WebCT Vista
Schöne Aussichten

von Annabell Lorenz, Birgit Zens & Michaela Bociurko (Ausgabe 04/2, Juni 2004)

 

Gestaltung von Lernmaterialien

Kommunikationswerkzeuge

Tests, Aufgaben & Grade Book

Support & Schulungen

Kasten: Zur Rollenverteilung

Kasten: Fragentypen

Kasten: WebCT Vista für Fortgeschrittene

 

Im Frühjahr 2004 wurde im Rahmen eines universitätsweiten eLearning-Projekts (siehe Artikel Die neue Lernplattform - Projektstatus) eine Lernplattform für die Uni Wien erworben: WebCT Vista. Der folgende Artikel soll einen Überblick über die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten dieser Plattform vermitteln - wobei jedoch vorausgeschickt werden muss, dass infolge des knappen Projektzeitplans derzeit noch nicht alle Details endgültig geklärt sind. Auch an Verbesserungen der deutschen Übersetzung wird noch gearbeitet. Wir bitten daher um Verständnis für etwaige "Begriffsverwirrungen".

Für all jene, die sich erstmals auf Neu(e Medien)land begeben, sei zunächst kurz skizziert, worum es sich handelt: Lernplattformen sind Programme, mit denen Lernen und Lehren organisiert und verwaltet wird. Deren Hauptaufgaben sind Bereitstellung und Organisation von Lernmaterialien sowie Unterstützung von verschiedenen Kommunikationskanälen. Plattforminternes Mailing, Diskussionsforen, Chat und Whiteboard sowie Kalenderfunktionen bieten dazu ein weitreichendes Spektrum an Interaktionsmöglichkeiten. Auch die Prüfungsabwicklung, die Administration der Lehrveranstaltungen und die Betreuung der Studierenden können damit deutlich erleichtert werden.

Obwohl der Funktionsumfang von WebCT Vista (CT steht für Course Tools) theoretisch eine vollständige Abwicklung der Wissensvermittlung und Studierendenbetreuung über die Plattform ermöglichen würde, sieht das eLearning-Konzept der Universitätsleitung vor, die Plattform ergänzend oder integrativ zu bestehenden Unterrichtsformen einzusetzen. Solche sich gegenseitig bereichernden Mischformen von Präsenz- und Online-Lehre werden von Didaktikern als Blended Learning bezeichnet.

Inwieweit interessierte Lehrende die Lernplattform in ihr didaktisches Konzept einbeziehen, obliegt ihrem individuellen Ermessen. WebCT Vista stellt in jedem Fall eine breite Palette an Funktionen und Werkzeugen zur Verfügung, die am Anfang komplex erscheinen mag, jedoch keineswegs nur technisch Versierten vorbehalten ist: Auch Einsteiger können die Grundfunktionen problemlos nutzen und sich später tiefer in die Materie einarbeiten.

Wie beinahe alle Lernplattformen ist WebCT Vista webbasiert, d.h. unabhängig vom jeweiligen Betriebssystem benötigt man nur einen geeigneten Webbrowser (z.B. Internet Explorer, Netscape Navigator) mit bestimmten Voreinstellungen. Studierende, die eine entsprechende Lehrveranstaltung belegt haben, können mit ihrer jeweiligen Unet-UserID von jedem Rechner mit Internetanbindung aus ein Login durchführen.

Erste Eindrücke von der Lernplattform erhält man auf der zentralen Einstiegsseite My WebCT, die jedem Benutzer als persönlicher Desktop zur Verfügung steht (siehe Abb. 1). Dieses Portal ist - je nach vorgenommenen Einstellungen - mit verschiedenen Kanälen beschaltet: In der Regel findet man hier Kursliste, externe Kurse, Campus-Bekanntmachungen, aktuelle Kalendereinträge, die persönliche Aufgabenliste sowie eine Übersicht über den aktuellen Notenstand. Zudem ist es via My WebCT möglich, persönliche Lesezeichen zu verwalten, Campus-Lesezeichen einzusehen und mit der Funktion Wer ist online? mit anderen BenutzerInnen in Kontakt zu treten, die sich gerade in der virtuellen Umgebung aufhalten. Das Portal My WebCT kann in Bezug auf Inhalt (mit Ausnahme der Kursliste lassen sich alle Kanäle ausblenden), Farbe und Layout ganz nach individuellem Wunsch des Benutzers gestaltet werden.

Abb. 1: My WebCT - Beispiel für die Einstiegsseite eines Benutzers

Gestaltung von Lernmaterialien

Für Lehrende, die eine Integration von WebCT Vista in ihr Kurskonzept erwägen, stellt sich die Frage, wie sie ihre Lehrinhalte mit Hilfe der Lernplattform optimal bereitstellen bzw. aufbereiten können. WebCT Vista bietet in Bezug auf die Integration und Strukturierung von Unterlagen viele Möglichkeiten - ganz gleich ob der Lehrstoff innerhalb der Plattform entwickelt oder bereits existierendes Material eingebunden werden soll.

Es empfiehlt sich, im Vorfeld abzuklären, in welcher Form bereits Lernmaterialien vorhanden sind und inwieweit diese integriert werden sollen bzw. können. Da außerhalb von geförderten Projekten nur in seltenen Fällen die Zeit und das Geld zur Verfügung stehen, um aufwendige Lernmaterialien zu entwickeln, ist dieser Punkt vor allem für Lehrende relevant, die eLearning als Ergänzung zur traditionellen Lehre anbieten wollen.

Einfügen von Inhalten

Mit WebCT Vista ist von der Integration gängiger Dateiformate wie .pdf, .doc oder .ppt bis hin zum Import von fertigen Websites und SCORM-Modulen1) vieles problemlos möglich. Es empfiehlt sich jedoch, stets zwei Aspekte im Auge zu behalten:

  • Nur .html- und .txt-Dateien sind innerhalb der Plattform mit der Suchfunktion durchsuchbar; auch Links zur Medienbibliothek sind lediglich bei diesen Formaten möglich. Als Alternative können z.B. .doc- oder .ppt-Dateien im HTML-Format gespeichert und anschließend in die Plattform importiert werden.

