Apple meets Unix
MacOS X

von Edwin Cikan (Ausgabe 01/3, Oktober 2001)

 

MacOS X (X steht für 10) ist ein neues Betriebssystem für die PowerMacs von Apple, das seit März 2001 erhältlich ist und das bisher verwendete MacOS 9 ersetzen soll. Apple verfolgt mit MacOS X das Ziel, die immer leistungsfähigere Hardware besser auszunutzen und ein modernes, ausbaufähiges System zu etablieren, und setzt dabei auf eine Kombination von neuen und bewährten Technologien. Das Ergebnis (siehe Abb. 1) hat mit MacOS 9 nicht mehr allzu viel gemeinsam, ermöglicht aber dennoch einen gleitenden und "schmerzlosen" Umstieg:

Abb. 1: Systemkomponenten von MacOS X
Abb. 1: Systemkomponenten von MacOS X
  • Als Unterbau ("Core Operating System") von MacOS X dient das Open Source-Betriebssystem Darwin, das auf der Unix-Variante BSD basiert. Darwin ist ein eigenständiges Betriebssystem und kann sowohl auf Apple-Hardware als auch auf x86-Systemen benutzt werden, z.B. in Kombination mit von Linux bekannten Benutzeroberflächen wie KDE. Für Darwin sind bereits viele Software-Produkte erhältlich, die von diversen anderen Unix-Varianten portiert wurden.
  • Die Bildschirmausgabe namens Quartz basiert auf PDF. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, daß man in den meisten Anwendungsprogrammen sehr leicht über das Druckmenü PDF-Dokumente erstellen kann (siehe auch Artikel Adobe Acrobat 5.0).
  • Die grafische Benutzeroberfläche Aqua orientiert sich weitgehend am "klassischen" MacOS, wurde aber vollständig überarbeitet und neu gestaltet. Sie sorgt dafür, daß Apple-Benutzer auch unter MacOS X den gewohnten Bedienungskomfort vorfinden.
  • Für Administratoren und Unix-Kenner ist die gesamte Unix-Funktionalität (mittels Terminal) verfügbar. Diese wird allerdings im "Normalbetrieb" nicht benötigt und kann bei der Installation des Betriebssystems auch weggelassen werden.
  • Programme für MacOS, die noch nicht an das neue Betriebssystem angepaßt wurden, können in der sogenannten Classic-Umgebung verwendet werden (siehe Abb. 2). Die Classic-Umgebung - ein vollwertiges MacOS 9.x mit QuickDraw-Bildschirmausgabe und Platinum-Benutzeroberfläche - wird einfach unter MacOS X wie ein Programm gestartet.
  • Das Apple-Dateisystem HFS+ wurde beibehalten. Daher können MacOS X-Rechner problemlos in "gemischten" Netzwerken mit älteren MacOS-Systemen Daten austauschen oder gemeinsam nutzen. Es ist auch möglich, MacOS X auf einer UFS-Partition zu betreiben; allerdings kann die Classic-Umgebung darauf nicht zugreifen.
Benutzeroberfläche von MacOS X
Abb. 2: Benutzeroberfläche von MacOS X; das Programm MS-Word läft unter der Classic-Umgebung

Voraussetzung für einen Umstieg auf MacOS X ist die passende Apple-Hardware: Geeignet sind ausschließlich Geräte vom Typ PowerMac G3 oder G4, G4 Cube, iMac, iBook und PowerBook G3 oder G4 (außer das Original PowerBook G3 vom November 1997, "Kanga"). Der Rechner sollte über mindestens 128 MB Arbeitsspeicher und 1,5 GB freien Festplattenspeicher verfügen.

Nicht zuletzt aus finanziellen Gründen (Kosten für Hardware, neues Betriebssystem, Updates von Anwendungsprogrammen) werden noch längere Zeit viele ältere Apple-Rechner in Verwendung sein. Benutzer von bestehenden Apple-Systemen, die Spezialsoftware oder -hardware (z.B. Meß- oder Laborgeräte) einsetzen, sollten sich vor der Umstellung auf das neue Betriebssystem jedenfalls vergewissern, ob die nötigen Treiber für MacOS X schon verfügbar sind. Alle neuen Apple-Rechner werden bereits seit einiger Zeit mit MacOS X ausgeliefert, sodaß spätestens mit der Anschaffung neuer Hardware auch ein Umstieg auf das neue Betriebssystem ins Haus steht.

Die technischen Verbesserungen von MacOS X sollen eingefleischten Apple-Benutzern die Umstellung versüßen. Apple wird nun aber auch interessant für alle, die einerseits die vielfältigen Möglichkeiten von Unix brauchen und andererseits auf eine integrierte Benutzeroberfläche und Standardsoftware (z.B. Microsoft- oder Adobe-Produkte) Wert legen.

Was bietet MacOS X?

