Die Merlin-Migration

von Peter Karlsreiter (Ausgabe 05/2, Oktober 2005)

 

Kasten: Posterservice

 

Im Laufe dieses Jahres wurden und werden die Services des Clusters "Merlin" in der Boltzmanngasse abgesiedelt und in die zentralen Netzwerkdienste des ZID integriert. Im Folgenden sollen die Gründe dafür erläutert werden.

Eine lange Geschichte ...

Der Gebäudekomplex in der Boltzmanngasse 5 ist ein Spezialfall in der universitären EDV-Landschaft: Die dort ansässigen Physik- und Chemie-Institute hatten aufgrund ihrer rechenintensiven Aufgabenstellungen immer auch besondere Anforderungen in Bezug auf EDV-Ressourcen. Bereits 1970 schafften die physikalischen Institute einen ersten eigenen Rechner an, der ständig ausgebaut bzw. erneuert wurde. Mitte der siebziger Jahre übertrug man die Betreuung der "Prozessrechenanlage Physik" einem lokalen interfakultären EDV-Zentrum.

Drei (später zwei) Mitarbeiter des ZID kümmerten sich seither vor Ort um Netzwerk- bzw. andere EDV-Angelegenheiten und betrieben darüber hinaus einen lokalen Server für die Institute an diesem Standort. In den letzten Jahren war dies der Cluster MERLIN.AP.UNIVIE.AC.AT (kurz "Merlin", Betriebssystem: Mixed Architecture True64/Linux/Windows), auf dem unter anderem Mail-, Web- und Cluster-Services (zur Integration lokaler Linux-Klienten) angeboten wurden.

Diese Server-Dienste waren zwar eher klein und überschaubar gehalten, aber genau auf die Bedürfnisse der lokalen BenutzerInnen zugeschnitten und dadurch sehr beliebt. Allerdings war es mit den vorhandenen Personalressourcen de facto nicht möglich, das Service rund um die Uhr zu betreuen: Nur durch die extreme Einsatzbereitschaft des Systemadministrators, der im Laufe der Jahre zahllose Nacht- und Wochenendstunden opferte, konnten auch Krisensituationen gemeistert werden. Zudem begann sich 2004 abzuzeichnen, dass die Hardware von Merlin in absehbarer Zeit das Ende ihrer Lebensspanne erreichen würde. Daher musste eine Ersatzlösung gefunden werden, wobei zwei Varianten denkbar waren: Entweder mehr Ressourcen in Form von Hardware und Personal in die Außenstelle Physik zu investieren, oder die lokalen EDV-Services in der bestehenden Form aufzulassen und durch die universitätsweit verfügbaren Mail-, Web- und Fileservices des ZID zu ersetzen.

Bei genauerer Betrachtung erwies sich die zweite Variante als die sinnvollere: Der Ausbau des Backbone-Netzes der Uni Wien auf Gigabit-Ethernet, die ständige Ausweitung der zentralen Netzwerk-Services und nicht zuletzt ein neues Konzept zur Verbesserung der EDV-Unterstützung an Instituten und Fakultäten1) ließen den Betrieb von dezentralen, auf einzelne Standorte beschränkten Services immer unökonomischer erscheinen. Der Zentrale Informatikdienst muss als Dienstleistungseinrichtung seine Ressourcen allen Universitätsinstituten und -einrichtungen zur Verfügung stellen; hochgerechnet auf die gesamte Universität ist ein BenutzerInnen-/BetreuerInnen-Verhältnis wie an den Außenstellen des ZID jedoch unfinanzierbar. Nach diesem Modell wären dutzende Systeme wie Merlin nötig, die nur mit enormem Aufwand betrieben werden könnten.

Im Zuge einer Benutzerversammlung informierte der Zentrale Informatikdienst daher im Februar 2005 die BenutzerInnen in der Boltzmanngasse über sein Vorhaben, den Cluster nicht zu erneuern, sondern die Merlin-Services durch die zentral angebotenen Netzwerkdienste des ZID abzulösen - was naturgemäß mit gemischten Gefühlen aufgenommen wurde und lebhafte Diskussionen hervorrief. In den folgenden Wochen fanden daher weitere Gespräche zwischen dem ZID und BenutzervertreterInnen zur Klärung einiger Detailfragen statt.