  • Um auch Dokumente in anderen Formaten öffnen zu können, müssen die Studierenden die entsprechenden Programme auf ihren PCs installiert haben. Die Verwendung von .pdf-Dateien ist relativ unproblematisch, da das erforderliche Plugin (Adobe Reader) kostenlos aus dem Internet heruntergeladen und installiert werden kann. Bei Dateiformaten kommerzieller Software (z.B. MS-Office) kann es jedoch zu Komplikationen kommen, wenn die BenutzerInnen nicht über geeignete Programme zum Öffnen dieser Dateien verfügen.

Wer seine Unterlagen als .html-Dateien zur Verfügung stellen möchte, hat - je nach technischem Know-how - die Wahl zwischen mehreren Vorgehensweisen:

  • Lehrende, die kein HTML beherrschen, haben die Möglichkeit, ihre Lehrinhalte mit Hilfe des in WebCT Vista integrierten HTML-Editors auf einfache Weise plattform-tauglich aufzubereiten. Selbstverständlich können damit auch Bilder und sonstige Multimedia-Objekte eingebunden werden. Dieser HTML-Editor ist ähnlich wie MS-Frontpage aufgebaut und intuitiv zu bedienen (siehe Abb. 2). Es handelt sich dabei um ein Java-Applet, das entsprechende Browser-Voreinstellungen benötigt. Der HTML-Editor beinhaltet auch einen WYSIWYG-Formeleditor (What You See Is What You Get) zur Erstellung einfacher mathematischer Formeln bzw. zum Import von MathML-Dateien.

  • HTML-Versierten steht es frei, den Editor auszuschalten und den Quellcode der Seiten direkt einzugeben.

  • Bereits existierende einzelne HTML-Dateien oder ganze Websites (d.h. mehrere zusammengehörige, untereinander verlinkte HTML-Seiten) können problemlos in die Lernplattform importiert werden. Fertige Websites werden als .zip-Archiv in den Datei-Manager hochgeladen und entpackt. Achtgeben muss man dabei nur darauf, dass die relativen Links zu den weiteren Seiten richtig gesetzt sind.
Abb. 2: Der HTML-Editor von WebCT Vista

Strukturieren von Inhalten

In WebCT Vista wird für jede Lehrveranstaltung automatisch eine Startseite angelegt, die in Bezug auf Inhalt und Design nach Belieben gestaltbar ist. Ausgehend von dieser Startseite werden alle Inhalte der Lehrveranstaltung - auch Werkzeuge, Aufgaben usw. - entweder mittels so genannter Organizer Pages (in der deutschen Version "Organisatorseiten") oder mittels Lernmodulen strukturiert und organisiert. Wenn beispielsweise eine Lehrveranstaltung in mehrere Kapitel untergliedert ist, könnte man auf der Startseite für jedes Kapitel eine Organizer Page einrichten - einen Ordner, in dem die Studierenden alle relevanten Inhalte zu diesem Kapitel finden. Neben den eigentlichen Lehrinhalten kann es sich dabei auch um spezifische Aufgaben, Diskussionsthemen usw. handeln. Auch die Startseite selbst dient somit im Grunde als Organizer Page, vorzustellen wie ein Koffer voll verschiedenster Inhalte (siehe Abb. 3).

Abb. 3: WebCT Vista - Beispiel für eine Organizer Page

Eine besonders übersichtliche Form der Strukturierung bieten die Lernmodule. Im Gegensatz zu Organizer Pages sind Lernmodule linear aufgebaut, vergleichbar etwa einem Buch mit Kapiteln und Unterkapiteln (siehe Abb. 4). Die Studierenden können von einer Seite zur nächsten klicken oder mit Hilfe des automatisch erstellten Inhaltsverzeichnisses navigieren. WebCT Vista bietet die Möglichkeit, auch Tests, Aufgaben, Diskussionsthemen und viele weitere Komponenten in ein Lernmodul einzubinden - wahlweise innerhalb der linearen Struktur oder im so genannten Aktionsmenü, das Icons für alle in das jeweilige Modul integrierten Werkzeuge enthält.

Abb. 4: WebCT Vista - Strukturiertes Lernmodul mit verschiedenen integrierten Tools

 

Um den Studierenden einen globalen Zugang zu einem Werkzeug zu ermöglichen, bietet sich die Kurssymbolleiste (Course Toolbar) an. Diese ist von jeder Seite der Lehrveranstaltung aus erreichbar. Wird z.B. das Werkzeug Diskussionen in die Kurssymbolleiste eingefügt, so haben Studierende von jeder Seite des Kurses aus Zugriff auf die Übersicht aller Diskussionsthemen dieser Lehrveranstaltung.

Medienbibliothek

Die Medienbibliothek von WebCT Vista bietet die Möglichkeit, zusätzliches Informationsmaterial zum Lehrstoff bereitzustellen. Sie kann Bild-, Video-, Audio- und Textdateien enthalten, die mit den Inhaltsdateien verknüpft werden können und somit eine Art Glossar darstellen. Wird beispielsweise in der Medienbibliothek ein Eintrag mit dem Titel Hegel erstellt (der z.B. dessen Biografie und einige Bilder enthält), so kann das Lernmaterial automatisch nach diesem Begriff durchsucht und das Wort Hegel komfortabel mit der Medienbibliothek verlinkt werden - wahlweise nur bei der ersten Erwähnung oder bei jedem Auftreten. Bei Anklicken eines solchen Links öffnet sich ein neues Fenster mit dem Eintrag der Medienbibliothek, und die zusätzlichen Infos können eingesehen werden. Für dieses Werkzeug ist eine Reihe nützlicher Anwendungen denkbar, etwa die Illustration von Inhalten oder die Auslagerung diverser Informationen zu Zwecken der Übersichtlichkeit.

