Mailbox-Service
Siehe, ich habe alles neu gemacht!

von Peter Marksteiner (Ausgabe 04/2, Juni 2004)

 

Die bereits im Comment 04/1 angekündigte Umstellung des Mailbox-Service wurde am Donnerstag, 20. Mai 2004 - einem Feiertag - durchgeführt. Der Zeitplan konnte weitgehend eingehalten werden: Pünktlich um 7:00 Uhr wurden alle Services (eMail, WWW, Login) auf dem Mailbox-Rechner eingestellt. Anschließend wurden alle Daten auf die verschiedenen Server übertragen - vor allem auf den neuen Fileserver FS1.UNIVIE.AC.AT. Gegen 10 Uhr war die Übertragung beendet; anschließend wurde die neue Konfiguration gründlich getestet. Im Lauf des Nachmittags wurden die Services schrittweise wieder in Betrieb genommen, und am frühen Abend standen alle Dienste wieder zur Verfügung. Kleinere Probleme gab es mit einigen Sonderfällen und "Spezialkonstruktionen", die in den Tagen darauf händisch nachbearbeitet werden mussten.

Das Konzept von "Mailbox neu" ist im Comment 04/1 beschrieben: Der Mailbox-Rechner wurde durch getrennte Server für die verschiedenen Services ersetzt. Anstelle des Hostnamens MAILBOX.UNIVIE.AC.AT treten nun Service-Namen für die einzelnen Services: MAIL.UNIVIE.AC.AT bzw. IMAP.UNIVIE.AC.AT zum Versenden bzw. Empfangen von eMail, LOGIN.UNIVIE.AC.AT zum interaktiven Arbeiten, FS1.UNIVIE.AC.AT für File-Services (Zugriff auf eigene bzw. freigegebene Daten mittels Netzwerklaufwerk verbinden) und HOMEPAGE.UNIVIE.AC.AT für persönliche Homepages von Universitäts-MitarbeiterInnen. Dank einer automatischen Weiterleitung bleiben die alten Adressen (http://mailbox.univie.ac.at/Vorname.Nachname/) auf unbeschränkte Zeit weiterhin gültig; trotzdem sollten jetzt nur mehr die neuen Adressen (http://homepage.univie.ac.at/vorname.nachname/) publiziert werden. Obwohl es nun keinen "Mailbox-Rechner" mehr gibt, bleibt der Name "Mailbox-Service" als Markenzeichen für die Internet-Services für Universitätsbedienstete erhalten.

"Mailbox neu" beruht auf denselben Prinzipien wie die im Sommer 2003 für das Unet-Service für Studierende implementierte Lösung mit Samba als verteiltem Filesystem, die sich sehr gut bewährt hat (siehe Artikel Unet: Siehe, ich mache alles neu!). Der wesentliche Unterschied ist, dass auch auf dem Login-Server Plattenplatz für Benutzerdaten zur Verfügung steht und eMail auf Wunsch an den Login-Server weitergeleitet werden kann. Das ermöglicht z.B das Verarbeiten von eMail mittels eigener Prozeduren oder Login mittels SSH ohne Passwort-Eingabe (Public Key Authentication). Bei Login ohne Passwort sind jedoch nur die lokalen Daten auf dem Login-Server zugänglich: Das Unterverzeichnis fileserver, in dem sich sonst die Daten von FS1.UNIVIE.AC.AT befinden, gehört dann dem User nobody und ist leer. Keine Angst, die Daten sind noch da: Sobald mit einem geigneten Befehl (z.B. ftp localhost) das Passwort eingegeben wird, sind sie wieder an der gewohnten Stelle zu finden (Details dazu siehe http://www.univie.ac.at/ZID/umstellung.html).

Die offenkundigen Vorteile durch die Umstellung sind vor allem mehr Plattenplatz (500 MB Webspace statt bisher 100 MB; zusätzlich 100 MB auf dem Login-Server1) und die Möglichkeit, die öffentlichen PC-Räume zu verwenden. Der wesentliche Nutzen liegt aber in einer nachhaltigen Konsolidierung und Stabilisierung: Die Anforderungen an ein eMail-System sind heute viel höher als noch vor wenigen Jahren. Einerseits ist eMail heute nicht mehr auf wenige technikbegeisterte Pioniere beschränkt, sondern wird von fast allen als selbstverständliches Kommunikationsmittel eingesetzt. Die Ansprüche sind hoch, für längere Ausfälle oder Verzögerungen bei der Zustellung gibt es wenig Verständnis. Andererseits sind Mailserver vor allem durch Viren und andere Schädlinge oft extremen Belastungen ausgesetzt. In den letzten Monaten hat der Mailbox-Rechner einige massive Viren-Attacken bemerkenswert gut überstanden. Ein einzelner - wenn auch sehr leistungsfähiger - Server ist jedoch viel zu anfällig und verwundbar, um auf Dauer einen stabilen Betrieb zu gewährleisten. Durch die Verteilung auf mehrere Server wurde die Möglichkeit geschaffen, das System mit den Anforderungen wachsen zu lassen und kontinuierlich auszubauen.

Nachdem die große Umstellung erfolgreich abgeschlossen ist, können nun auch verschiedene Projekte in Angriff genommen werden, die bis jetzt immer wieder aufgeschoben werden mussten: Verbesserungen beim Spam-Filter der Universität Wien (vor allem Erhöhung der Erkennungsrate), eine grundlegende Überarbeitung und Erneuerung des Webmail-Service, mehr Sicherheit durch IMAP over SSL und anderes mehr.

Der bisherige Mailbox-Rechner (der vierte seit den Anfängen des Mailbox-Service) war am 10. Mai 2001 in Betrieb genommen worden. Im Comment 01/2 steht dazu: Der neue Mailbox-Rechner ist deutlich leistungsfähiger als der bisherige, sodaß er für die nächsten Jahre, in denen der eMail-Verkehr wohl stark steigen wird, gerüstet ist. Drei Jahre lang hat dieser Server als Mailbox-Rechner gute Dienste geleistet und ist auch weiterhin als Mailserver im Einsatz - allerdings nicht mehr als Einzelkämpfer, sondern als Mitglied einer großen Server-Familie. 

 

1) Der Plattenplatz für empfangene eMail-Nachrichten (Mail Spool) unterliegt weiterhin keinen Beschränkungen.