SFX
Special Effects an der Universitätsbibliothek

(Ausgabe 04/3, Oktober 2004)

Wir danken Frau Mag. Adelheid Mayer (Bibliotheks- und Archivwesen der Universität Wien) für die freundliche Unterstützung bei der Erstellung dieses Artikels.

 

Wer sich regelmäßig auf die Suche nach Fachliteratur begibt, weiß selbst, wie zeitaufwendig und arbeitsintensiv sich Recherchetätigkeiten gestalten können. Waren einst Bücher und Zeitschriften in Printform einzig verfügbares Quellenmaterial, welches nur mittels zeitaufwendigem Prozedere und Vor-Ort-Recherche erschlossen werden konnte, so hat die zunehmende Digitalisierung der Informationslandschaft zahlreiche Möglichkeiten hervorgebracht, rasch, effizient und bequem (etwa via Internet) an die erwünschten Informationen zu gelangen. Wissenschaftliche und allgemeine Ressourcen - beispielsweise Zeitschriften oder andere Medien - sind immer häufiger auch elektronisch verfügbar. Bereits seit Jahren stellt die Universitätsbibliothek Wien ihren BenutzerInnen eine Vielzahl an Services (Bibliothekskataloge, Datenbanken, Online-Journals usw.) zur elektronischen Literaturrecherche im Internet zur Verfügung.

Dabei wird die Hyperlink-Technologie des WorldWideWeb von immer mehr bibliographischen Datenbanken genützt, um einen schnellen und unmittelbaren Zugang zu diesen Informationsquellen anzubieten. Rechercheergebnisse einer webbasierten Datenbank sind dementsprechend oft mit einer ganzen Reihe von Hyperlinks ausgestattet. So verweisen Hyperlinks etwa zu den Standortnachweisen von Zeitschriften in einem Verbundkatalog oder eventuell zur elektronischen Version einer Zeitschrift. Diese bibliographische Verknüpfungstechnik wird auch als Reference Linking bezeichnet. Mit einer Reference Linking-Software lassen sich also viele der Informationsquellen, die von einer Bibliothek angeboten werden, untereinander verknüpfen. Anbieter solcher Systeme gibt es inzwischen einige (z.B. Ovid LinkSolver).

Im Mai 2004 nahm die Universitätsbibliothek in Zusammenarbeit mit dem Zentralen Informatikdienst das Context-Sensitive Reference Linking System SFX in Betrieb. Die Kurzbezeichnung SFX stammt aus der Welt des Films und steht für Special Effects, ist indes aber das eingetragene Markenzeichen eines mittlerweile weltweit erfolgreichen Reference Linking Systems. SFX wurde an der belgischen Universität Ghent entwickelt, von der auf Bibliotheks-Software spezialisierten Firma Ex Libris aufgekauft und um den OpenURL-Standard erweitert.

Zunächst sei kurz skizziert, worum es sich bei einem OpenURL handelt. Ein Beispiel: Mehrere Institutionen haben Zugriff auf ein und denselben Artikel in unterschiedlichen Datenbanken. Da verschiedene BenutzerInnen üblicherweise auch auf verschiedene digitale Bibliotheken Zugriff haben, müsste der Link idealerweise auf jene Datenbank verweisen, auf die der jeweilige Benutzer zugreifen darf. Konventionelle Weblinks verweisen die BenutzerInnen jedoch lediglich von einer Informationsquelle zu einem bestimmten Ziel. Dabei wird die Identität des jeweiligen Benutzers nicht berücksichtigt, alle Benutzer gelangen letztlich an dasselbe Ziel.

Anders OpenURL. OpenURL standardisiert die Syntax zum Übertragen eines Metadaten-Pakets an einen Link Resolver. Dieser wird benutzt, um Links zu verwandten Informationsquellen auszuwählen und anzuzeigen - unabhängig von der ursprünglichen Informationsquelle. Der Link Resolver kennt den Kontext des Benutzers und "weiß", worauf dieser Zugriff hat. Er akzeptiert Metadaten von der Quelle und zeigt Links an, die auf logischen, lokal verwalteten Gesetzmäßigkeiten basieren.

Was SFX nun so einmalig macht, ist die Tatsache, dass es dynamisch und inhaltsbezogen arbeitet und wie kein anderes System an die individuellen Bedürfnisse einer Bildungseinrichtung angepasst werden kann. Das heißt, dass man unterschiedliche Optionen für unterschiedliche Ausgangszitate angeboten bekommt anstatt starrer Linkkonfigurationen.

Für die Praxis der Informationsabfrage bedeutet SFX, dass z.B. von einem Zitat in einer Datenbank ein direkter Link zum Volltext in einer anderen Datenbank gelegt wird. Bisher mussten alle Volltext-Datenbanken, die eine Bibliothek zur Verfügung stellt, einzeln abgesucht werden. Der SFX-Link jedoch übersetzt ein vorhandenes Zitat in einen OpenURL und schickt diesen an die vorhandenen Datenbanken. Ist ein Volltext vorhanden, wird der Link dorthin sofort angezeigt (siehe Abb. 1 und 2).

Abb. 1: Der SFX-Server verknüpft Quellen in verschiedenen Datenbanken untereinander
Abb. 2: So funktioniert SFX (Beispiel)

 

Verfügbarkeit

In folgenden Datenbanken ist SFX zur Zeit aktiviert:

  • OPAC der Uni Wien
  • Ovid/Webspirs 5 (Biography Index, Humanities Index, INSPEC, Biosis Previews, Zoological Record, Art Index, MLA Bibliography (Modern Language Association), EconLit, Sociological Abstracts, PSYNDEXplus, PsycInfo, ERIC etc.)
  • CSA - Cambridge Scientific Abstracts (ARTbibliographies Modern, Applied Social Sciences Index and Abstracts, British Humanities Index, Biological Sciences Search, GeoRef, MEDLINE etc.)
  • ISI Web of Science (Science Citation Index Expanded, Social Sciences Index, Arts & Humanities Citation Index)
  • AMS MathSciNet
  • Chemical Abstracts Service: SciFinder
  • Gemeinsamer Bibliotheksverbund (IBZ, IBR, IJBK)

In jeder SFX-fähigen Datenbank erscheint neben einem gesuchten Zitat der SFX-Button:

Dieser bietet u.a. folgende Links an, sofern Treffer vorhanden sind:

  • Volltext (Artikel oder E-Book)
  • Abstract, TOC (Table of Contents)
  • ISI Web of Science Citation (andere Artikel des Autors)
  • Suche nach AutorIn und/oder Titel im Katalog des Österreichischen Bibliothekenverbundes, im Verzeichnis lieferbarer Bücher sowie in der EZB (Elektronische Zeitschriftenbibliothek der Uni Regensburg), der ZDB (Zeitschriftendatenbank) und in Ulrich's Periodical Directory

Die Universität Wien bietet zur Zeit über 6800 E-Ressourcen an, die über das Datenbank-Service der Universitätsbibliothek anwählbar sind. Da die meisten der kostenpflichtigen Datenbanken und E-Journals über IP-Adressen gesteuert sind, ist der Zugriff auf diese Datenbanken in der Regel nur innerhalb des Datennetzes der Uni Wien möglich. Zugang von außerhalb besteht über den Wählleitungszugang via Modem/ISDN, über uniADSL/xDSL@student oder mittels VPN.

Weitere Informationen finden Sie unter www.exlibrisgroup.com/sfx.htm und unter www.exlibrisgroup.com/sfx_openurl.htm.