Syllabus

Der Syllabus (in der deutschen Version "Lehrplan") dient dazu, den Studierenden allgemeine Informationen zur Lehrveranstaltung zu vermitteln. Mögliche Inhalte wären z.B. die Vorstellung des Lehrenden, der Kursziele und der Textmaterialien, ein Überblick über den Inhalt der Lehrveranstaltung, über notwendige Voraussetzungen und geplante Prüfungen, oder auch die Bekanntgabe allgemeiner Richtlinien. Für die Eingabe steht dem Lehrenden ein optionales Grundgerüst zur Verfügung (Kursname, eMail, Ziele, Voraussetzungen), das nur mehr mit Informationen gefüllt werden muss, aber auch um einzelne Punkte - z.B. Quellen, Lektionen - erweitert werden kann. Selbstverständlich können auch hier bereits bestehende Dateien importiert werden.

Lesezeichen

Lesezeichen (auch Bookmarks oder Favoriten genannt) werden in Browsern verwendet, um interessante Links später wieder aufrufen zu können. Üblicherweise stehen sie nur auf jenem Rechner zur Verfügung, auf dem sie angelegt wurden. Nicht so die plattforminternen Lesezeichen von WebCT Vista: Hier ist es möglich, im Bereich Persönliche Lesezeichen eigene Bookmarks hinzuzufügen, zu editieren und zu löschen, wobei der Zugriff von jedem beliebigen Rechner aus möglich ist.

Zur Rollenverteilung

WebCT Vista bietet die Möglichkeit, neben der Rolle des Plattform-Administrators, der z.B. campusweite Einstellungen und Bekanntmachungen durchführen kann, auch verschiedene "Rollen" für die BenutzerInnen des Systems festzulegen. Je nach Status und Funktion im Lehrbetrieb sind dafür fünf Rollen - Student, Designer, Instruktor, Tutor und Auditor - vorgesehen, die jeweils über einen klar definierten Handlungsspielraum und über eine entsprechende Palette an Instrumentarien verfügen.

Diese Rollen können bei Bedarf selbstverständlich zusammengelegt werden. Beispielsweise wird voraussichtlich ein Lehrender in den meisten Fällen sowohl die Rolle des Designers als auch die des Instruktors wahrnehmen. Bei Lehrveranstaltungen, wo tatsächlich eine Funktionsteilung besteht, ist es jedoch möglich zu differenzieren.

Student
Studierende, die eine bestimmte Lehrveranstaltung belegt haben, können über die Lernplattform auf die für sie bereitgestellten Inhalte zugreifen, vom Lehrenden zugewiesene Aufgaben oder Übungen durchführen und diese zur Korrektur an den Lehrenden übermitteln. Sie haben auch die Möglichkeit, ihren derzeitigen Notenstand einzusehen sowie alle lehrveranstaltungsbezogenen und persönlichen Termine mit Hilfe eines Kalenders zu verwalten.

Zudem stehen den Studierenden innerhalb von WebCT Vista zahlreiche persönliche Kommunikations- und Organisationswerkzeuge zur Verfügung: Beispielsweise können sie innerhalb der Plattform eMail-Nachrichten versenden, chatten, an Diskussionsforen teilnehmen, persönliche Bookmarks setzen, Inhalte nach bestimmten Begriffen durchsuchen oder Notizen schreiben.

Designer
Der Designer ist der "Konstrukteur" einer Lehrveranstaltung: Er entwirft die gewünschten Komponenten (z.B. Lerninhalte, Prüfungen, Aufgaben, Diskussionen), entscheidet über Verfügbarkeit und Präsentation der vorhandenen Werkzeuge und legt die Anordnung der Lerninhalte auf der Startseite fest. Dazu hat er die Wahl zwischen drei unterschiedlich strukturierten Arbeitsumgebungen: Basic View, Power View und Content Inventory, wobei letzeres als eine Art "Warenlager" dient, wo diverse Kursinhalte (Lernmodule, Prüfungen, URLs usw.) aufbewahrt werden.

Instruktor
Der Instruktor ist derjenige, der die Lehrveranstaltung und die Prüfungen abhält, KursteilnehmerInnen verwaltet, Aufgaben zuweist, Diskussionen moderiert oder den Studierenden lehrveranstaltungsrelevante eMail-Nachrichten beantwortet. Darüber hinaus entscheidet der Instruktor, wann Kursinhalte bzw. Tests freigegeben werden. Sowohl Designer als auch Instruktor können jederzeit auf die so genannte Studentenansicht wechseln, um die Ergebnisse ihrer Aktivitäten aus der Sicht der Studierenden zu überprüfen.

Tutor
An der Universität Wien werden zahlreiche Lehrveranstaltungen von TutorInnen begleitet. WebCT Vista ermöglicht es, diesen bestimmte Berechtigungen und Handlungsmöglichkeiten einzuräumen. So kann ein Tutor beispielsweise im Rahmen der betreffenden Lehrveranstaltung Aufgaben zuweisen, eMail-Nachrichten beantworten oder ein Diskussionsforum moderieren.

Auditor
Interessierte, die eine Lehrveranstaltung besuchen, aber keine Prüfungen ablegen wollen, können als so genannte Auditoren ("Gasthörer") angemeldet werden. Auditoren sind berechtigt, auf Lerninhalte zuzugreifen und die Kommunikationswerkzeuge zu nutzen; alle anderen Funktionen der Plattform stehen ihnen jedoch nicht zur Verfügung.

Kommunikationswerkzeuge

Kommunikation unter Lehrenden und Lernenden ist von jeher nicht auf Hörsaal und Sprechstundenzimmer beschränkt. Diskurs, Interaktion findet statt, ob nun bei der Wiener Melange Hegel'sches Gedankengut miteinfließt oder auf der Serviette in der Mensa zum x-ten Male der gemeinsame Versuch einer Formelableitung unternommen wird. Freilich haben all diese (externen) Foren auch ihre Tücken, wie etwa ihre Ortsbezogenheit oder ihren geringen Grad an Regulierbarkeit.