Stabilität

Die aufwendige Speicherverwaltung teilt jedem Programm automatisch einen separaten, ausreichend großen Bereich des Arbeitsspeichers zu; bei Bedarf wird der virtuelle Speicher aktiviert. Dadurch ist sichergestellt, daß das Fehlverhalten eines Programms nicht andere Anwendungen oder gar das Betriebssystem zum Absturz bringen kann. Sollte ein Anwendungsprogramm Probleme machen, kann es vom Benutzer gezielt und ohne Auswirkungen auf den Rest des Systems beendet werden. Systemabstürze aufgrund von Speicherproblemen sind daher unter MacOS X kaum noch möglich.

Multiuser-Fähigkeit

Wird der MacOS X-Rechner nur von einer einzigen Person verwendet, kann man sich mit dem Benutzer begnügen, der bei der Systeminstallation automatisch angelegt und mit Administrator-Rechten ausgestattet wird. Dieser Administrator (nicht zu verwechseln mit dem root der Unix-Ebene!) kann systemweite Einstellungen vornehmen, z.B. Programme installieren und Benutzer verwalten. MacOS X ermöglicht aber auch einen Multiuser-Betrieb: Wenn sich mehrere Personen ein Gerät teilen sollen, definiert man mehrere Benutzer ohne Administrator-Rechte, die jeweils einen separaten Arbeitsbereich (home) erhalten. Dieser Arbeitsbereich kann individuell gestaltet werden (z.B. durch Installieren eigener Programme und Zeichensätze), was den Rest des Systems aber in keiner Weise beeinflußt. Der Zugriff auf die Daten und Programme anderer Benutzer ist nur dann möglich, wenn diese vom Besitzer explizit freigegeben wurden. MacOS X-Rechner können über das Netzwerk auch von mehreren Benutzern gleichzeitig verwendet werden, derzeit allerdings nur auf der Unix-Ebene (d.h. mittels Telnet/SSH und Shell).

Netzwerkintegration

MacOS X unterstützt eine breite Palette von Netzwerkprotokollen und -services und kann somit in die meisten Netzwerkumgebungen leicht integriert werden: NFS und SMB für das Filesharing mit Unix- und Windows-Rechnern sind nun ins Betriebssystem integriert (bis MacOS 9 benötigte man dafür Zusatzprogramme von Drittherstellern); dasselbe gilt für Telnet/SSH, FTP und WWW (Apache). Das gewohnte Appletalk (auch über TCP/IP) zur Kommunikation mit anderen Apple-Computern und Druckern ist uneingeschränkt verfügbar. Neu hinzugekommen sind WebDAV, ein Protokoll für die gemeinsame Nutzung von Daten im Internet, und die sogenannte iDisk, die über WebDAV angesprochen wird. Die iDisk bietet unter anderem komfortablen Drag & Drop-Zugriff auf ein Software-Archiv mit gängigen Anwendungsprogrammen für MacOS X und MacOS 9.

MacOS X verwendet serverseitig SSH anstelle von Telnet, was es ermöglicht, die Datenkommunikation mit anderen Rechnern verschlüsselt abzuwickeln. Damit kann auch eine sichere Dateiübertragung mittels SCP (secure copy) durchgeführt werden. Nach der Installation des Systems sind "sicherheitshalber" zunächst alle Serverdienste des Rechners (FTP, WWW, Telnet/SSH, Filesharing usw.) deaktiviert. Nur der Administrator kann die Aktivierung durchführen; im Falle von Anonymous FTP und Telnet muß er sich dazu auf die Unix-Ebene begeben.

Installation

Bis auf weiteres wird mit MacOS X immer auch MacOS 9.x ausgeliefert - dieses muß ebenfalls vollständig installiert sein, wenn die bereits erwähnte Classic-Umgebung verwendet werden soll. Es ist empfehlenswert, bei der Installation des Betriebssystems auf der Festplatte jeweils eine eigene Partition für MacOS 9, für MacOS X und für die eigentlichen Daten (die von beiden Systemen verwendet werden können) einzurichten. Der gesamte Installationsvorgang wird mit Hilfe der grafischen Benutzeroberfläche abgewickelt und dauert - von der Partitionierung der Festplatte bis zur Installation des BSD-Subsystems - normalerweise nicht länger als 30 Minuten. Für eine Standardinstallation sind keinerlei Unix- oder sonstige Spezialkenntnisse erforderlich.

Systemsteuerung

Unter MacOS X wurden zwar viele gewohnte Bedienungsfunktionen übernommen; nicht zuletzt durch das komplett überarbeitete "Look & Feel" ist es aber gelungen, die Systemsteuerung in weiten Bereichen noch komfortabler als bisher zu gestalten. Beispielsweise muß man sich nicht mehr mit Kontrollfeldern, Systemerweiterungen und Speicherzuteilungen für Programme auseinandersetzen, und auch der Anschluß von Peripherie-Geräten erfolgt dank Technologien wie USB und Firewire auf einfachste Weise (Plug & Play in fast allen Fällen).

