Bunter, schöner, besser

von Elisabeth Zoppoth & Barbara Schwindl (Ausgabe 02/1, März 2002)

 

Aufmerksame Comment-Leser haben vielleicht bemerkt, daß zum Thema "Bilder im WWW" in den beiden letzten Ausgaben jeweils ein Artikel erschienen ist: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte ...beschäftigt sich mit der optimalen Speicherung von Bildern, die im WWW veröffentlicht werden sollen, und im Beitrag Digitale Wasserzeichen: Copyright im Web wird gezeigt, wie man Bilddateien mit einem Copyright-Vermerk versehen kann.

Diesmal geht es zurück an den Start: Der folgende Artikel befaßt sich mit Farbkorrekturen - also mit einem Arbeitsschritt, der gegebenenfalls vor dem Signieren und Speichern eines Bildes erfolgen muß. Wie in den beiden vorangegangenen Beiträgen wird dies anhand des Bildbearbeitungsprogramms Adobe Photoshop 6.0 beschrieben, das für Institute der Uni Wien als Standardsoftware erhältlich ist und auch in den PC-Räumen der Universität verwendet werden kann.

Falsche Farben - oder was?

Wenn man sich heute im WWW umsieht, entdeckt man relativ wenige Seiten, die nur aus Text bestehen. Professionelle Webdesigner arbeiten gern mit Multimedia-Elementen, um möglichst eindrucksvolle Seiten zu schaffen, und auch bei privaten Homepage-Gestaltern hat sich offenbar die Ansicht durchgesetzt, daß eine Webseite ohne Bilder langweilig wirkt.

Die Erkenntnis, daß Fotos nur bei entsprechender Bildqualität tatsächlich zur Verschönerung einer Seite beitragen können, ist leider nicht ganz so verbreitet: Im Web trifft man immer wieder auf unter- oder überbelichtete, kontrastarme oder farbstichige Fotos - obwohl moderne Bildbearbeitungsprogramme verschiedenste Möglichkeiten bieten, um die Farbwerte eines Bildes zu optimieren. Bei Adobe Photoshop 6.0 reicht das Spektrum der Farbkorrektur-Werkzeuge von Funktionen wie Auto Kontrast und Auto-Tonwertkorrektur, die alle erforderlichen Änderungen vollautomatisch erledigen, bis hin zu den Gradationskurven, deren Handhabung derart gewöhnungsbedürftig ist, daß die Anleitungen und Tips dazu ganze Bücher füllen.

Für professionelle Anwender beginnen erfolgreiche Farbkorrekturen beim Farbmanagement des Computers; das ist allerdings ein höchst komplexes Thema, das im Rahmen dieses Artikels nicht einmal ansatzweise behandelt werden kann. Nur soviel: Wenn die Bilder für das WWW bestimmt sind, sollte man im Photoshop-Menü Bearbeiten unter Farbeinstellungen ganz oben bei Einstellung die Option Standard für Web-Grafiken auswählen.

Als Laie verbringt man zunächst einige Zeit damit, seinen Blick entsprechend zu schulen - jemand, der sich bisher nie damit beschäftigt hat, wird kaum auf Anhieb die Schwachstellen eines Bildes identifizieren können. Das Programm Photoshop bietet dafür aber eine sehr nützliche Orientierungshilfe: Klickt man im Menü Bild auf den Punkt Histogramm, so erhält man eine genaue Analyse aller vorhandenen Bildpunkte ("Pixel"). Die Verteilung der Helligkeitswerte wird anhand einer Kurve dargestellt (siehe Abb. 2) - links die dunklen Bildpunkte ("Tiefen"), rechts die hellen Bildpunkte ("Lichter"), dazwischen die Mitteltöne. Ist die Kurve z.B. stark linkslastig und läuft rechts flach aus, so ist das Foto vermutlich unterbelichtet (und umgekehrt). Das Histogramm eines kontrastarmen Bildes zeigt alle Pixel im mittleren Bereich; an den Rändern sind bestenfalls schmale Streifen zu sehen.