WebCT Vista bietet zur Ergänzung herkömmlicher Kommunikationsformen eine Reihe interessanter Werkzeuge, die - geschickt eingesetzt - durchaus imstande sind, die Partizipation und Interaktion zu fördern und die Kommunikation unter Lehrenden und Lernenden zu erhöhen:

Bekanntmachungen

Ankündigungen an Studierende wie z.B. Terminänderungen oder nahende Prüfungen können innerhalb eines Kurses mit Hilfe der so genannten Bekanntmachungen optisch wirksam realisiert werden: Die BenutzerInnen erkennen die neue Nachricht an einem Lautsprechersymbol in der Ansicht My WebCT. Eine sehr wirkungsvolle Methode ist die zusätzliche Anzeige der Bekanntmachung via Popup-Fenster - dieses öffnet sich, sobald der Benutzer den Kursbereich betritt.

Der Instruktor/Designer der jeweiligen Lehrveranstaltung wählt den Adressatenkreis aus und setzt den Zeitrahmen fest, in dem die Bekanntmachung verlautbart werden soll. Die Mitteilungen selbst können vor ihrer Veröffentlichung in einer Vorschauansicht überprüft und bei Bedarf nochmals editiert werden.

Chat & Whiteboard

Für die zeitgleiche (synchrone) Kommunikation innerhalb von WebCT Vista stehen Chat und Whiteboard zur Verfügung (siehe Abb. 5). Beide bieten eine Vielzahl kreativer Einsatzmöglichkeiten. Das Chat-Werkzeug kann beispielsweise genutzt werden, um "virtuelle Sprechstunden" abzuhalten: Wenn der Lehrende bekanntgibt, dass er zu einer gewissen Zeit in einem bestimmten Chatroom für Fragen zur Verfügung steht, kann er von Studierenden dort konsultiert werden, ohne dass sich diese persönlich auf die Universität begeben müssen. Sollte sich während der vereinbarten Zeitspanne zunächst niemand einfinden, kann der Lehrende unbesorgt an anderen Projekten weiterarbeiten - er wird automatisch verständigt, sobald jemand den Chatroom betritt. Denkbar wäre auch der Einsatz von On-topic-Chats, um ein vorgegebenes Thema zu besprechen oder um ein Problem innerhalb einer Gruppe zu lösen. Das Werkzeug könnte auch genutzt werden, um Erfahrungen zu einem Projekt auszutauschen oder Fremdsprachen in dialogischen Texten zu üben.

 

Abb. 5: WebCT Vista - Chat & Whiteboard

Neben den skizzierten kursbezogenen Anwendungsmöglichkeiten dient ein Chatroom auch ganz einfach als alternativer sozialer Treffpunkt für alle KursteilnehmerInnen, wo ungezwungen "geplaudert" werden kann. Als nützlich erweist sich hierfür die Funktion Wer ist online? - sie informiert darüber, wer gerade eingeloggt ist. Tatsächlich werden nicht alle anwesenden BenutzerInnen angezeigt: Diejenigen, die ungestört arbeiten und somit für die anderen "unsichtbar" oder "sichtbar, aber nicht verfügbar" sein möchten, legen den eigenen Status dementsprechend fest. Wer aber "sichtbar und verfügbar" ist, kann von den anderen Anwesenden auf einen Chat eingeladen werden.

Es soll ein bisschen visueller sein? Etwa um eine optische Vorstellung anhand einer Zeichnung zu skizzieren oder mit einem Bild zu veranschaulichen? Für solche Zwecke steht die Tafel (Whiteboard) zur Verfügung. Mit diesem einfachen Zeichenwerkzeug - vergleichbar etwa mit dem in Windows-Systemen integrierten Microsoft Paint - kann man in Echtzeit schreiben, zeichnen oder auch Bilddateien importieren. Die Tafel ist entweder allein oder als Ergänzung zum Chat einsetzbar und eignet sich hervorragend zum Austausch grafischer Informationen in einer größeren Runde: Die Daten sind für alle TeilnehmerInnen sichtbar, und jeder hat die Möglichkeit, Informationen anzufügen.

Im Rahmen des Chat-/Whiteboard-Werkzeugs steht den Lehrenden eine Reihe von Moderationsmöglichkeiten zur Verfügung. So können sie den Handzeichenmodus aktivieren: Mittels Knopfdruck bekunden Studierende ihren Wunsch, am Chat teilzunehmen bzw. das Wort zu ergreifen. Der Moderator erteilt dann abwechselnd einem der Teilnehmer die Sprecherlaubnis, indem er ihm das Mikrofon oder den Stift für die Tafel übergibt. Auch kann der Moderierende einzelne TeilnehmerInnen eine Weile "verstummen" lassen oder ganz aus dem Raum bannen, etwa sofern gegen die Chatiquette (die Umgangsformen im Chat) verstoßen wurde.

Der Lehrende entscheidet, ob das Chat-/Whiteboard-Werkzeug im Rahmen einer Lehrveranstaltung eingesetzt wird und wenn ja, wie viele Chatrooms an welcher Stelle verfügbar sein sollen. Ein Standardraum (Common Room) ist in WebCT Vista bereits angelegt. Um weitere Räume zu schaffen, legt der Lehrende jeweils einen Namen und eine kurze Beschreibung fest und bestimmt, ob es sich bei dem neuen virtuellen Raum um einen Chatroom, um ein Whiteboard oder um eine Kombination beider handelt. Weiters müssen die Rechte die TeilnehmerInnen definiert werden: Dürfen sie sich auch private Nachrichten (Separee) schicken? Dürfen sie einen selbstgewählten Namen (Alias) verwenden - was de facto einer anonymen Beteiligung an der Diskussion gleichkommt?

Zudem hat der Lehrende die Möglichkeit, die Zahl der BenutzerInnen eines Chatrooms zu beschränken und die stattgefundenen "Gespräche" in einem automatisch erstellten Protokoll (Log) aufzeichnen zu lassen (etwa für Studierende, die sich nicht beteiligen konnten). Falls sich einzelne Optionen als nicht zielführend erweisen sollten, können die vorgenommenen Einstellungen später modifiziert werden.

