Warum in die Ferne schweifen ...
Ein neuer FTP-Server für die Uni Wien

von Lukas Ertl & Andreas Pytlik (Ausgabe 02/2, Oktober 2002)

 

Tabelle: Die bekanntesten Webbrowser & ihre Bezugsquellen

 

Der FTP-Server FTP.UNIVIE.AC.AT zählt zu den ältesten Einrichtungen im Datennetz der Uni Wien: Er wurde bereits 1994 im Comment vorgestellt und bietet seither lokale Kopien (Mirrors) zahlreicher Softwarearchive zum Download an, damit diese nicht von weit entfernten Servern heruntergeladen werden müssen. In seiner Anfangszeit beherbergte der FTP-Server vor allem Software für DOS, MacOS, Novell und OS/2. Später kamen immer mehr Linux-Distributionen und Open Source-Produkte dazu, und auch Windows-Software gewann zusehends an Bedeutung.

So ist es nicht verwunderlich, daß der Speicherplatzbedarf am Server, der 1994 bei ca. 10 Gigabyte (für ca. 60 000 Dateien) lag, auf über 300 Gigabyte (für über 650 000 Dateien) angewachsen ist. Die Anzahl der erledigten Anfragen pro Tag ist von ca. 2000 auf rund 30 000 gestiegen. Das bedeutet natürlich auch, daß viel mehr Daten übertragen werden: 1994 lieferte der FTP-Server täglich 1 GB an Daten aus, heute liegt der Durchschnitt bei ca. 70 GB pro Tag (zu Spitzenzeiten, z.B. beim Erscheinen einer neuen Version einer Linux-Distribution, kann sich dieser Wert auch verdoppeln).

Es mag anachronistisch erscheinen, in einer Zeit, in der alle Welt von "High-Speed-Internet" spricht, einen lokalen FTP-Server zu betreuen (der ja sein Dasein darauf gründet, die früher sehr viel geringere internationale Bandbreite zu schonen). Dennoch ist es auch heute noch angenehm, wenn ein Softwarepaket, das man herunterladen möchte, quasi "um die Ecke" zu finden ist. Abgesehen davon sind viele Server, die das Original einer Software zum Download anbieten, beim Erscheinen einer neuen Version oft überlastet. Auch in diesem Fall ist es sinnvoll, einen lokalen Mirror zu verwenden, anstatt sich mit tausenden anderen um die Ressourcen des Originalservers zu streiten.

Deshalb hat sich der ZID entschlossen, das FTP-Service weiterhin zu betreiben und die etablierten Softwarearchive auch in Zukunft zu spiegeln. Allerdings war es notwendig, das Archiv zu entrümpeln, alte Hierarchien und Mirrors zu entfernen und dafür neue aufzunehmen. Auch neue Hardware mußte angeschafft werden, da die bisher verwendete IBM-Technologie zwar sehr gute Dienste leistete, aber für einen FTP-Server doch immens teuer ist - vor allem, wenn man berücksichtigt, daß das Datenvolumen noch erhöht werden soll.

Die Entscheidung fiel zugunsten der billigeren Intel-Architektur, die sich nun in Form eines Compaq-Servers mit 1133 MHz Rechenleistung, 1 GB RAM und einem RAID5-Festplattensubsystem mit über 650 GB Speicherplatz den zukünftigen Anforderungen stellen muß. Als Betriebssystem wird FreeBSD eingesetzt.

Software-Angebot

Bei der Zusammenstellung der am FTP-Server verfügbaren Software wurde diesmal versucht, einerseits Free- und Shareware-Archive für die meisten gängigen Betriebssysteme aufzunehmen und andererseits eigene Download-Bereiche für häufig gefragte Applikationen (z.B. Webbrowser und eMail-Klienten) zu schaffen. Auch das Angebot an Linux-Distributionen wurde erweitert.

Im Bereich Free- und Shareware wird nun von Tucows neben den Software-Archiven für Windows, Mac und Linux auch der PDA-Bereich angeboten (für Personal Digital Assistants mit den Betriebssystemen PalmOS, SymbianOS und PocketPC). Daneben gibt es natürlich noch immer die bewährten Archive von Simtelnet, WinSite, Info-Mac, Net-Wire, Leo und andere.