Zusätzlich findet man in der Auswahlliste Kanal ein eigenes Histogramm für jeden Farbkanal des Bildes - beispielsweise werden bei Bildern im RGB-Farbmodus (der im Web zum Einsatz kommt) auch die Helligkeitswerte der Rot-, Grün- und Blauanteile berechnet. Das Histogramm-Fenster ist rein informativ; man kann hier lediglich durch Klick auf OK bestätigen, daß man die Bildanalyse zur Kenntnis genommen hat. Derselben Kurve begegnet man aber auch im Dialogfenster Tonwertkorrektur - allerdings mit dem Unterschied, daß dort Änderungen möglich sind (siehe Abschnitt Zum Tüfteln).

Ein Spezialfall sind Bilder, die den Modus Indizierte Farben verwenden: Dabei wird die Farbpalette auf 256 Farben beschränkt; infolgedessen zeigt das Histogramm nur 256 Balken an den jeweiligen Stellen der Farbtonskala und wirkt entsprechend "zerrissen". Da bei Bildern mit indizierten Farben auch die Funktion Variationen (siehe Abschnitt Zum Aufwärmen) nicht verwendet werden kann, ist es ratsam, in diesen Fällen den Farbmodus über das Menü Bild - Modus auf RGB-Farbe zu ändern.

Zum Schnuppern ...

... empfiehlt es sich, ein offensichtlich verbesserungswürdiges Foto zu öffnen und im Menü Bild unter dem Punkt Einstellen (hier findet man alle Optionen für die Farbkorrektur) den Auto Kontrast bzw. die Auto-Tonwertkorrektur aufzurufen. Die wichtigsten Änderungen werden dann auf Basis des Histogramms automatisch durchgeführt. Auch wenn das Ergebnis dem Vergleich mit einer manuellen Farbkorrektur meistens nicht standhalten kann, eignen sich diese beiden Funktionen gut, um festzustellen, inwiefern sich das Bild durch eine Nachbearbeitung optimieren läßt. Falls man von den automatischen Korrekturen nicht überzeugt ist, kann man sie einfach mittels Bearbeiten - Widerrufen rückgängig machen.

Zum Aufwärmen

Für die ersten eigenhändigen Versuche wählt man am besten im Menü Bild - Einstellen die Option Variationen. Man erhält nun ein Fenster mit vielen kleinen bunten Bildern (siehe Abb. 1). Links oben in diesem Fenster kann man das Originalbild mit der jeweils aktuellen Version vergleichen. Rechts daneben gibt man an, ob die Änderungen an den Mitteltönen des Bildes (Standardeinstellung), an den Tiefen oder an den Lichtern durchgeführt werden sollen. Wählt man hier die Option Sättigung, kann man auch die Intensität der Farben manipulieren. Die Genauigkeit der einzelnen Korrekturschritte (Fein bis Grob) läßt sich mit Hilfe des Schiebereglers definieren, wobei jeder Markierungsstrich eine Verdoppelung der Korrekturstärke bedeutet. Eine zusätzliche Hilfe bietet die Option Beschneidung zeigen: Sie bewirkt - allerdings nur bei Änderungen an den Tiefen oder Lichtern des Bildes - eine neonfärbige Markierung jener Bereiche, die durch die jeweilige Korrektur in reines Schwarz bzw. Weiß verwandelt werden.

Abb. 1: Dialogfenster Variationen
Abb. 1: Dialogfenster Variationen

Am rechten Fensterrand wird neben der aktuellen auch eine hellere und eine dunklere Variante des Bildes angezeigt. Klickt man hier z.B. auf das hellere Bild, so springt dieses in die Mitte, und oben erscheint an seiner Stelle eine noch hellere Version. Der größte Bereich des Fensters funktioniert nach demselben Prinzip: Auch hier befindet sich das aktuelle Bild in der Mitte; rundherum sind in einem sogenannten "Farbkreis" die Variationen angeordnet, die entweder mehr Grün, Gelb, Rot, Magenta, Blau oder Cyan enthalten. Man klickt nun solange auf die jeweils gefälligste Version des Bildes, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Diese Prozedur führt man - falls erforderlich - anschließend auch noch für die Tiefen und/oder die Lichter des Bildes durch. Will man bei mehreren Fotos genau dieselben Korrekturen vornehmen, so kann man die Änderungen mittels Sichern unter einem beliebigen Namen speichern und dann mittels Ladenjederzeit wieder anwenden.

