Die Erleuchtung der Dark Fibre
Das Glasfasernetz der Uni Wien

von Peter Rastl (Ausgabe 04/3, Oktober 2004)

 

Kasten: Endpunkte des neuen Glasfaser-Backbones der Uni Wien

 

Die Institute und Einrichtungen der Universität Wien sind bekanntlich über viele Gebäude in der ganzen Stadt verstreut. Zwar ist die Uni Wien durch die Ausgliederung der Medizin um einiges kleiner geworden; dennoch umfasst sie immer noch mehr als 60 Adressen. Manche dieser Standorte sind groß und komplex und beherbergen zahlreiche Institute (z.B. Universitätscampus Altes AKH), andere wiederum bestehen nur aus einer kleinen Einmietung in einem Büro- oder Wohnhaus. Die meisten Standorte liegen im 1. und 9. Bezirk einigermaßen in räumlicher Nähe zum Universitäts-Hauptgebäude, manche aber liegen fernab in völlig anderen Stadtgebieten (z.B. das Betriebswirtschaftszentrum, das Sportinstitut oder das Vienna Biocenter). Wollen Sie zu den wenigen Menschen gehören, die wirklich die gesamte Universität kennen? Dann nehmen Sie sich vor, ab jetzt jede Woche einen anderen Standort der Uni Wien zu besichtigen - erst Ende nächsten Jahres haben Sie Ihr Besuchsprogramm komplett absolviert! Dieser Vorschlag möge veranschaulichen, wie groß die Universität Wien ist und dass die Errichtung und laufende Wartung des Uni-Datennetzes eine echte Herausforderung für den Zentralen Informatikdienst darstellt.

Aus finsterer Vorzeit ...

Die erste Glasfaserverbindung zur Vernetzung von Universitätseinrichtungen im Wiener Raum wurde bereits 1992 zwischen der TU Wien und der Uni Wien in Betrieb genommen; sie bot eine Übertragungsgeschwindigkeit von damals unglaublichen 100 Mbit/s. In den folgenden drei Jahren entstand das "Universitätsdatennetz Wien" (UDN-Wien), das auf Basis von Glasfaserleitungen, die von der Post- und Telegraphenverwaltung gemietet wurden, breitbandige Verbindungen zwischen den Wiener Universitäten und Forschungsinstitutionen bereitstellte. Dieses Projekt bot uns die ersten - und durchaus positiven Erfahrungen - mit "Dark Fibre": Glasfaserleitungen zur Datenübertragung mittels Lasersignalen, an die wir unsere eigenen Endgeräte anschließen und die wir mit Übertragungsprotokollen und Bandbreiten nach unserem eigenen Belieben betreiben konnten. Dieses Leitungsnetz, dessen Errichtung aus Sondermitteln des Wissenschaftsministeriums finanziert wurde, ist nach wie vor in Verwendung - heute eben mit anderen Endgeräten auf Basis von Gigabit-Ethernet. Die damalige Investition hat sich längst amortisiert; mittlerweile sind nur mehr die laufenden Wartungskosten (rund 2000 Euro pro Monat für das gesamte Netz) zu bezahlen.

Leider nahm die Telekom ihre Bereitschaft, den Kunden Dark Fibre zur eigenen Nutzung zu überlassen, aus wirtschaftlichen Überlegungen bald darauf wieder zurück. Der Telekommunikations-Monopolist hatte erkannt, dass mit der Vermietung von Datenübertragungsdiensten, deren Preise sich im Verhältnis zur Bandbreite steigern, nachhaltige Gewinne zu lukrieren sind, da der wachsende Datenverkehr die Kunden immer wieder zu Aufstockungen zwingt. Für die Uni Wien wirkte sich diese neue Geschäftspolitik freilich nachteilig aus: Jene Institutsstandorte, die noch keine Glasfaseranbindung hatten, konnten zu dieser Zeit aus Kostengründen überwiegend nur mit konventionellen Datenleitungen (meist Standleitungen mit 2 Mbit/s) vernetzt werden. In einzelnen Fällen - vor allem bei benachbarten Universitätsgebäuden - gelang es jedoch, Wegerechte für die Verlegung von Glasfaserkabeln auch ohne die Telekom zu erwerben. Insbesondere vom Universitätscampus Altes AKH aus konnten einige Standorte mitversorgt werden. Beispielsweise erwarb das EDV-Zentrum der Universität Wien im Jahr 1994 von den Wiener Heizbetrieben das Recht, ein Glasfaserkabel im Heizschacht quer unter der Währinger Straße (von der Universitäts-Zahnklinik zu den Chemie-Instituten im Gebäude Währinger Straße 38) zu verlegen.

Ende der neunziger Jahre, als die Vertreter der New Economy noch an ein ungebremstes Wachstum des mittlerweile deregulierten Telekommunikations-Marktes glaubten, wurden auch in Wien von investitionsfreudigen Unternehmen viele Kilometer Glasfaserkabel in die Erde gelegt. Die Realität entwickelte sich jedoch nicht so ganz nach den hochfliegenden Business-Plänen, und mancher "Carrier" musste sich wieder aus dem Geschäft zurückziehen. Die verlegten Glasfaserstrecken blieben natürlich bestehen, wechselten mehrfach den Besitzer und wurden immer billiger angeboten. Die Zeit war gekommen, die Errichtung eines Glasfaser-Backbones zur Vernetzung der Standorte der Universität Wien wieder in Betracht zu ziehen.

