Auf dem Weg zu einer universitätsweiten Lernplattform

von Herbert Stappler (Ausgabe 03/2, Oktober 2003)

 

 
Die elektronische Datenverarbeitung hat mittlerweile in fast alle Bereiche der Universität Einzug gehalten - in Forschung, Verwaltung und Bibliothekswesen ist die Verwendung von Computern heute eine Selbstverständlichkeit. Nur in der universitären Lehre spielen sie nach wie vor eine vergleichsweise bescheidene Rolle: Zwar werden in zahlreichen Lehrveranstaltungen die Einsatzmöglichkeiten der EDV im jeweiligen Fachgebiet unterrichtet; die Masse der Vorlesungen, Übungen und Seminare findet jedoch ohne Einbindung elektronischer Hilfsmittel statt. Das wird möglicherweise nicht so bleiben. Die moderne Computertechnik bietet viele attraktive Möglichkeiten, die universitäre Lehre zu unterstützen. An fast allen Universitäten sind derzeit unter Begriffen wie "eLearning" oder "Neue Medien in der Lehre" Aktivitäten im Gange, die versuchen, das Potential der modernen Informationstechnologie für den Lehrbetrieb zu nutzen. Auch an der Uni Wien sind in den letzten Jahren an vielen Instituten Initiativen entstanden, die darauf abzielen, Computer in die Lehrveranstaltungen zu integrieren.

Im Bereich eLearning werden die unterschiedlichsten Techniken und Programme verwendet. Eine zentrale Rolle nehmen dabei die sogenannten Lernplattformen ein.

Was ist eine Lernplattform?

Lernplattformen sind Programme, die ein einheitliches Rahmenwerk für die eLearning-Aktivitäten einer Organisation (z.B. einer Universität) zur Verfügung stellen. Die wichtigsten Funktionen einer Lernplattform sind folgende:

  • Organisation und Bereitstellung von Materialien (von einfachen Skripten bis zu Multimedia-Dateien), wobei den Studierenden diverse Hilfsmittel wie Lesezeichen, persönliche Notizen oder Anzeigen der Lernfortschritte zur Verfügung stehen.
  • Unterstützung verschiedener Kommunikationsformen zwischen Studierenden bzw. zwischen Lehrenden und Studierenden: Altbekannte Werkzeuge wie eMail, Diskussionsforen, Whiteboards und Chat sind in fast allen Lernplattformen integriert. Für das Arbeiten in Kleingruppen stehen den Studierenden persönliche Homepages, die Möglichkeit, Dateien zu speichern und mit anderen auszutauschen, sowie einfache Projektplanungswerkzeuge (z.B. gemeinsame Kalender) zur Verfügung.
  • In vielen Lernplattformen können Tests - sei es als Prüfung zur Lehrveranstaltung oder als Selbstkontrolle - durchgeführt werden. Auch die organisatorische Abwicklung von Übungsaufgaben (Verteilen der Aufgabenstellung, Abgabe der Aufgaben, Korrektur, Einsichtnahme in die korrigierten Aufgaben) ist mit manchen Lernplattformen zu bewerkstelligen.
  • Lernplattformen bieten den begleitenden TutorInnen verschiedene Möglichkeiten, die Studierenden zu unterstützen (e-tutoring). Viele Systeme können die Aktivitäten der BenutzerInnen verfolgen und aufzeichnen (user tracking), diese Daten dann analysieren und den Vortragenden - meist in anonymisierter Form - präsentieren. So können Lernfortschritte, Probleme und Vorlieben der Studierenden in Erfahrung gebracht werden.
  • Nicht zuletzt enthalten Lernplattformen einen gar nicht kleinen Verwaltungsteil zur Administration der Kurse und TeilnehmerInnen. Um Aufgaben wie etwa die Anmeldung zu Lehrveranstaltungen bewältigen zu können, muß die Lernplattform gut konfigurierbar sein und Zugriffsmöglichkeiten auf die Studierenden- und Vorlesungsdaten bieten.

Praktisch alle Lernplattformen sind webbasiert - man braucht also lediglich einen Webbrowser, um sie verwenden zu können. Für Inhalte, die nicht als HTML-Seiten abgefaßt sind (z.B. PDF-Dateien, Multimedia-Dateien), benötigt man allerdings entsprechende Plugins.

eLearning an der Uni Wien

An der Universität Wien sind in den letzten Jahren nicht nur viele eLearning-Projekte an den Instituten angelaufen, sondern auch die Universitätsleitung hat die Wichtigkeit dieses Themas erkannt. So hat der für Studium und Lehre zuständige Vizerektor, Univ.-Prof. Dr. Arthur Mettinger, eLearning zu einem der Arbeitsschwerpunkte für die nächsten Jahre erklärt. Bereits in absehbarer Zeit soll eine leistungsfähige Lernplattform universitätsweit angeboten werden. Das Projektzentrum Lehrentwicklung (eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung zur Unterstützung und Weiterentwicklung der Lehre) hat es übernommen, sich um die didaktischen Aspekte der künftigen Lernplattform zu kümmern; der Zentrale Informatikdienst betreut den technischen Bereich.

Als Vorstufe wurde bereits in diesem Studienjahr ein Pilotprojekt mit einer kleinen Zahl von Lehrveranstaltungen ins Leben gerufen, für das die Lernplattform ILIAS zum Einsatz kommt (siehe Abb. 1). Dieses an der Universität zu Köln als Open Source-Software entwickelte Programm wurde in den letzten Jahren an einigen Instituten der Uni Wien mit Erfolg verwendet. ILIAS ist zwar vom Funktionsumfang und der Leistungsfähigkeit her etwas beschränkt und eignet sich nicht ohne weiteres für einen universitätsweiten Einsatz; die Hoffnung ist aber, im kleineren Rahmen wertvolle Erfahrungen für den Betrieb der zukünftigen Lernplattform gewinnen zu können. Wer mehr über die eLearning-Aktivitäten der Uni Wien wissen möchte, findet auf den Webseiten des Projektzentrums Lehrentwicklung weitere Informationen.

Technischer Support für ILIAS

Im Rahmen des Pilotprojekts zur Einführung von Lernplattformen an der Uni Wien wurde am ZID eine Anlaufstelle zur Unterstützung von Studierenden und LektorInnen geschaffen: Das Büro Support Neue Medien kümmert sich um technische und organisatorische Probleme und nimmt auch Aufgaben der Benutzer- und Kursverwaltung wahr. Die MitarbeiterInnen des Büros sind über eMail, per Telefon (4277-14290) oder persönlich in den Sprechstunden erreichbar.