Mail

Mailing innerhalb von WebCT Vista ist in Bezug auf Funktionsumfang, Bedienung und Optik durchaus vergleichbar mit gängigen Mailprogrammen wie Outlook Express oder Mozilla, sodass sich Versierte schnell damit zurechtfinden werden. Wichtigster Unterschied zu anderen Mailprogrammen ist jedoch, dass das Mailwerkzeug von WebCT Vista ausschließlich für das kurs- bzw. campusinterne Mailing geschaffen wurde: Weder können externe Mailadressen angeschrieben noch können von externen Adressen Nachrichten empfangen werden. Allerdings haben die TeilnehmerInnen die Möglichkeit, für sie einlangende Nachrichten automatisch an ihre "reguläre" Mailadresse weiterleiten zu lassen.

Zwecks Übersichtlichkeit stehen eine globale und eine kursbezogene Ansicht zur Verfügung: Wird die Mailfunktion über My WebCT aufgerufen, werden alle Nachrichten für den jeweiligen Benutzer angezeigt. Anders, wenn der Einstieg innerhalb einer Lehrveranstaltung erfolgt - in diesem Fall sind nur die Mails zu dieser spezifischen Lehrveranstaltung sichtbar.

Diskussionen

Das Werkzeug Diskussionen von WebCT Vista ähnelt im Prinzip einer Newsgroup: Der Autor gibt Themen vor, die innerhalb von selbst erstellten Kategorien angelegt werden können. Zu diesen vorgegebenen Themen können die BenutzerInnen Beiträge veröffentlichen oder auf bereits bestehende Nachrichten antworten (siehe Abb. 6). Im Gegensatz zu Chat werden Mitteilungen hier sequentiell publiziert. Beiträge erhalten möglicherweise erst nach Tagen Antwort, sind aber längerfristig für die BenutzerInnen verfügbar. Die einzelnen Diskussionsthemen können für alle Rollen zugänglich gemacht werden oder auf einzelne Rollen beschränkt werden. Die Einstellungen gestatten es dem Lehrenden, sowohl Themen wie auch Kategorien zu sperren (Read-only Mode) bzw. den AutorInnen der Beiträge Anonymität zu gewähren (diese Option kann später nicht mehr modifiziert werden).

Abb. 6: WebCT Vista - Diskussionen

Tests, Aufgaben & Grade Book

Wer kennt sie nicht, die leidige Erfahrung: Kaum ein Bildungsgenuss ohne (standardisiertes) Beurteilungsverfahren. Auch Lernplattformen kommen an diesem Faktum nicht vorbei. Von den gängigen Methoden zur Abschätzung des Wissens und Verständnisses der Studierenden in Bezug auf die vermittelten Lehrinhalte kann nur eine - die mündliche Prüfung - nicht in WebCT Vista abgebildet werden. Die Durchführung von schriftlichen Tests und die Zuweisung von Aufgaben (z.B. die Ableitung von Formeln oder die Erstellung schriftlicher Arbeiten) werden jedoch sehr wohl unterstützt. Auch eine automatisierte Notenverwaltung, das so genannte Grade Book, ist in die Plattform integriert.

Tests

In WebCT Vista stehen drei Testvarianten zur Verfügung:

  • Prüfungen - in der deutschen Version etwas unglücklich als "Quiz" bezeichnet - sind Online-Tests, die entweder vollautomatisch oder manuell bewertet werden.

  • Selbsttests dienen lediglich der eigenen Leistungskontrolle. Die Ergebnisse bleiben unbenotet; sie sind für die Lehrenden nicht einsehbar und gehen demnach auch nicht in die Notenverwaltung ein. Für Selbsttests sind nur jene Fragentypen geeignet, die automatisch beurteilt werden können - Fragen, für deren Beantwortung freie Texte verfasst werden müssen, scheiden aus.

  • Studien sind anonyme Online-Evaluationen, die z.B. genutzt werden können, um Vorkenntnisse, Interessen oder Meinungen der Studierenden zu erheben.

Studien und Selbsttests sind bereits in der Basis-Implementierung von WebCT Vista problemlos durchführbar. Im Bereich Prüfungen muss die Plattform aber noch einer intensiven Erprobungsphase unterzogen werden, sodass Prüfungen mit WebCT Vista vorerst nur in Verbindung mit begleitenden Maßnahmen abgehalten werden können - d.h. im Rahmen der Infrastruktur der universitären PC-Räume und mit zusätzlichem Support und Aufsichtspersonal. Wir hoffen jedoch auf positive Erfahrungen, damit der Einsatz der Lernplattform zu Prüfungszwecken innerhalb des nächsten Jahres größere Verbreitung finden kann.

Egal, ob ein Lehrender nun eine Prüfung, einen Selbsttest oder eine Studie vorbereiten möchte - der erste Schritt ist stets die Erstellung der Testfragen. WebCT Vista unterstützt zu diesem Zweck eine Reihe von verschiedenen Fragentypen, wobei jeder Frage je nach Schwierigkeitsgrad manuell eine Punktezahl zugewiesen werden kann. Die Fragen können entweder für jeden Test separat generiert werden oder in einer Fragendatenbank gesammelt und systematisch in bestimmten Kategorien verwaltet werden. Die Fragendatenbank ermöglicht somit einen kombinierbaren Zugriff und eine vielseitige Wiederverwendbarkeit von Prüfungsfragen.

Beim Erstellen eines Tests kann auf Einzelfragen aus der Fragendatenbank zugegriffen oder aber eine Fragengruppe verwendet werden. Dabei wird aus einem größeren Pool an vorhandenen Fragen automatisch per Zufallsprinzip eine Auswahl getroffen, sodass jeder Prüfling ein individuelles Fragenset erhält. Dieser Modus ist etwa von Vorteil, wenn ein Lehrstoff voll abgedeckt werden soll, aber nur stichprobenartig geprüft werden kann. Ist beispielsweise eine Lehrveranstaltung in fünf Kapitel untergliedert, könnte der Lehrende pro Kapitel eine Gruppe von 30 gleichwertigen Fragen vorbereiten und dann automatisch für jeden Studierenden ein Fragenset erstellen lassen, das zwei beliebige Fragen aus jedem Kapitel umfasst. Jeder Prüfling erhält somit zehn zufällig ausgewählte Fragen, die jedoch einen Querschnitt des kompletten Lehrstoffs bilden.