... mit kurzem Ende

Im Frühjahr 2005 überstürzten sich jedoch die Ereignisse: Die bekannten Probleme des Clusters, ausgelöst durch die überaltete Hardware, wurden in Form von massiven Performance- und Hardware-Problemen immer akuter. Bevor ein regelmäßiger und zuverlässiger Betrieb nicht mehr möglich war, wurden die Merlin-Mailservices einschließlich der gehosteten eMail-Domainnamen so schnell wie möglich auf die zentralen Server des ZID "umgeleitet". Hunderte aktive Mailadressen bzw. Mailboxen konnten großteils im Mai 2005 migriert werden. Ein unerwarteter Hardware-Defekt bereitete auch dem Merlin-Webserver ein jähes Ende: Seit 4. Juli sind die Webservices am Merlin eingestellt. Noch im Juli wurde der gesamte Bestand - ca. 150 persönliche und Instituts-Websites - auf die Webserver der Uni Wien übertragen.

Trotz des kurzfristigen Handlungsbedarfs und der technisch nicht immer trivialen, teilweise sogar sehr speziellen Voraussetzungen konnten die umfangreichen Übersiedelungsarbeiten rasch, unbürokratisch und ohne größere Nachwehen abgewickelt werden. Möglich wurde dies durch die gute Kooperation sowie durch das Engagement der AdministratorInnen des ZID, die viele schwierige Detailprobleme in zahlreichen Überstunden und mit großem persönlichen Einsatz lösen konnten.

Die Übersiedelungen sind zum Großteil abgeschlossen, die verbliebenen BenutzerInnen können aber jederzeit noch nachziehen. Das Mailing am Merlin läuft (beschränkt auf verschlüsselte Protokolle und ohne jede Gewähr) bis Ende des Jahres weiter und wird dann endgültig eingestellt. Eine baldige Migration ist daher empfehlenswert. Weitere Informationen, eine Anmeldemaske und Kontaktadressen finden Sie unter www.univie.ac.at/ZID/merlin/.

Auch die Cluster-Services am Merlin bleiben bis Ende des Jahres erhalten. An einem neuen Konzept wird jedoch bereits gearbeitet, ebenso an einem verbesserten Webmail-System für die Universität Wien. Das bisher auf die lokalen BenutzerInnen beschränkte "Posterservice" am Standort Boltzmanngasse (großformatige Ausdrucke über einen Plotter des ZID, siehe Kasten) steht nun der gesamten Universität zur Verfügung.

Der Außenstellen-Mitarbeiter Mario Kind wird seinen Arbeitsplatz in der Boltzmanngasse behalten, auch wenn er nun der Abteilung Datennetze & Infrastruktur angehört: Seine Hauptaufgabengebiete sind weiterhin die Wartung des Gebäudenetzwerks in der Boltzmanngasse und die Betreuung des Posterservice. Aron Vrtala hingegen wird in die "ZID-Zentrale" im NIG übersiedeln und sein umfangreiches Unix-Fachwissen in die neu gegründete Abteilung PC-Systeme & Fakultätsunterstützung (siehe dazu Personalnachrichten) einbringen; der Linux-Support, den er dort aufbauen soll, wird selbstverständlich auch den Physik- und Chemie-Instituten weiterhin zugute kommen. 

Posterservice

Am Standort Boltzmanngasse des ZID besteht die Möglichkeit, großformatige Drucke (maximal 1 x 3 Meter) über einen Plotter herstellen zu lassen. Informationen über Formate, Papiersorten, organisatorische Regelungen sowie eine Preisliste finden Sie unter www.univie.ac.at/ZID/posterservice/. Bitte beachten Sie, dass für den Posterdruck eine vorherige Terminvereinbarung erforderlich ist. Wir benötigen auch genaue Angaben zum Poster, eine Telefonnummer für Rückfragen sowie die Rechnungsadresse, um Ihren Auftrag abwickeln zu können. Alle Details entnehmen Sie bitte der oben angeführten Webseite.