Multimedia-Funktionen

MacOS X bietet breite Multimedia-Unterstützung. Sobald z.B. ein Digital-Fotoapparat an den USB-Anschluß angesteckt wird, startet automatisch ein Programm, das die Fotos von der Speicherkarte in ein bestimmtes Verzeichnis der Festplatte kopiert. Das Brennen von Daten-CDs und Daten-DVD-Rs ist direkt aus dem Finder möglich (Drag & Drop). Weiters wird eine Reihe von Programmen für verschiedene Multimedia-Anwendungen mit dem Betriebssystem mitgeliefert: iDVD ermöglicht das Erstellen von DVD-Rs; mit iTunes kann man Audio-CDs abspielen und brennen sowie MP3s abspielen und verwalten; mit iMovie kann man z.B. Videosequenzen von mittels Firewire angeschlossenen Geräten wie Videokameras direkt auf die Festplatte speichern, sie auf einfache Weise aufbereiten und auf ein Videoband zurückkopieren. Für professionelle Anwendungen benötigt man allerdings zusätzliche Programme wie z.B. Adobe Premiere, Final Cut Pro oder DVD Studio Pro von Apple.

Software

Im Zuge der Entwicklung des neuen Betriebssystems wurde die sogenannte Carbon-Schnittstelle geschaffen. Diese kombiniert die herkömmlichen MacOS-Programmierschnittstellen ("APIs") mit neuen, die die Möglichkeiten von MacOS X nutzen. Bestehende MacOS-Programme können dadurch leicht an das neue Betriebssystem angepaßt bzw. so gestaltet werden, daß sie sowohl mit MacOS X als auch mit älteren Versionen (ab 8.6 mit Carbon-Bibliothek) verwendbar sind. Dementsprechend bieten die meisten Hersteller von Software für MacOS (z.B. Microsoft, Adobe) schon viele ihrer Programme auch als MacOS X-Version an; der überwiegende Teil der noch ausständigen Anwendungen soll bis Ende des Jahres 2001 umgestellt werden. Auch TeX kann in vollem Umfang verwendet werden, wobei unter MacOS X die Möglichkeit besteht, mit Hilfe spezieller Programme wie TeXShop direkt aus TeX-Dateien PDF-Dokumente zu erzeugen (siehe Abb. 3).

Abb. 3: TeX unter MacOS X
Abb. 3: TeX unter MacOS X

Zusätzliche Möglichkeiten bietet die Programmierschnittstelle Cocoa; die dazugehörigen Entwickler-Werkzeuge ("Developer Tools") werden auf einer eigenen CD-ROM mitgeliefert. Mit Cocoa kann man auf komfortable Weise grafische Benutzerschnittstellen für Programme erstellen, die dann allerdings nur unter MacOS X funktionieren. Das ist besonders für Neuentwicklungen interessant, ermöglicht aber auch eine einfache Anpassung von Anwendungsprogrammen anderer Plattformen (v.a. Unix) für MacOS X. Daher wird für Apple-Rechner voraussichtlich bald eine große Auswahl an Software für die verschiedensten Bereiche erhältlich sein. Etliche Programme wurden bereits portiert - beispielsweise gibt es schon X-Server für MacOS X, mit deren Hilfe man wiederum am Apple Programme verwenden kann, die für die unter Unix übliche Bildschirmausgabe X Window System geschrieben sind (z.B. das Bildbearbeitungsprogramm Gimp). Benutzern, die schon jetzt Unix-Software unter MacOS X installieren wollen, sei das Programm Fink empfohlen, das die Installation stark vereinfacht.

MacOS X Server

Die Server-Version MacOS X Server 2.x entspricht technisch MacOS X, bietet aber durch zusätzliche Module und die dazugehörige Konfigurationssoftware volle Serverfunktionalität. Damit können File-, Druck- und Mailservices, zentrale Benutzerverwaltung usw. realisiert werden. MacOS 9- und MacOS X-Rechner haben zudem die Möglichkeit, über das Netzwerk von MacOS X Server zu booten.

Apple-Rechner an der Uni Wien

Viele Anwendungsprogramme für Apple-Rechner sowie MacOS X selbst (derzeit jedoch nicht die Server-Version) sind für Institute und Dienststellen der Uni Wien im Rahmen der Standardsoftware gegen einen Unkostenbeitrag erhältlich. Bei Problemen und Fragen steht das Service- und Beratungszentrum des ZID zur Verfügung (eMail: HELPDESK.ZID@UNIVIE.AC.AT, Tel.: 4277-14060).

In Zusammenarbeit mit Apple Österreich sind auch Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Apple-Themen - z.B. MacOS X - vorgesehen, für die aber eine entsprechende Mindestteilnehmerzahl erforderlich ist. Wir bitten daher alle Interessenten, ihre diesbezüglichen Wünsche beim Zentralen Informatikdienst zu deponieren (per eMail an HELPDESK.ZID@UNIVIE.AC.AT), damit die Veranstaltungen rechtzeitig vorbereitet werden können.

Weitere Informationen