Zur Definition der konkreten Prüfungsbedingungen bietet WebCT Vista eine Reihe von Einstellungsmöglichkeiten: Die Lehrenden können definieren, wie lange der Test dauern soll, wie viele Versuche die Studierenden haben, ob sie die Unterlagen auch nach Überschreiten des Zeitlimits noch abschicken dürfen und ob sie bei der Beantwortung der Fragen zurückblättern dürfen oder nicht (dies bietet sich an, wenn Fragen aufeinander aufbauen und verhindert werden soll, dass Antworten in anderen Prüfungsfragen nachgelesen werden). Ebenso lässt sich angeben, ab wann bzw. wie lange der Test im Netz sichtbar ist.

Nachdem der Prüfling den Test an den Lehrenden abgeschickt hat, erfolgt die Bewertung. Wie bereits angesprochen, kann WebCT Vista fast alle Fragen vollautomatisch auswerten. Dem Lehrenden bleibt es jedoch unbenommen, die Bewertung aller Fragentypen manuell durchzuführen bzw. die automatische Bewertung händisch zu korrigieren. Mit einem Mausklick kann der Lehrende das (vollständige oder partielle) Ergebnis der Auswertung in das Grade Book übernehmen bzw. bei entsprechender Voreinstellung gleichzeitig an den Studierenden übermitteln. Er hat auch die Möglichkeit, den Test oder auch einzelne Antworten mit Kommentaren zu versehen und Noten im Nachhinein zu ändern.

Aufgaben

In sehr vielen Lehrveranstaltungen – seien es Seminare, Vorlesungen, Praktika usw. - werden an die Studierenden Aufgaben gestellt, die sie individuell oder in Gruppen bearbeiten sollen. Die Administration dieses didaktischen Szenarios kann durch die integrierte Aufgabenverwaltung von WebCT Vista massiv erleichtert werden:

Aufgaben können von den Lehrenden direkt auf der Plattform verwaltet, kommentiert, zur weiteren Bearbeitung an die Studierenden zurückgeschickt sowie benotet werden. Die Zuweisung der Aufgabenstellungen erfolgt entweder an einzelne Studierende oder an Gruppen, wobei es möglich ist, den verschiedenen TeilnehmerInnen oder den verschiedenen Gruppen unterschiedliche Zusatzinstruktionen zukommen zu lassen. Auch die automatische Freigabe von Aufgaben zu einem bestimmten, vorher festgesetzten Datum ist möglich.

Studierende schicken die bearbeitete Aufgabe (in den meisten Fällen wird dies wie in Abb. 7 ein Text mit Attachment sein) über eine Webmaske an den Lehrenden. Bei der verantwortlichen Lehrperson werden die eingesandten Aufgaben in einem speziellen Ordner abgelegt, in dem die Aufgaben übersichtlich verwaltet werden. Hier ist es möglich, die Aufgabe zu kommentieren und zur weiteren Bearbeitung an den Studierenden zurückzuschicken. Aufgaben können auch direkt online benotet werden. Die Noten werden in das Grade Book eingetragen und an die jeweiligen Studierenden freigegeben, die sie dann mit der Funktion Meine Noten abfragen können.

Wie im Mailprogramm kann auch für Diskussionsbeiträge ein HTML-Editor verwendet werden. Er ermöglicht es, Tabellen, Hyperlinks, Bookmarks und Symbole in die Nachricht einzubinden oder den Text mit einer Reihe gängiger Formatierungswerkzeuge zu bearbeiten (z.B. Absatz, Aufzählungen, Schriftarten). Um mathematische Gleichungen in die Beiträge aufnehmen zu können, wurde ein einfacher Formeleditor integriert, der auch MathML unterstützt. Darüber hinaus können einem Diskussionsbeitrag auch Attachments hinzugefügt werden.

Kalender

Kalendereinträge werden von drei Ebenen aus verwaltet:

  • Universitätsweite Einträge: Diese obliegen der Verantwortung der AdministratorInnen, vermitteln campusweite Ereignisse und werden allen WebCT-BenutzerInnen angezeigt.

  • Kursbezogene Einträge: LektorInnen können für ihre Lehrveranstaltungen öffentliche Einträge (z.B. Prüfungstermine) vornehmen, die für alle KursteilnehmerInnen sichtbar sind.

  • Persönliche Einträge: Alle BenutzerInnen haben die Möglichkeit, private Einträge in ihrem Kalender zu notieren. Diese werden kursiv dargestellt und sind nur für den eintragenden Benutzer einsehbar.

Bei der Erstellung von Kalendereinträgen sind zahlreiche Einstellungen möglich: So können Zeitspannen festgelegt, Details notiert, URLs integriert oder Terminserien (für sich regelmäßig wiederholende Ereignisse) festgelegt werden. Die Kalenderansicht lässt sich in hohem Maße an die persönlichen Präferenzen anpassen. Auch bei der Anzeige der Einträge hat man "freie Wahl": Je nach Voreinstellung werden entweder die Termine für alle belegten Kurse oder nur für einen bestimmten Kurs dargestellt, auf Wunsch jeweils unter Ein- oder Ausschluss der persönlichen Einträge.

Abb. 7: WebCT Vista - Aufgabe (Text mit Attachment)

Arbeiten Studierende in Gruppen, kann die Aufgabe von einer beliebigen Person der jeweiligen Gruppe hochgeladen werden. In diesem Fall wird automatisch an alle Mitglieder der Gruppe das Feedback geschickt und die Note vergeben. Es ist auch möglich (und insbesondere bei Gruppenarbeiten sinnvoll), den Studierenden zu erlauben, bis zu einem bestimmten Abgabetermin ihre Aufgaben "zurückzuholen" und wieder neu hochzuladen. Damit kann ein unbeabsichtigtes Abschicken von nicht fertigen Aufgaben verhindert werden. Eine Benotung ist in diesem Fall selbstverständlich erst nach Ablauf der Abgabefrist möglich. Zu spät (d.h. nach Ende der Abgabefrist) eingesandte Aufgaben sind entsprechend gekennzeichnet; zusätzlich kann auch ein so genanntes Cutoff-Datum gesetzt werden, ab dem das Hochladen von Aufgaben nicht mehr möglich ist.