Die Variationen-Funktion von Photoshop ist zwar für Anfänger sehr bequem zu handhaben, für einen echten "Feinschliff" aber kaum geeignet bzw. zu umständlich. Außerdem sind die Bilder leider nur als Miniaturen sichtbar - erst nach dem Klick auf OK erscheint die Datei wieder in der ursprünglichen Größe. Falls man dann feststellt, daß die Änderungen mißglückt sind, kann man sie aber mittels Bearbeiten - Widerrufen verwerfen und einen neuen Anlauf starten.

Zum Tüfteln

Photoshop verfügt über sehr ausgefeilte Werkzeuge für manuelle Farbkorrekturen, die sich auch durchaus kombinieren lassen. Es hat allerdings keinen Sinn, die verfügbaren Funktionen einfach der Reihe nach anzuwenden und dabei wahllos an allen Knöpfen zu drehen. Beispielsweise sollte man vermeiden, sowohl Helligkeit/Kontrast als auch die Tonwertkorrektur zu benutzen. Die Farbbalance kann hingegen mit beiden kombiniert werden, die Selektive Farbkorrektur und Farbton/Sättigung werden in den meisten Fällen gar nicht benötigt, und die Gradationskurven ersetzen theoretisch alle anderen Werkzeuge.

Wenn man einigermaßen professionell arbeiten will, braucht man aber zwei weitere Photoshop-Hilfsmittel: das Farbaufnahme-Werkzeug und die Einstellungsebenen. Diese sollen daher noch vor den wichtigsten Farbkorrektur-Funktionen kurz vorgestellt werden.

Farbe auf allen Ebenen

Mit dem Farbaufnahme-Werkzeug ist es möglich, sowohl die ursprünglichen als auch die korrigierten Farbwerte eines beliebigen Bildpunktes anzeigen zu lassen. Dazu klickt man in der Werkzeug-Palette auf den winzigen schwarzen Pfeil unterhalb der Pipette. Daraufhin öffnet sich ein kleines Fenster, in dem man das Farbaufnahme-Werkzeug (die Pipette mit dem Ringerl links oben) markiert. In der Auswahlliste Aufnahmebereich oberhalb des Bildes wählt man in der Regel die Option 3 x 3 Pixel Durchschnitt. Nun klickt man im Bild auf den gewünschten Bereich - bei farbstichigen Bildern z.B. auf einen Punkt, der eigentlich Grau sein sollte. Dieser wird daraufhin markiert und numeriert, und die dazugehörigen Farbwerte erscheinen in der Informationen-Palette (siehe Abb. 2). Die Farbaufnehmer - maximal vier pro Bild - kann man einfach mit der Maus verschieben bzw. zum Löschen aus dem Bild ziehen (andernfalls werden sie mit dem Bild gespeichert).

tonwertkorrektur
Abb. 2: Arbeiten mit Farbaufnehmern und Anzeigen der Farbwerte in der Informationen-Palette (die linke Zahl bezeichnet den Originalwert, die rechte den korrigierten Farbwert);rechts: dasselbe Bild nach der Tonwertkorrektur; darunter: die dazugehörigen Histogramme

Das Farbaufnahme-Werkzeug leistet bei den meisten Farbkorrektur-Funktionen gute Dienste. Man benötigt es aber auch, um einen Farbabgleich zwischen mehreren Fotos durchzuführen, die zwar einen identischen Bildbestandteil, aber unterschiedliche Farben aufweisen (z.B. aufgrund der Belichtung): Um eigenartige Effekte zu vermeiden, sollte man mit Hilfe eines Farbaufnehmers dem gemeinsamen Bestandteil in jedem Bild dieselben Farbwerte zuweisen, bevor man solche Fotos gesammelt präsentiert.

