Design in InDesign
Ein Layoutprogramm unter der Lupe

von Vera Potuzak (Ausgabe 03/1, März 2003)

 

Das Layoutprogramm InDesign der Firma Adobe ist eines der aktuelleren Werkzeuge zum Erstellen von optisch anspruchsvollen Publikationen (und für Uni-Mitarbeiter als Standardsoftware erhältlich). Gleich vorweg sei erwähnt, daß InDesign dem Vergleich mit anderen Layoutprogrammen nicht nur standhält, sondern diese teilweise (siehe Abschnitt InDesign-Spezialitäten) deutlich übertrifft. Dieser Artikel ist allerdings nicht für Grafiker gedacht, die mit dem Gedanken spielen, auf Adobe InDesign umzusteigen, sondern für den interessierten Laien, dessen Bedürfnisse mit den Funktionalitäten einer herkömmlichen Textverarbeitung nicht abgedeckt werden. Einen gewissen Startvorteil bei der Verwendung von InDesign verschaffen rudimentäre Photoshop- bzw. Illustrator-Kenntnisse, da bei allen Adobe-Programmen eine ähnliche Benutzeroberfläche eingesetzt wird und sich viele Begriffe bzw. Werkzeuge in InDesign wiederfinden.

Wie die meisten neueren Softwareprodukte benötigt auch InDesign für den problemlosen Gebrauch einen gut ausgestatteten Rechner - laut Adobe sind die Mindestanforderungen unter Windows ein Pentium II-Prozessor mit 300 MHz und unter MacOS ein Power Macintosh 604 (besser ein G3). Als Betriebssystem ist zumindest Windows 98, NT 4.0 (ServicePack 4) oder MacOS 8.5 erforderlich. Um flott arbeiten zu können, sind 128 MB Arbeitsspeicher notwendig, für weniger Ungeduldige reichen aber auch 64 MB.

Der Einstieg in eine komplexe Welt

Der grundlegende Unterschied zwischen einem Textverarbeitungs- (z.B. MS-Word, StarOffice-Writer, WordPerfect) und einem Layoutprogramm (z.B. QuarkXPress, TeX, Adobe Pagemaker, Adobe Framemaker und natürlich auch Adobe InDesign) besteht darin, daß Layoutprogramme rahmenorientiert arbeiten, somit Texte und Grafiken meist zuerst in einen entsprechenden Rahmen geladen werden müssen und erst dann nach Belieben bearbeitet werden können.

Dies ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, bietet aber ein breites Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten - vor allem bei der Anordnung der einzelnen Rahmen, die miteinander verknüpft, ineinander verschachtelt oder gruppiert sein können und auch gemeinsam verschoben werden können. Rahmen müssen überdies nicht rechteckig, sondern können auch rund oder ellipsoid sein. Mittels dieser und frei wählbarer Rahmenformen ist es weiters möglich, den Textfluß variabel auszurichten - beispielsweise an der Kontur einer Grafik (vgl. Abb. 1).

Textfluss
Abb. 1: Beispiel für die Ausrichtung des Textflusses

Der Text kann innerhalb seines Rahmens wie gewohnt formatiert werden, wobei die typografischen Möglichkeiten aber weit über die eines Textverarbeitungsprogramms hinausgehen: Neben der Schriftart bzw. -größe und der Absatzausrichtung können auch das Kerning (der Abstand zwischen den einzelnen Zeichen), die Zeichenbreite und -höhe, die Zeilenhöhe und der Abstand zwischen den Absätzen gezielt beeinflußt werden.

InDesign-Spezialitäten

  1. Trotz der Rahmenorientierung kann Adobe InDesign - wie ein Textverarbeitungsprogramm - automatisch Inhaltsverzeichnisse und Indizes erstellen.
  2. Die Erstellung von Tabellen, in die auch Grafiken und weitere Tabellen integriert werden können, funktioniert im Gegensatz zu den meisten anderen Layoutprogrammen problemlos. Nur die Nachbearbeitung oder Korrektur bestehender Tabellenseiten gestaltet sich kompliziert; deswegen sollte man möglichst zuerst ein Konzept erstellen und danach erst die Umsetzung in Angriff nehmen. Bereits in MS-Word oder MS-Excel formatierte Tabellen lassen sich direkt importieren bzw. konvertieren.
  3. InDesign kann alle gängigen Grafik-Dateiformate (TIF, GIF, EPS, JPG, ...) importieren. Daher sollte der spätere Verwendungszweck des Dokuments (z.B. Druck, Veröffentlichung im WWW) ausschlaggebend für die Wahl des Dateiformats sein, wobei der InDesign-Hilfetext (unter Hilfe - InDesign-Hilfe) sehr ausführlichen Rat zu diesem Thema bietet.
  4. Ein Bild oder eine Grafik kann entweder frei plaziert werden (was in den meisten Fällen aber nicht zu empfehlen ist) oder innerhalb eines Bildrahmens, wobei man zwischen nahezu beliebigen Rahmenformen und -stärken wählen und zusätzlich innerhalb des gewünschten Rahmens skalieren kann. Für den Import von Grafiken sollte der Menüpunkt Datei - Platzieren verwendet werden, da er bei den meisten Dateitypen die höchste Unterstützung für Auflösung und Farbe gewährleistet. Die Methoden Drag & Drop bzw. Copy & Paste funktionieren in der Regel zwar auch, können aber Einbußen bei der Qualität mit sich bringen.
  5. Ein großer Vorteil von InDesign ist die enge Zusammenarbeit mit den anderen Programmen der Firma Adobe. So bleiben etwa programmeigene Dateiattribute (z.B. Transparenz) beim Import aus Illustrator oder Photoshop erhalten. Eine sogenannte Farb-Engine sorgt für gleichbleibende Farbtöne beim Wechsel zwischen den verschiedenen Adobe-Produkten. InDesign hat weiters eine eingebaute PDF-Library, um PDF-Dateien im Acrobat 4.0- oder Acrobat 5.0-Format ohne Qualitätsverlust direkt zu exportieren - damit entfällt der Umweg über den Acrobat Distiller.