Im neu dazugekommenen Bereich Applikationen wurde darauf geachtet, Software für alle gängigen Desktop-Betriebssysteme aufzunehmen. Ein Schwerpunkt liegt auf den frei verfügbaren Webbrowsern auf Basis von Gecko, der Rendering Engine von Mozilla, die für die Interpretation bzw. Darstellung von Webseiten zuständig ist. (Das Mozilla-Projekt wurde im Jahr 1998 ins Leben gerufen, als sich Netscape entschloß, den Quelltext des Netscape Communicators der Open Source-Gemeinde zur Weiterentwicklung zu überlassen.)

Hier wäre einerseits Mozilla selbst, ein leistungsfähiger Webbrowser mit Mail-Klient und HTML-Editor für Windows, Linux, MacOS 9, MacOS X und viele weitere Betriebssysteme (siehe Abb. 1). Daneben gibt es den aktuellen Webbrowser von Netscape, der weitgehend Mozilla entspricht und zusätzlich einige Netscape-spezifische Funktionen eingebaut hat - z.B. den AOL Instant Messenger.

Abb. 1: Webbrowser Mozilla
Abb. 1: Webbrowser Mozilla

Zwei weitere Browser, Galeon für Linux und K-Meleon für Windows, verwenden ebenfalls die Gecko-Engine, bieten jedoch durch die Konzentration auf das Wesentliche (d.h. Webbrowser ohne Mail-Klient oder sonstige Zusatzprogramme) einige Vorteile bezüglich Arbeitsgeschwindigkeit und Schonung der Ressourcen. Einen Überblick über die wichtigsten Webbrowser und ihre Bezugsquellen finden Sie in der Tabelle am Ende dieses Artikels.

Ein anderes Vorzeigeprojekt des Open Source-Bereichs kann nun ebenfalls vom FTP-Server der Uni Wien heruntergeladen werden: Das Grafikbearbeitungsprogramm GIMP (General bzw. GNU Image Manipulation Program, siehe Abb. 2) bietet neben vielen anderen Funktionen das Arbeiten mit Ebenen und Kanälen, Alphakanäle für Transparenz, mehrstufiges Undo und Redo, skriptgesteuerte Funktionen, ein leistungsfähiges Plugin-System und Funktionen zur Erstellung von bewegten Grafiken. GIMP ist derzeit in Versionen für Windows und Unix (Linux) verfügbar.

Abb. 2: Grafikbearbeitungsprogramm GIMP
Abb. 2: Grafikbearbeitungsprogramm GIMP

Weitere nützliche Softwareprodukte, die am neuen FTP-Server der Uni Wien bereitstehen, sind z.B. der Mail-Klient Pegasus, der werbefinanzierte Webbrowser Opera, der SSH-Klient Putty und das Office-Paket OpenOffice (bestehend aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Vektorgrafik-Software, Präsentations-Software und HTML-Editor).

An Linux-Betriebssystemen sind jetzt neben den bereits bisher vorhandenen Mirrors von RedHat und Mandrake auch Mirrors von Slackware, Debian und SuSE verfügbar. Zusätzlich wurden auch einige Systeme aufgenommen, die auf bestimmte Aufgabenbereiche spezialisiert sind: ClosedBSD bietet die Funktionalität einer Firewall mit NAT (Network Address Translation) und läßt sich - so wie das Linux-Router-Projekt (das die Aufgaben eines Routers erfüllt) oder tomsrtbt (ein "Notfall-Linux" für Reparatur- und Administrationsaufgaben) - komplett auf einer einzigen Diskette unterbringen. DemoLinux wiederum verfügt über den vollen Funktionsumfang einer aktuellen Linux-Distribution und kann direkt von CD-ROM gestartet werden, ohne daß etwas auf die Festplatte installiert werden muß (siehe Abb. 3).

Abb. 3: DemoLinux
Abb. 3: DemoLinux

An weiteren Neuheiten sind noch zwei Software-Pakete zu erwähnen, die es beide ermöglichen, Unix-Werkzeuge auch unter Windows zu verwenden: Beim Projekt UnxUtils wurden die wichtigsten Kommandozeilen-Werkzeuge von Unix (tar, grep, sed, gzip usw.) direkt auf Windows portiert. Etwas weiter geht das Cygwin-Projekt, das mit Hilfe einer speziellen DLL (Dynamic Link Library) eine komplette Unix-Umgebung zur Verfügung stellt. Mit Cygwin ist es sogar möglich, einen X-Server und die entsprechenden Programme unter Windows zum Laufen zu bringen.