Weil eine manuelle Farbkorrektur möglicherweise nicht beim ersten Versuch optimal gelingen wird, ist es außerdem ratsam, für jede geplante Bildveränderung zuerst über das Menü Ebene und den Punkt Neue Einstellungsebene eine neue Ebene anzulegen, in der die Modifikationen durchgeführt werden. Das hat mehrere Vorteile: Erstens wandert das Originalbild in die Hintergrund-Ebene und bleibt dadurch unverändert. Zweitens kann man die neue Ebene mit verschiedenen Eigenschaften versehen - z.B. einen Namen vergeben oder Farbe, Modus und Deckkraft wählen. Und drittens ist es möglich, mit dem Augen-Symbol in der Ebenen-Palette jede Ebene ein- und auszublenden. Dadurch werden die Unterschiede zur Ausgangssituation (bzw. zu einem anderen Stadium der Nachbearbeitung) schnell sichtbar. Wenn die Änderungen mißglücken, löscht man einfach die jeweilige Einstellungsebene; das Originalbild und alle anderen Ebenen bleiben erhalten.

Helligkeit/Kontrast

Wählt man unter Ebene - Neue Einstellungsebene den Punkt Helligkeit/Kontrast, so erhält man ein Dialogfenster, in dem man mit Hilfe von zwei Schiebereglern die Helligkeit und/oder den Kontrast des Bildes entweder erhöhen (nach rechts) oder verringern kann (nach links). Die Option Vorschau sorgt dafür, daß die Auswirkungen der Modifikationen sofort in der geöffneten Datei angezeigt werden.

Die Funktion Helligkeit/Kontrast ist leicht zu bedienen und in vielen Fällen durchaus geeignet, die Bildqualität zu verbessern. Die Änderungen werden dabei allerdings auf das gesamte Bild gleichmäßig angewendet; für gezielte Korrekturen an bestimmten Bildbereichen (z.B. nur die Tiefen aufhellen) benötigt man feinere Werkzeuge.

Tonwertkorrektur

Im Dialogfenster (Ebene - Neue Einstellungsebene -) Tonwertkorrektur kann man die Farbwerte eines Bildes bereits massiv beeinflussen. Wie schon erwähnt, wird auch in diesem Dialogfenster das Histogramm angezeigt, das die Verteilung der Helligkeitswerte im Bild darstellt: links die Tiefen, rechts die Lichter, dazwischen die Mitteltöne. Zusätzlich findet man unter dem Histogramm einen Balken namens Tonwertumfang. Dieser umfaßt das gesamte Farbspektrum von 0 (schwarz) bis 255 (weiß) und sollte in der Regel auch so belassen werden. Oberhalb des Histogramms kann man den Kanal auswählen: Beispielsweise RGB (für das gesamte Bild), Rot (nur für die Rotanteile der Farben), Grün (die Grünanteile) und Blau (die Blauanteile). Rechts unten befindet sich die Option Vorschau, die auch hier unbedingt aktiviert sein sollte.

Darüber sind drei kleine Pipetten-Symbole zu sehen, die eine sehr einfache Methode der Tonwertkorrektur ermöglichen: Mit der linken, schwarzgefüllten Pipette klickt man auf die dunkelste Stelle des Bildes, mit der rechten, weißgefüllten Pipette definiert man den sogenannten "Weißpunkt", und mit der mittleren wählt man nach Möglichkeit einen (theoretisch) neutralen Grauwert aus. Hat man diese drei Schritte durchgeführt, haben sich Bild und Histogramm üblicherweise schon merklich verbessert (oder zumindest verändert - bei schwerwiegenden Irrtümern hilft Bearbeiten - Widerrufen).

