Dipl.-Ing. Dr. Herbert Stappler verstorben

von Peter Rastl (Ausgabe 05/2, Oktober 2005)

 

Völlig unerwartet ist Herbert Stappler, der Leiter der Abteilung Software & Benutzerbetreuung des ZID, am 10. März 2005 in seinem 56. Lebensjahr verstorben. Sein Tod hat eine enorme Lücke gerissen, und die Erschütterung über den plötzlichen Verlust unseres lieben Freundes und Kollegen ist uns auch heute, ein halbes Jahr danach, genauso gegenwärtig wie damals.

Drei Schläge aus heiterem Himmel hat das Schicksal gegen Herbert Stappler geführt: Vor zwei Jahren, im März 2003, erlitt Herbert Stappler, den niemand zu einer Risikogruppe gezählt hätte, plötzlich nachts einen Herzinfarkt. Die sofortige und kompetente medizinische Hilfe rettete sein Leben. Er erholte sich rasch und war bald wieder voll aktiv.

Im Dezember 2004 suchte er wegen allgemeiner Beschwerden seinen Arzt auf, der ihn unverzüglich ins Krankenhaus einwies - mit einer schrecklichen Diagnose: Gehirntumor. Die Nachricht darüber erreichte uns am Abend während unserer Weihnachtsfeier am ZID. Ich kann mir kaum eine schlimmere Nachricht vorstellen.

Am Tag vor Weihnachten wurde er operiert, erfolgreich, wie alle zufrieden konstatierten, denn nach der Operation konnte er weiterhin sehen, sprechen, sich bewegen, und auch sonst war keine ernste Beeinträchtigung irgendwelcher Körperfunktionen erkennbar. Beim Besuch im Krankenhaus trafen wir ihn fast wieder in alter Frische an: Er scherzte wie gewohnt und meinte, es würde sich schon noch herausstellen, welche Passwörter ihm die Ärzte herausgeschnitten hätten.

Auf die nachfolgende Krebsbehandlung mit Strahlen- und Chemotherapie schien er gut anzusprechen. Ich habe mich mit ihm nur wenige Tage vor seinem Tod im Café Dommayer getroffen, wo wir stundenlang über alles Mögliche gesprochen haben. Ich hatte den besten Eindruck von seinem vielversprechenden Genesungsprozess und musste seinen Optimismus teilen, dass er in wenigen Wochen wieder seine Arbeit aufnehmen würde.

Ein plötzlicher neuerlicher Herzinfarkt machte jede Hoffnung zunichte. Die Krebstherapie hatte ihn so geschwächt, dass alle ärztliche Kunst vergebens war. In den Morgenstunden des 10. März 2005 ist Herbert Stappler gestorben.

Ich war Herbert Stapplers beruflicher Weggefährte über fast drei Jahrzehnte. Das war eine faszinierende gemeinsame Zeit, und Herbert Stappler hatte großen Anteil am Aufbau all der EDV-Services an der Universität Wien, ohne die wir heute nicht mehr auskommen könnten. Wir verdanken Herbert Stappler in jeder Hinsicht sehr viel, und die Lücke, die er hinterlässt, werden wir noch lange spüren. Aber wir dürfen auch dankbar zurückdenken an die Jahre gemeinsamer Arbeit, an seine Leistungen und Errungenschaften, die uns auch in der Zukunft begleiten werden.

Herbert Stappler wurde 1949 in Wien geboren, wo er die Schule besuchte und nach der Matura Technische Mathematik an der TU Wien studierte. In seinem Studium legte er zuletzt den Schwerpunkt auf die mathematische Statistik und schloss nach seiner Sponsion zum Dipl.-Ing. im Jahr 1975 an der TU Wien auch noch ein Doktoratsstudium an, und zwar an der Universität Linz, unter dem damaligen Dekan der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Univ.-Prof. Dr. Vinek, dem heutigen Vizerektor der Universität Wien.

Am damaligen Interfakultären EDV-Zentrum der Universität Wien, das aus dem Institut für Statistik hervorgegangen war, wurde 1976 eine Universitätsassistenten-Stelle im Fachbereich Statistik vakant, für die sich der hochbegabte Dissertant aus Linz bewarb. Am 15. Mai 1976 trat Herbert Stappler seine Tätigkeit am EDV-Zentrum an, wo er für die wissenschaftlichen Programmpakete und die Anwendersoftware verantwortlich wurde. Unser EDV-Zentrum zählte damals gerade 14 Mitarbeiter.

Die folgenden Jahre waren charakterisiert durch ein unaufhaltsames Wachstum der EDV: Während anfänglich die Computer fast nur im Bereich der Naturwissenschaften und der Statistik eingesetzt wurden, erlangte das EDV-Zentrum in den achtziger Jahren immer größere Bedeutung. Neben den Großrechenanlagen gab es nun auch Personal Computer und Computernetze. Nach größeren Umstrukturierungen der universitären EDV-Landschaft an der Universität Wien und der TU Wien wurde Herbert Stappler im Jahr 1987 Leiter der Abteilung Software & Benutzerbetreuung des EDV-Zentrums.

Herbert Stappler hatte großen Anteil an dem gewaltigen Aufschwung, den das EDV-Zentrum in den folgenden Jahren nahm: Ihm verdanken wir unsere erfolgreichen ersten Schritte in Richtung Supercomputing, das dann zum Motor vieler weiterer Entwicklungen werden sollte. Unter seiner Leitung erfolgten der Aufbau unseres Helpdesk, der PC-Räume für die Studierenden, der diversen Services im Internet und vieles andere mehr. Zuletzt war Herbert Stappler maßgeblich an der Einführung einer zentralen eLearning-Plattform an der Universität Wien und an der Schaffung der entsprechenden Infrastruktur beteiligt.

Bei all diesen Projekten waren sein großes Organisationstalent, sein spontaner analytischer Überblick gepaart mit seinem großen Fachwissen, seine Umsicht und Kompetenz in der Leitung seiner mittlerweile auf 44 Personen angewachsenen Abteilung und auch seine menschlichen Eigenschaften entscheidend. Unvergessen wird uns auch seine erstaunliche Fähigkeit bleiben, zu jedem Thema jederzeit gänzlich unerwartete, aber höchst treffende Vergleiche aus dem Ärmel zu schütteln.

Der Schmerz über den Verlust ist groß, und unser tiefstes Beileid gilt seinen Angehörigen, insbesondere seiner Frau und seiner Tochter, denen ich nur unser aller Anteilnahme als Trost bieten kann. Aber es hat keinen Sinn, mit dem Schicksal zu hadern, und vielleicht hat das Schicksal - wenn es denn schon hat sein müssen - Herbert Stappler mit dem plötzlichen zweiten Herzinfarkt vor einem noch viel grausameren langsamen Sterben bewahrt. Denken wir vielmehr an die schöne Zeit mit ihm, die uns geschenkt war! Wir werden unseren lieben Freund, unseren allseits hoch geschätzten Kollegen, den großartigen Menschen, dem wir so viel verdanken, immer in unserer Erinnerung behalten.

Peter Rastl
im Namen aller Kolleginnen und Kollegen