Um die fertigen Aufgaben der Studierenden für alle TeilnehmerInnen der jeweiligen Lehrveranstaltung zugänglich zu machen, können diese auf Wunsch publiziert werden. Je nach gewählter Einstellung erfolgt die Veröffentlichung dabei entweder durch die Lehrperson oder durch die Studierenden selbst.

Grade Book

Lehrende, die Kurse mit sehr hohen Teilnehmerzahlen leiten, werden vermutlich die Einbindung einer automationsunterstützten Notenverwaltung schätzen, die ausschließlich oder ergänzend zur herkömmlichen Notenverwaltung einsetzbar ist. Das in WebCT Vista integrierte Grade Book - in der deutschen Programmversion "Leistungsübersicht" genannt - bietet hierfür zahlreiche Funktionen und erlaubt den InstruktorInnen eine einfache Administration der Studierendendaten.

Die Ergebnisse von Tests oder Aufgaben werden, nachdem sie benotet und vom Lehrenden freigegeben wurden, automatisch in das Grade Book übernommen. Auf Wunsch des Lehrenden können auch Zusatzinformationen wie Kontaktadressen, Referatsnoten, Mitarbeit oder Anwesenheit der Studierenden eingetragen werden. Ferner ist es möglich, zwischen verschiedenen Notenschemata (alphanumerische Noten, Buchstabennoten, ...) zu wählen und den Notenschnitt sowie die Endnote/Abschlussnote eines Studierenden automatisch zu berechnen.

Durch Klick auf die Schaltfläche Prüfverlauf anzeigen erhält man ein detailliertes Protokoll über die Prüfungsdaten zu einem bestimmten Test, das beispielsweise Aufschluss darüber gibt, wie viel Zeit die Studierenden für den jeweiligen Test aufgewendet haben, wie viele Versuche sie hatten und wie viele Punkte sie hierbei jeweils erzielten. Diesem Protokoll können auf Wunsch zusätzliche Bemerkungen, Noten für Teilabschnitte oder mündliche Prüfungen hinzugefügt werden. Zur weiteren Verarbeitung kann das Protokoll in eine Excel-Datei exportiert und bei Bedarf ausgedruckt oder versendet werden.

Fragentypen

WebCT Vista unterstützt neun verschiedene Fragentypen. Das Erstellen der Fragen ist sowohl im Text- als auch im HTML-Format möglich. Außer beim Fragentyp Wahr oder Falsch können für alle Fragentypen zusätzliche Einstellungen vorgenommen werden, die die Präsentation, die Funktion und die Bewertungskriterien der Frage festlegen.

Wahr oder Falsch
Die Studierenden müssen entscheiden, ob eine Behauptung wahr oder falsch ist.

Kurzantwort & Lückentext
Bei der Kurzantwort erhalten die Studierenden eine Frage und ein leeres Textfeld, in das sie ihre Antwort (meist einen konkreten Begriff) eintragen. Lückentext-Fragen funktionieren ähnlich: Die leeren Textfelder werden direkt in die Frage eingebaut; der einzusetzende Text ergibt sich aus dem Kontext. Der Lehrende kann für eine Frage auch mehrere Antworten zulassen und für jede Antwort unterschiedliche Punktezahlen vergeben. Bei der automatischen Bewertung kann er festlegen, ob die Antwort das gesuchte Wort beinhalten oder aber diesem exakt entsprechen muss. Eine Bewertung ist auch mittels Regular Expressions möglich. Dabei handelt es sich um eine Sprache zur genauen Definition von Suchmustern: Beispielsweise wird mit ^Ab[^x]..$ eine Zeichenkette aus exakt 5 Zeichen beschrieben, von denen das erste Zeichen ein großes A, das zweite ein kleines b und das dritte kein x ist.

Multiple Choice
Die Studierenden erhalten eine Frage sowie eine Liste möglicher Antworten und wählen daraus eine oder auch mehrere richtige Antworten aus. Sind mehrere Antworten bei der Fragestellung korrekt, kann die Verteilung der Punktezahl variiert werden. So ist es möglich, eine Teilpunktezahl anzurechnen, wenn nur ein Teil der korrekten Antworten erkannt wurde, oder nur dann Punkte zu vergeben, wenn alle richtigen Listenpunkte ausgewählt wurden. Bestimmten Antworten kann auch eine negative Punktezahl zugeordnet werden.

Kombination
Eine Abwandlung der Multiple Choice-Frage ist die Kombinationsfrage: Anstelle einer direkten Antwortauswahl wählen die Studierenden aus einer Liste von Antwortkombinationen die richtige Kombination aus.

Zuordnung
Bei Zuordnungsfragen (Matching) müssen Studierende Begriffe aus einer Liste mit Begriffen aus einer anderen Liste richtig verknüpfen. In den Einstellungen wird jeweils festgelegt, wie viele Begriffe zueinander passen. Es können hierfür ähnliche Bewertungskriterien wie bei Multiple Choice-Fragen festgelegt werden.

Ungeordneter Satz
Bei Ungeordneten Sätzen (Jumbled Sentences) wird den Studierenden ein Text vorgegeben, in welchem einzelne Satzglieder durch Drop-down-Listen ersetzt wurden. Aus diesen Listen müssen die inhaltlich und syntaktisch ins Satzgefüge passenden Antworten gewählt werden.

Berechnung
Dieser Fragentyp ermöglicht die Erstellung von einfachen Rechenaufgaben innerhalb der Grundrechenarten und basiert auf der Verwendung von Variablen. Für jede Variable im Text wird automatisch ein (aus einer vordefinierten Reihe) zufällig gewählter Wert generiert. Jeder Student erhält somit eine individuelle Aufgabenstellung zur Berechnung der Lösung.