Alternativ dazu kann man auch die einzelnen Kanäle der Reihe nach durchgehen und die Kurven händisch manipulieren (den RGB-Kanal hebt man sich dabei bis zum Schluß auf): Wenn sich die Kurve vom linken bis zum rechten Rand erstreckt, sollten sich auch die beiden seitlichen Regler darunter ganz am Rand befinden. Bei unterbelichteten Bildern bricht die Kurve zu früh ab; in diesem Fall muß der rechte (weiße) Regler nach links bis an das Ende der Kurve geschoben werden. Analog dazu wird bei Bildern, die die Tiefen vermissen lassen, der linke (schwarze) Regler nach rechts an den Beginn der Kurve bewegt. Bei kontrastarmen Bildern sind möglicherweise alle Pixel im mittleren Bereich zu finden; in diesem Fall müssen beide Regler nachjustiert werden (siehe Abb. 3). Dieser Vorgang wird von der Auto-Tonwertkorrektur bzw. durch einen Klick auf die Schaltfläche Auto im Dialogfenster Tonwertkorrektur automatisch durchgeführt.

Abb. 3: Dialogfenster Tonwertkorrektur
Abb. 3: Dialogfenster Tonwertkorrektur

Egal ob man nun die Pipetten, die seitlichen Regler oder die Auto-Funktion verwendet hat - meistens braucht man auch noch den mittleren (grauen) Regler des Histogramms. Damit kann man im RGB-Kanal die Helligkeit des Bildes definieren: Um das Bild aufzuhellen, schiebt man ihn nach links, um es abzudunkeln nach rechts. In den einzelnen Farbkanälen beeinflußt der mittlere Regler die Farbwerte der Pixel. Wenn man beispielsweise im Rot-Kanal den mittleren Regler nach links bewegt, werden in allen Pixeln die Rotanteile erhöht; schiebt man ihn nach rechts, werden die Rotanteile verringert. Dieser Regler eignet sich recht gut, um ein farbstichiges Bild zu korrigieren. Für ein optimales Ergebnis muß man allerdings oft zusätzlich noch mit der Funktion Farbbalance experimentieren.

Hat man die Tonwertkorrektur - wie oben beschrieben - in einer eigenen Einstellungsebene vorgenommen, kann man diese nun über die Ebenen-Palette ausblenden. Im Vergleich mit dem Original wird dann meistens schnell klar, daß sich der Aufwand gelohnt hat.

Mehr Farben

Für Perfektionisten bietet Photoshop noch weitere Möglichkeiten, die Farbtöne eines Bildes zu modifizieren. Die Farblosigkeit des Comment verhindert zwar eine anschauliche Darstellung dieser Werkzeuge; dennoch sollen die wichtigsten davon zumindest kurz erwähnt werden.

Die Funktion Farbbalance (siehe Abb. 4) sorgt - wie der Name sagt - für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den einzelnen Farben. Wie bereits bei der Funktion Variationen können auch bei der Farbbalance die Tiefen, die Lichter und die Mitteltöne eines Bildes separat eingestellt werden. Dies geschieht mit Hilfe von drei Schiebereglern, die sich anfangs jeweils in der Mitte zwischen zwei Farben befinden (Cyan-Rot, Magenta-Grün, Gelb-Blau). Verschiebt man nun z.B. den zweiten Regler nach links, werden die Magentawerte des Bildes auf Kosten der Grünwerte erhöht. Welche Farben zu korrigieren sind, ermittelt man, indem man das Farbaufnahme-Werkzeug in einem Bildbereich plaziert, der eigentlich grau sein sollte: Ein neutraler Grauton muß für Rot, Grün und Blau jeweils denselben Farbwert aufweisen (z.B. 120/120/120); bei Abweichungen ist das Bild farbstichig und die entsprechende Farbe muß reduziert werden.

Abb. 4: Dialogfenster Farbbalance

 

Die Funktion Selektive Farbkorrektur (siehe Abb. 5) geht noch einen Schritt weiter: Damit kann für alle Farbtöne des Bildes (Rot-, Gelb-, Grün-, Cyan-, Blau-, Magenta- und Grautöne sowie Weiß und Schwarz) der Cyan-, Magenta-, Gelb- und Schwarz-Gehalt verändert werden. So lassen sich z.B. gezielt rote Nasen neutralisieren, ohne die andersfarbigen Bereiche des Bildes zu beeinflussen.

