Die neue Lernplattform
Projektstatus

von Herbert Stappler (Ausgabe 04/2, Juni 2004)

 

Im Oktober 2003 wurde im Comment unter dem Titel Auf dem Weg zu einer universitätsweiten Lernplattform über die eLearning-Aktivitäten an der Universität Wien berichtet. Dass die Universität auf diesem Weg inzwischen weitergekommen ist, beweist die vorliegende Ausgabe, in der die neue Lernplattform und ihre Möglichkeiten ausführlich vorgestellt werden. Noch Ende 2003 wurde ein kleines Team von MitarbeiterInnen des Projektzentrums Lehrentwicklung und des Zentralen Informatikdienstes von der Universitätsleitung beauftragt, ein Auswahlverfahren zur Anschaffung einer universitätsweiten Plattform durchzuführen. Hier soll kurz über die bisherigen Aktivitäten dieser Gruppe und über Pläne für die Zukunft berichtet werden.

Die Qual der Wahl

Bei jedem Auswahlverfahren ist die genaue Kenntnis der Wünsche und Bedürfnisse der Institution, an der das Produkt eingesetzt werden soll, einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Leider ist es nicht leicht herauszufinden, was die Erfordernisse der Uni Wien im Bereich eLearning sind: Die Universität ist groß, heterogen und beheimatet viele verschiedene Formen der universitären Lehre. Glücklicherweise haben sich zahlreiche Lehrende der Universität Wien, die bereits seit Jahren Erfahrungen auf diesem Gebiet haben oder für die eLearning einen ihrer Forschungsschwerpunkte darstellt, bereit erklärt, ihr Wissen diesem Projekt zur Verfügung zu stellen. In mehreren Experten-Hearings wurden die verschiedenen Anwendungsbereiche von Lernplattformen und ihre Relevanz für den Einsatz an der Uni Wien diskutiert.

Eine weitere wichtige Informationsquelle waren die Erfahrungen, die im Rahmen eines Pilotprojekts gewonnen werden konnten: Im Studienjahr 2003/2004 wurden etwa 40 Lehrveranstaltungen mit insgesamt ca. 2000 Studierenden mit Hilfe der Open Source-Plattform ILIAS abgewickelt. Auch wenn bald klar war, dass sich diese Software nicht für den hochschulweiten Einsatz an einer Großuniversität eignet, ermöglichte das Pilotprojekt vielen Lehrenden und Studierenden einen ersten Einstieg in eLearning und lieferte dem Auswahlteam wertvolle Erkenntnisse aus der Praxis. Auf dieser Basis und unter Berücksichtigung der Erfahrungen, die an anderen Universitäten gemacht wurden, konnte das Auswahlteam entsprechende Kriterien definieren, anhand derer die in Frage kommenden Produkte auf ihre Tauglichkeit für den Einsatz an der Uni Wien beurteilt wurden.

Auch wenn es auf dem Softwaremarkt zahlreiche Produkte gibt, die sich als Lernplattform bezeichnen, ist die Anzahl der Programme, die sich für die an der Universität Wien geplante Aufgabenstellung eignen, relativ gering. Es ist zwar klar, dass keine Plattform alle denkbaren Einsatzbereiche abdecken kann, aber sie sollte ein möglichst großes Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten unterstützen und imstande sein, tausende Lehrveranstaltungen mit mehreren zehntausend Studierenden abzuwickeln.

Zur Vorauswahl wurden renommierte internationale Studien und die Erfahrungen anderer Universitäten herangezogen. Die Produkte von sechs Herstellern (BlackBoard, CLIX, IBT Server, ILIAS, Hyperwave, WebCT) kamen in die engste Wahl und wurden eingehend untersucht. Die Anbieter mussten einen detaillierten Fragenkatalog beantworten und dem Auswahlteam die komplette Dokumentation des Produkts zur Verfügung stellen. Alle sechs Programme wurden entweder auf einem Server des Herstellers oder auf einem Rechner des ZID getestet. Den Abschluss bildete ein mehrstündiges Gespräch, in dem die Hersteller ihre Produkte nochmals präsentieren konnten und das dem Auswahlteam Gelegenheit gab, den Anbietern alle noch offenen Fragen vorzulegen.

Nach zwei Monaten intensiver Arbeit gab das Auswahlteam die Empfehlung ab, das Programm WebCT Vista zu erwerben. WebCT ist ein führender Hersteller von Lernplattformen; Vista, das Spitzenprodukt dieser Firma, punktet nicht nur durch einen großen Funktionsumfang, sondern eignet sich auch ausgezeichnet für universitätsweite Lösungen.

Wie geht es weiter?

Im Februar 2004 genehmigte das Rektorenteam der Universität Wien die Anschaffung dieses Softwareprodukts und gab grünes Licht für die begleitenden Maßnahmen. Dazu zählt vor allem die Aufstockung des im Supportbereich tätigen Mitarbeiterstabes: Allen interessierten LektorInnen soll ein umfangreiches Schulungsprogramm zur Verfügung stehen; zusätzlich werden die Öffnungszeiten des Büros Support Neue Medien ab Herbst 2004 auf sechs Stunden täglich erweitert. Da auch die Verwaltung einer großen Anzahl von Lehrveranstaltungen und entsprechend vieler Studierender nicht mehr händisch erfolgen kann, wird für das Projekt ein kleines Programmiererteam zur Verfügung stehen, das bereits intensiv an effizienten und komfortablen Lösungen zur Administration der Plattform arbeitet. WebCT Vista soll erstmals im Studienjahr 2004/2005 zum Einsatz kommen. Die einführenden Schulungen dafür haben bereits im Juni 2004 begonnen. Die vollständige Implementierung eines komplexen Programmpakets wie WebCT Vista kann jedoch nicht in wenigen Monaten erfolgen. Daher bitten wir um Verständnis, wenn im Herbst 2004 in manchen Bereichen (z.B. Lehrveranstaltungs- und Studierendenverwaltung) nur die Basisfunktionen bereitgestellt werden können. Wir hoffen, im Laufe der Zeit die Anpassung des Produkts soweit zu optimieren, dass alle wesentlichen Bedürfnisse komfortabel erfüllt werden. Einen Überblick über den Funktionsumfang von WebCT Vista finden Sie im Artikel WebCT Vista: Schöne Aussichten.