Absatz
Bei einigen Fragestellungen macht es wenig Sinn, das Verständnis der Studierenden stichwortartig abzuprüfen. Sie erfordern als Antwort ganze Abhandlungen, beispielsweise in Form eines kurzen Essays. Bei der Absatzfrage (Paragraph) schreiben die Studierenden den Antworttext in ein größenmäßig vordefiniertes Textfeld. Alternativ könnte in einem zweiten Feld Text vorgegeben werden, den die Studierenden modifizieren müssen. Absatzfragen sind nicht automatisch auswertbar, sondern vom Lehrenden separat zu benoten.

Support & Schulungen

Wie bereits eingangs erwähnt, kann im Rahmen dieses Artikels nur ein grober Überblick über den Funktionsumfang der neuen Lernplattform geboten werden. Prinzipiell sind die Grundfunktionen des Programms auch für Einsteiger problemlos anwendbar. Lehrende, die ihre WebCT-Kenntnisse vertiefen möchten, können hierfür die kostenlosen technischen Schulungen des Zentralen Informatikdienstes besuchen. Auch für Studierende sind entsprechende Schulungen geplant.

Detaillierte Informationen zum Schulungs- und Supportangebot des ZID finden Sie im Artikel WebCT Vista: Voraussetzungen für den Zugang zur Lernplattform. Darüber hinaus bietet das Projektzentrum Lehrentwicklung eine auf die technischen Kurse des ZID abgestimmte didaktische Basisschulung und betreut interessierte Lehrende in didaktischen und rechtlichen Belangen. Einzelheiten dazu erfahren Sie im Artikel WebCT Vista: Supportangebote des Projektzentrums Lehrentwicklung.

WebCT Vista für Fortgeschrittene

Neben den Grundfunktionen einer Lernplattform - Bereitstellung und Organisation von Lernmaterialien, Studierenden- und Aufgabenverwaltung, Unterstützung verschiedener Kommunikationskanäle - bietet WebCT Vista auch Instrumente zur "Feinabstimmung" des Lehrangebots. Die wichtigsten davon sind die Selektive Freigabe von Inhalten und das so genannte User Tracking, das auf Basis anonymisierter Statistiken Einblicke in das Verhalten der BenutzerInnen innerhalb einer Lehrveranstaltung erlaubt.

Selektive Freigabe

Für alle Komponenten einer Lehrveranstaltung - seien es nun Lernmodule, Kommunikationswerkzeuge oder Aufgaben - können spezifische Kriterien für deren Freigabe an die Studierenden festgelegt werden. Diese selektive Freigabe von Inhalten ist auf drei Ebenen möglich:

  • Zeitliche Kontrolle der Freigabe:
    Nehmen wir an, eine Lehrveranstaltung ist in mehrere Module eingeteilt, die zeitlich nacheinander freigeschaltet werden sollen. Um dies nicht zu einem bestimmten Termin bzw. sogar zu einer bestimmten Uhrzeit händisch durchführen zu müssen, ist es möglich, das gewünschte Datum als Freigabekriterium anzugeben. Studierende sehen dieses Modul dann erst ab dem Freigabetermin; für den Lehrenden ist das Lernmodul zwar sichtbar, aber als "versteckt" markiert.

  • Freigabe an bestimmte TeilnehmerInnen oder Gruppen:
    Die selektive Freigabe kann auch zur Unterstützung der Zusammenarbeit in Kleingruppen sowie zur differenzierten Zuteilung von Inhalten an einzelne Studierende oder an Gruppen genutzt werden. Wenn beispielsweise die TeilnehmerInnen einer Lehrveranstaltung in mehreren Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Projekten beschäftigt sind, können jedem Team die jeweils relevanten Informationen (bzw. Aufgaben, Diskussionsthemen, ...) zur Verfügung gestellt werden.

  • Freigabe anhand von Lernpfaden:
    WebCT Vista unterstützt auch die selektive Freigabe von Inhalten auf Basis so genannter Lernpfade. Dabei werden einzelne Komponenten der Lehrveranstaltung an bestimmte Studierende anhand von Kriterien der Notenverwaltung (Grade Book) freigeschaltet. Hier ist eine Vielfalt möglicher Szenarien denkbar ? beispielsweise könnte der Zugang zu Lernmodul 2 nur für jene Studierenden freigegeben werden, die bereits den Test zu Lernmodul 1 positiv absolviert haben, oder die Lösung einer bestimmten Aufgabe erst sichtbar werden, nachdem diese benotet wurde. Das Bilden von Lernpfaden ist jedoch ein Bereich, in dem an der Universität Wien erst langsam Erfahrungen gesammelt werden müssen.

User Tracking

Mittels User Tracking können die Aktivitäten der BenutzerInnen einer Lehrveranstaltung untersucht werden. Dieses Werkzeug erlaubt den Lehrenden gewisse Rückschlüsse in Bezug auf die Benutzerpräferenzen und die Häufigkeit der Verwendung einzelner Komponenten. Der Lehrende wählt dazu einfach den gewünschten Zeitraum sowie einen der folgenden Bereiche:

  • Überblick über die Aktivität auf der Plattform innerhalb der Lehrveranstaltung,
  • Überblick über die Nutzung der verwendeten Werkzeuge,
  • Überblick über die Nutzung spezifischer Komponenten,
  • Häufigkeit der Nutzung spezifischer Inhaltsdateien,
  • Start- und Endpunkte der BenutzerInnen innerhalb einer Lehrveranstaltung.

Die hierbei erstellten Statistiken sind anonymisiert und erlauben keine Rückverfolgung von Aktivitäten bestimmter BenutzerInnen. Sie können als Tabelle oder als Grafik dargestellt und auf Wunsch in eine CSV-Datei (Comma Separated Value, ein Dateiformat zur Migration von Datenbankinhalten) exportiert werden.

 

1) SCORM, das Sharable Content Object Reference Model, ist ein internationaler Standard zum Austausch der Inhalte zwischen verschiedenen Lernplattformen. Nähere Informationen dazu finden Sie z.B. unter http://www.adlnet.org/.