Abb. 5: Dialogfenster Selektive Farbkorrektur

 

Und schließlich hat man noch die Möglichkeit, im Dialogfenster Farbton/Sättigung (siehe Abb. 6) für alle Farbtöne separat den Farbton, die Sättigung und die Lab-Helligkeit zu bestimmen - was mitunter an Bildern, bei denen alle anderen Funktionen versagen, doch noch erstaunliche Verbesserungen bewirken kann. In diesem Fenster findet man auch die Option Färben, mit der sich das Bild in einem beliebigen Ton einfärben läßt.

Abb. 6: Dialogfenster Farbton/Sättigung

 

Zum Verzweifeln

Wer von sich behaupten möchte, ein Photoshop-Profi zu sein, wird nicht umhin können, sich mit der Funktion Gradationskurven auseinanderzusetzen. Wie anfangs erwähnt, sind zu diesem Thema ganze Bücher geschrieben worden, und man kann davon ausgehen, daß die ersten eigenen Experimente mit Gradationskurven nicht besonders produktiv, aber zweifellos interessant sein werden.

Unter Ebene - Neue Einstellungsebene - Gradationskurven erwartet einen neben Bekanntem (z.B. die Kanal-Auswahlliste, die Optionen Vorschau und Auto sowie dieselben drei Pipetten wie bei der Tonwertkorrektur; siehe Abb. 7) auch ein harmlos aussehender, quadratischer Raster mit einer diagonalen Linie, die sich von links unten nach rechts oben erstreckt. Den Raster kann man entweder mit einer Unterteilung von 4x4 oder von 10x10 Feldern anzeigen lassen; um die Ansicht zu wechseln, klickt man mit gedrückter <Alt>-Taste ins Diagramm. Auf der horizontalen Achse liegen die ursprünglichen Farbwerte des Bildes von 0 bis 255 ("Eingabewerte"), auf der vertikalen die korrigierten ("Ausgabewerte"). In der Standarddiagonalen sind jedem Punkt auf der Farbtonskala dieselben Ein- und Ausgabewerte zugeordnet.

Abb. 7: Dialogfenster Gradationskurven mit korrigierter Kurve im Rot-Kanal

 

Im wesentlichen (und im RGB-Kanal) funktioniert das ganze nun folgendermaßen:

  • Der Punkt links unten repräsentiert die dunkelsten Pixel des Bildes. Bewegt man ihn nach oben, werden die Tiefen aufgehellt - der Farbumfang wird eingeschränkt, Schwarz verwandelt sich in Dunkelgrau. Schiebt man den linken Punkt nach rechts, werden die Tiefen "geschwärzt", sodaß sich die dunklen Bildbereiche immer mehr vergrößern.
  • Analog dazu steht der Punkt rechts oben für die hellsten Pixel des Bildes. Wenn man ihn nach unten schiebt, schränkt man den Farbumfang bei den Lichtern ein - Weiß wird zu Hellgrau. Zieht man ihn nach links, hellt man die Lichter weiter auf, und die hellen Bereiche des Bildes weiten sich aus.
  • Daher ist der Kontrast umso schwächer, je flacher die Linie ist (ist sie waagrecht, erhält man eine monochrome graue Farbfläche), und umso stärker, je steiler sie ist.
  • Durch einen einfachen Mausklick auf die Mitte der Linie erhält man einen weiteren Punkt. Schiebt man diesen nach oben, wird aus der Linie endlich eine Kurve; außerdem werden die Mitteltöne aufgehellt. Bewegt man ihn nach unten, werden die Mitteltöne abgedunkelt.
  • Auf diese Weise kann man bis zu sechzehn Punkte entlang der Kurve definieren und an jedem einzelnen davon nach Belieben ziehen und zerren. Dadurch lassen sich einerseits abenteuerliche Ergebnisse bewirken; andererseits kann man damit aber auch gezielt bestimmte Farbbereiche korrigieren, indem man mit Hilfe des Farbaufnahme-Werkzeugs den gewünschten Bereich durch zwei Punkte fixiert und dann einen dazwischenliegenden dritten Punkt verschiebt (siehe Punkte sammeln).

