufenden Monat), die eine Kontrolle über das verbrauchte Datenvolumen ermöglichen soll. Die Anzeige des Datenvolumens in Dashboard ist allerdings mit Vorsicht zu genießen - unter Umständen kann es vorkommen, dass einige Megabytes nicht korrekt eingerechnet werden. Um sicher festzustellen, wie weit man noch vom Limit entfernt ist, sollte man (direkt von Dashboard aus) eine SMS an die Nummer 421 senden; man erhält dann eine Antwort-SMS, in der das seit der letzten Abrechnung verbrauchte Volumen angeführt ist.

Fazit

Mit Hilfe von UMTS und der Vodafone Mobile Connect Card ist es mittlerweile auf einfachem Weg möglich, alle Angebote des Internet auch unterwegs mit dem Laptop zu verwenden, ohne auf den Komfort eines schnellen Zugangs zu verzichten; das Paket Mobiles Breitband ermöglicht dabei eine einfache Kostenkontrolle. Hinsichtlich der Geschwindigkeit ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht: Die Mobilkom Austria startet derzeit den Betrieb des UMTS-Nachfolgers HSDPA (High Speed Downlink Packet Access), welcher eine mobile Bandbreite von bis zu 1,8 Mbit/s verspricht.

Eines steht jedenfalls auch in Zukunft wohl außer Frage: Telefonieren wird man mit einem Handy vermutlich immer können.