Wünsche, Anregungen, Beschwerden, ...

... richten Sie bitte per eMail an die Adresse FTP-ADMIN.ZID@UNIVIE.AC.AT. Im Rahmen des verfügbaren Speicherplatzes und bei entsprechender Nachfrage sind wir gerne bereit, unser Angebot zu erweitern.

Die bekanntesten Webbrowser & ihre Bezugsquellen

Browser

 

Betriebssystem

Download / Beschreibung

Beonex 0.8

 

Windows 32-Bit, Linux

http://www.beonex.com/communicator/
Weitgehend mit Mozilla identer Webbrowser mit eMail-Klient (POP und IMAP) und HTML-Editor. Beonex legt besonderes Augenmerk auf Security und Privacy.

Chimera 0.5

 

MacOS X

http://chimera.mozdev.org/installation.html
Auf Mozilla basierender Webbrowser, der speziell an die Oberfläche von MacOS X (Cocoa) angepaßt ist.

Galeon 1.2.5

 

Linux/Unix (Gnome)

ftp://ftp.univie.ac.at/applications/galeon/
http://galeon.sourceforge.net/download/
Schneller, auf Mozilla basierender Webbrowser, der speziell an die Oberfläche Gnome angepaßt ist und einige nützliche zusätzliche Funktionen bietet. Galeon benötigt zur Installation die Mozilla-Libraries.

iCab 2.8.1

 

MacOS 7/8/9, MacOS X

http://www.icab.de/download.html
Ressourcenschonender Webbrowser mit umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten.

Internet Explorer 6.0

 

Windows 98, ME, NT (SP6), 2000, XP

http://www.microsoft.com/windows/ie/downloads/ie6/
Webbrowser von Microsoft.

Internet Explorer 5.5 (SP2)

 

Windows 95

http://www.microsoft.com/windows/ie/downloads/archive/
Webbrowser von Microsoft.

Internet Explorer 5.x

 

MacOS 8/9, MacOS X

http://www.microsoft.com/mac/download/#IE
Webbrowser von Microsoft.

Kmeleon 0.6

 

Windows 32-Bit

ftp://ftp.univie.ac.at/applications/kmeleon/
http://kmeleon.sourceforge.net/download.php
Schneller und ressourcenschonender, auf Mozilla basierender Webbrowser. Kmeleon kann mit Hilfe von Makros weitgehend an die eigenen Anforderungen angepaßt werden.

Links 0.9x

 

Linux/Unix, MacOS X, BeOS, OS/2

http://links.sourceforge.net/
Kleiner, flinker Webbrowser für den Textmodus, der auch Frames und Tabellen darstellen kann.

Lynx 2.8.x

 

DOS, Windows 32-Bit, Linux/Unix

http://lynx.isc.org/current/
Kleiner, flinker Webbrowser für den Textmodus.

Mozilla 1.0, 1.1

 

Windows 32-Bit, Linux/Unix, BeOS, MacOS 8/9, MacOS X, OS/2 usw.

ftp://ftp.univie.ac.at/applications/mozilla/
http://www.mozilla.org/
Mächtiger Open Source-Webbrowser mit eMail-Klient (POP und IMAP) und HTML-Editor.

Netscape 6.2.3, 7.0

 

Windows 32-Bit, Linux, MacOS 8/9, MacOS X

ftp://ftp.univie.ac.at/applications/netscape/
http://browsers.netscape.com/browsers/
Weitgehend mit Mozilla identer Webbrowser mit eMail-Klient (POP und IMAP) und HTML-Editor. Netscape veröffentlicht neue Versionen in längeren Abständen als Mozilla, paßt diese jedoch speziell an die Bedürfnisse von Endbenutzern an.

Opera 5.0 bzw. 6.0x

 

Windows 32-Bit, Linux, MacOS 8/9, MacOS X

ftp://ftp.univie.ac.at/applications/opera/
http://www.opera.com/
Ressourcenschonender Webbrowser mit eMail-Klient (nur POP). In der kostenlosen Variante werden in einem Fenster Werbe-Einblendungen dargestellt.

w3m 0.1.10

 

Linux/Unix

http://www.w3m.org/
Kleiner, flinker Webbrowser für den Textmodus, der auch Frames und Tabellen darstellen kann. Ermöglicht das lokale Ausführen von CGI-Scripts (d.h. auch ohne Webserver).