Befindet man sich nicht im RGB-, sondern in einem Farbkanal (z.B. Rot), ist die Sachlage ähnlich:

  • Schiebt man den linken Punkt nach oben, wird das Rot heller.
  • Schiebt man den rechten Punkt nach unten, wird das Rot dunkler.
  • Schiebt man den linken Punkt nach rechts, werden die Rotanteile verringert.
  • Schiebt man den rechten Punkt nach links, werden die Rotanteile erhöht.
  • Eine nach unten gewölbte Kurve entfernt das Rot aus den Mitteltönen.
  • Eine nach oben gewölbte Kurve "rötet" die Mitteltöne.

Im Gegensatz zur Tonwertkorrektur, mit der sich nur drei Variablen - Tiefen, Lichter, Mitteltöne - korrigieren lassen, kann man mit Hilfe der Gradationskurven jeden beliebigen Punkt der Farbtonskala gezielt verändern. Die gewünschten Bereiche definiert man mit dem Farbaufnahme-Werkzeug.

Punkte sammeln

Zuerst werden die Farbaufnehmer plaziert; dann ruft man das Dialogfenster Gradationskurven auf und klickt mit gedrückter<Strg>-Taste (bei Macs: "Apfel"-Taste) in den gewünschten Farbaufnehmer im Bild. Der entsprechende Punkt wird auf der Kurve markiert. Wenn man sich in einem Farbkanal befindet, kann man den Punkt auch in allen Farbkanälen gleichzeitig (nicht im RGB-Kanal!) markieren lassen, indem man zusätzlich zur <Strg>-Taste auch die <Shift>-Taste gedrückt hält.

Verliert man bei zu vielen Markierungspunkten auf der Kurve die Orientierung, so genügt es, nochmals mit der Maus in einen Farbaufnehmer zu klicken und das Diagramm im Auge zu behalten: Der dazugehörige Punkt wird kurz hervorgehoben. Dasselbe geschieht auch, wenn man mit der Pipette eine beliebige Stelle im Bild anklickt; hält man dabei die <Strg>-Taste gedrückt, wird auf der Kurve ein weiterer Steuerpunkt hinzugefügt. Man hat also jederzeit die Möglichkeit, weitere Korrekturbereiche zu definieren. Nicht mehr benötigte Punkte werden einfach angeklickt und dann durch Drücken der <Entf>-Taste gelöscht.

Die Gradationskurven eines verbesserungswürdigen Bildes in die ideale Form zu bringen, erfordert Augenmaß und vor allem viel Übung. Man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn die ersten Ergebnisse eher überraschend als brauchbar ausfallen - früher oder später hat man im wahrsten Sinne des Wortes "den Bogen heraus". Wenn man dann im Umgang mit Gradationskurven schon sehr versiert ist, kann man die Ausgabewerte auch direkt in das entsprechende Feld unter dem Diagramm eintragen oder das kleine Bleistift-Symbol verwenden, um die gewünschte Kurve freihändig zu zeichnen (anschließend empfiehlt sich die Schaltfläche Glätten).

Zum Abrunden

Nach einer erfolgreichen Farbkorrektur kann man seinem Werk - falls erforderlich - mit einer der zahllosen Filterfunktionen von Photoshop den letzten Schliff geben. Diese findet man im Menü Filter, wobei hier vor allem die Bereiche Scharfzeichnungsfilter (z.B. Unscharf maskieren), Störungsfilter (z.B. Staub & Kratzer entfernen) und Weichzeichnungsfilter interessant sind. In vielen Fällen kann das Bild durch einige Experimente mit diesen Filtern weiter verbessert werden; andernfalls macht man einfach mittels Abbrechen oder Bearbeiten - Widerrufen alles wieder ungeschehen.