Gefinkeltes aus dem Werkzeugkasten

  • Unbegrenztes Rückgängigmachen und Wiederholen von Aktionen
    Während die meisten Programme nur eine beschränkte Schrittzahl ermöglichen, läßt InDesign den Benutzer zu jeder seiner Aktionen navigieren.
  • Zoom-Vergrößerung von 5% auf 4000% über die Navigations-Palette
    Das Ein- bzw. Auszoomen kann vor allem bei der Bearbeitung von Grafiken oder bei Inkonsistenzen innerhalb von Schriftsätzen von erheblicher Bedeutung sein - wenn auch die äußersten Enden der Skala (5% bzw. 4000%) etwas übertrieben wirken.
  • Mehrere Musterseiten, die aufeinander basieren können
    Die Gestaltung von Musterseiten (inklusive Einbindung von Logos und speziell positionierten Bildern bzw. Überschriften) ist vor allem bei der Entwicklung von umfangreicheren Dokumenten wichtig, deren Seiten ein einheitliches Erscheinungsbild bieten sollen (z.B. Zeitschriften). Mit InDesign ist auch die Erstellung mehrerer Musterseiten, die aufeinander basieren können, und die Wahl zwischen den verschiedenen Vorlagen ohne erhöhten Aufwand möglich.
  • Vorschau-Modus
    Damit sich unliebsame Überraschungen beim Ausdruck eines Dokuments in Grenzen halten, kann man die nicht druckbaren Elemente wie Lineale, Raster und Rahmenkanten mit Klick auf das Symbol Vorschaumodus am unteren Rand der Werkzeugpalette einfach und rasch ausblenden. Einzelne nicht druckbare Elemente können mit der entsprechenden Option im Menü Ansicht (z.B. Ansicht - Hilfslinien) unsichtbar gemacht werden.
  • Preflight-Funktion
    Mittels Preflight-Funktion kann InDesign ein Dokument auf mögliche Fehler prüfen, die Probleme bei der Ausgabe verursachen könnten. Dabei werden Bilder im falschen Farbmodus ebenso gefunden wie fehlende Schriften (auch innerhalb von importierten EPS-Dateien). Nach Abschluß des Preflight-Vorgangs kann eine Datei "verpackt" werden, wobei sämtliche Bestandteile des Layouts (Schriften, Bilder, nicht eingebettete Schriften in EPS-Dateien) zusammengesucht werden. Bildverknüpfungen werden während des Verpackens aktualisiert, damit beim späteren Öffnen der Datei die Bilder nicht als unaktuell gemeldet werden.

Und die Moral von der Geschicht' ...

... ohne Aufwand geht es nicht! Der Lernaufwand hält sich in Grenzen, wenn man über Photoshop- bzw. Illustrator-Kenntnisse verfügt oder bereits mit Layoutprogrammen gearbeitet hat. Wenn man aber lediglich Erfahrungen im Umgang mit Textverarbeitungsprogrammen gesammelt hat und über keinerlei grafische Kenntnisse verfügt, kann der Umstieg auf InDesign mühsam erscheinen. Wie in vielen Bereichen des Lebens sollte man abwägen, ob das Ergebnis den Aufwand rechtfertigt und ob man bereit ist, sich grundlegende grafische Kenntnisse anzueignen, die für ein optimales Ergebnis unerläßlich sind.

Bei Wissenslücken braucht man jedenfalls nicht zu verzweifeln: Die Online-Hilfe von InDesign (unter Hilfe - InDesign-Hilfe, vgl. Abb. 1) ist extrem ausführlich und leicht verständlich formuliert.