Dipl.-Ing. Walter Kunft verstorben

von Peter Rastl (Ausgabe 05/1, März 2005)

 

Walter Kunft, der Leiter unseres Bereiches ACOnet, hat am 28. November 2004, in seinem 59. Lebensjahr, nach langem, schwerem Leiden den Kampf gegen den Krebs verloren. In beispielhafter Größe und mit hohem Verantwortungsbewusstsein, gleichzeitig aber mit unvergleichlicher Bescheidenheit und Demut, hat er sich den Aufgaben gestellt, die das Leben ihm zugedacht hat. Von den Schicksalsschlägen in seinem Leben haben wir im Kollegenkreis kaum etwas bemerkt - aber nicht etwa, weil Walter Kunft ein verschlossener und introvertierter Mensch gewesen wäre, sondern weil es für ihn selbstverständlich war, seine Aufgaben selbst zu erfüllen und andere nicht mit seinen Sorgen zu belasten.

Walter Kunft studierte Ende der sechziger Jahre Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule Wien. Das war damals für ihn wie für alle Alterskollegen eine außerordentlich spannende Zeit, denn wir durften die faszinierende Entwicklung der Computertechnik quasi von den Anfängen an miterleben. Während zu Beginn seines Studiums noch Logarithmenbuch und Rechenschieber standen, sind heute Computer, Mobiltelefone und Internet allgegenwärtig. Diese rasante technische Entwicklung, die im Laufe weniger Jahrzehnte stattfand, mitverfolgen und teilweise sogar mitgestalten zu können, hat für Walter Kunft sicherlich zur Erfüllung seines Berufslebens beigetragen.

Gleich nach Abschluss seines Studiums im Jahr 1972 wurde Walter Kunft am Prozessrechenzentrum der TU Wien angestellt. Dort lernte er die jeweils neuesten Entwicklungen in der Computer- und Kommunikationstechnik kennen und konnte bereits Anfang der achtziger Jahre in Projekten mit der Post- und Telegraphenverwaltung einen wichtigen Beitrag zum Aufbau paketvermittelnder Datennetze in Österreich leisten. Walter Kunft war maßgeblich dafür verantwortlich, auf diese Weise die Vernetzung von Computersystemen zwischen den diversen Forschungsstätten zu ermöglichen, und legte damit den Grundstein für die Errichtung von ACOnet, dem österreichischen akademischen Computernetz. Mit der Entwicklung und Inbetriebnahme des österreichischen Netzknotens von USENET am Prozessrechenzentrum der TU Wien im Jahr 1985 gelang Walter Kunft und seinen Kollegen auch die Anbindung Österreichs an internationale Datennetze und die Einführung von eMail an österreichischen Forschungsstätten. Schritt für Schritt wurde von diesem Team das Wissenschaftsnetz ACOnet aufgebaut, das heute alle österreichischen Universitäten und viele weitere Einrichtungen der Forschung, Bildung und Kultur untereinander und mit dem Ausland verbindet. Im Jahre 1992 übersiedelte Walter Kunft mit seinem gesamten Team von der TU Wien an das EDV-Zentrum der Universität Wien, weil hier das Internet in Österreich seinen Ausgang nahm und ihm durch die neue Internettechnologie vielversprechende Möglichkeiten für den Ausbau von ACOnet geboten wurden. Die Entwicklung in diesem Bereich hat bis heute nichts von ihrer Geschwindigkeit und Innovationskraft verloren, der heutige Stellenwert dieser ursprünglich universitären Datennetze in unserer Gesellschaft ist bekannt, ACOnet wurde zu einem wichtigen Internet-Provider Österreichs.

Walter Kunft gilt für uns alle als die Verkörperung des österreichischen Wissenschaftsnetzes. Sein Tod hat eine große Lücke gerissen. In der ACOnet-Gemeinschaft wird die Arbeit irgendwie weitergehen müssen; unseren Kollegen und Freund Walter Kunft werden wir jedoch nicht ersetzen können. Unser tiefstes Beileid gilt seinen Angehörigen, insbesondere seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn, denen wir als Trost lediglich sagen können, wie viel wir Walter Kunft verdanken und wie sehr wir ihn vermissen. Wir werden Walter Kunft immer in bester Erinnerung halten.