... in die Lichtwellen-Ära

Im Februar 2002 unterzeichnete der Zentrale Informatikdienst gemeinsam mit der Firma Siemens eine Absichtserklärung, die Planung einer Dark-Fibre-Infrastruktur zur Vernetzung von 25 Standorten der Universität Wien in Angriff zu nehmen. Detailplanungen zur Erreichbarkeit der einzelnen Standorte über mögliche Kabelwege wurden ausgearbeitet und Kostenschätzungen vorgenommen. Dann wurde im August 2002 das neue Universitätsgesetz im Bundesgesetzblatt veröffentlicht, und die Ausgliederung der Medizinischen Fakultät aus der Universität Wien war endgültig beschlossene Sache. Dadurch verloren einige Standorte für die Universität ihre ursprüngliche Bedeutung, und das Glasfaser-Vernetzungsprojekt wurde bis zur Klärung der Frage, welche Standorte langfristig noch eine Rolle spielen würden, um ein Jahr zurückgestellt.

Im Zuge der Neuplanung wurde das Projekt auf die sternförmige Vernetzung von insgesamt 19 Standorten mit dem Netzknoten im Neuen Institutsgebäude reduziert. Der Auftrag wurde ausgeschrieben und die Einleitung eines Verhandlungsverfahrens am 16. Juni 2003 öffentlich bekannt gemacht. Von insgesamt zehn Firmen langten Teilnahmeanträge ein; fünf dieser Firmen wurden zur Anbotslegung eingeladen. Die Angebote der fünf Firmen unterschieden sich zum Teil erheblich in den Kosten für die einzelnen Standorte, und nicht alle Anbieter boten Glasfaserverbindungen zu sämtlichen 19 Standorten an. Nach Klärung der offenen Fragen in mehreren Bietergesprächen kristallisierte sich schließlich eine für die Universität Wien sehr befriedigende Zuschlagsentscheidung heraus: Alle Standorte waren mit Dark Fibre zu attraktiven Konditionen vernetzbar; 11 dieser Standorte wurden an die Memorex Telex Communications AG vergeben, 6 weitere Standorte an die Telekom Austria AG und 2 Standorte an die Siemens AG Österreich. Die Kosten für das Gesamtprojekt mit einem Nutzungsrecht der Glasfaserleitungen auf 20 Jahre betrugen 1,73 Millionen Euro. Am 1. Dezember 2003 wurden die Aufträge erteilt und sogleich die Bauarbeiten in Angriff genommen. Die erste der neuen Glasfaserverbindungen (in das Vienna Biocenter, Dr. Bohr-Gasse 9) konnte noch im Dezember 2003 fertiggestellt werden; am 12. Mai 2004 wurde schließlich die letzte abgenommen.

Auf allen neuen Glasfaserstrecken der Universität Wien wird derzeit Gigabit-Ethernet eingesetzt. Mit dieser Bandbreite können ohne weiteres mehrere VLANs (Virtual Local Area Networks) parallel über dieselbe physische Verbindung geführt werden. Die neuen Leitungen dienen daher nicht nur zur Anbindung der einzelnen Gebäudenetzwerke an das Datennetz der Universität Wien, sondern auch zum Anschluss der jeweiligen lokalen Telefon-Nebenstellenanlage an das Telefonsystem im Universitäts-Hauptgebäude. Die auf den zentralen Servern des ZID angebotenen IT-Services (z.B. eMail mittels IMAP, das Backup-Service, die Fileservices oder die Institutsfirewall) sind von allen breitbandig angeschlossenen Standorten aus nun ebenfalls problemlos verwendbar. Dadurch wird der Betrieb eigener, lokaler Server in vielen Fällen überflüssig, und der nicht unbeträchtliche Wartungsaufwand für solche lokalen Systeme kann endlich vermieden werden.

Es ist zu erwarten, dass in den nächsten zwanzig Jahren die Übertragungstechnik auf Glasfaserleitungen noch erhebliche Innovationen erleben wird und im Glasfasernetz der Universität Wien ein Vielfaches der heutigen Gigabit-Bandbreiten für neuartige Services genutzt werden kann. Die Universität wird daher auch noch im nächsten Jahrzehnt von den Investitionen in das Dark-Fibre-Leitungsnetz profitieren, zumindest solange sie einen Großteil ihrer heutigen Standorte beibehält - und dass etwa das Institut für Botanik den Standort am Rennweg verlässt und den Botanischen Garten umpflanzt, ist doch eher unwahrscheinlich.

Endpunkte des neuen Glasfaser-Backbones der Uni Wien

  • 1010, Universitätsstraße 7 (Knotenpunkt)
  • 1010, Dr. Karl Lueger-Ring 1
  • 1010, Schottenbastei 10-16
  • 1010, Hohenstaufengasse 9
  • 1010, Schottenring 21
  • 1030, Dr. Bohr-Gasse 9
  • 1030, Rennweg 14
  • 1080, Lenaugasse 2
  • 1090, Alser Straße 4
  • 1090, Althanstraße 14
  • 1090, Berggasse 11
  • 1090, Boltzmanngasse 5
  • 1090, Garnisongasse 3
  • 1090, Maria-Theresien-Straße 3
  • 1090, Rooseveltplatz 10
  • 1150, Auf der Schmelz 6
  • 1180, Schopenhauerstraße 32
  • 1180, Türkenschanzstraße 17
  • 1190, Franz Klein-Gasse 1
  • 1210, Brünner Straße 72