WebSPIRS
Hit me baby one more time

von Vera Potuzak (Ausgabe 01/3, Oktober 2001)

 

Über das Datenbank-Service der Universitätsbibliothek Wien und die Abfrageprogramme, die eine Suche nach den gewünschten Inhalten ermöglichen, haben wir bereits im Comment 01/1 berichtet. Ein kurzes Zitat zur Erinnerung:

Neben den eigentlichen Daten umfaßt ein solches Informationssystem auch die sogenannte "Retrievalsoftware" - das Abfrageprogramm, das benötigt wird, um die Datenbank nach den gewünschten Begriffen zu durchsuchen. Leider gibt es derzeit keinen einheitlichen Standard dafür, sodaß sehr viele verschiedene Retrievalprogramme im Einsatz sind (nur wenige finden in mehreren Datenbanken Verwendung), was einen erhöhten Lernaufwand für die Benutzer und einen größeren Wartungsaufwand für die Systembetreuer nach sich zieht.

Der folgende Artikel ist als Einstiegserleichterung in eines dieser Abfrageprogramme gedacht - hinter dem Namen WebSPIRS verbirgt sich somit nicht die kleine Schwester von Britney, sondern ein Retrievalprogramm der Firma SilverPlatter für WWW-basierte Datenbanken. Noch ist die Windows-basierte Version WinSPIRS (siehe Comment 01/1) das gängigere Abfrageprogramm; WebSPIRS wird aber wegen seiner Vorteile (Plattformunabhängigkeit, benutzerfreundlichere Oberfläche, Möglichkeit zum problemlosen Drucken der Ergebnisse) wahrscheinlich in einiger Zeit eine weitere Verbreitung haben.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Für meinen Test von WebSPIRS muß die Datenbank PsycInfo-Web 1887-2001 (inkl. PSYNDEXplus 1977-2001) als Versuchskaninchen herhalten, wobei mein Interesse dem Suchbegriff "Neurose" im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen gilt.

Nach dem Einstieg in das Datenbank-Service erscheint eine Liste der derzeit verfügbaren Datenbanken. Durch Klick auf den Link PsycInfo-Web 1887-2001 (inkl. PSYNDEXplus 1977-2001) gelangt man zu einer Liste der von 1887 aufsteigend nach Jahrgängen geordneten und gebündelten Datenbestände, wobei die Inhalte der letzten Monate bis zum gegenwärtigen Datum wöchentlich geordnet auftreten. Benötigt man Informationen zu den einzelnen Datenbanken, kann man auf das kleine i-Icon neben dem gewünschten Link klicken.

Um alle Datenbanken durchsuchen zu können, klicke ich auf das Icon mit dem giftgrünen Pfeil neben Zentralbibliothek f. Medizin und danach auf Open Selected Databases. Es erscheint ein Fenster mit einer Suchmaske (siehe Abb. 1). Diese Datenbanken sind zweisprachig (Deutsch-Englisch) und bestehen aus Informationen zu den verfügbaren Publikationen, deren Inhalte in einzelne Felder (z.B. Autor, Titel, Erscheinungsjahr, Sprache, ...) aufgegliedert wurden.

Abb. 1: Die Suchmaske von WebSPIRS

Suchen, Finden, Spezifizieren

Die Suchmaske bietet die Möglichkeit, entweder in allen oder nur in einzelnen ausgewählten Feldern zu stöbern. Ich gebe den gewünschten Begriff Neurose ein, wähle Subject (dies ist der Überbegriff für drei inhaltsbezogene Felder - Key Phrase, Major Descriptors, Minor Descriptors -, die sich auf den Begleittext zu den jeweiligen Publikationen beziehen) und German. Wenn man in anderen Feldern als den vorgegebenen suchen möchte, kann man diese unter Angabe der Feldkennung zusätzlich zum Suchbegriff in die Maske eingeben - z.B. Neurosis AND PY>1998 (PY steht für Publication Year und beschränkt in Kombination mit >1998 das Ergebnis auf Publikationen, die nach 1998 erschienen sind und den Begriff Neurosis enthalten). Abkürzungen wie PY kann man mittels Klick auf den Button Database Information in Erfahrung bringen.

Ich habe jedoch keine Eingrenzung bezüglich Erscheinungsjahr vorgenommen, bin mit dem Ergebnis von 977 Treffern überfordert und möchte die Suchergebnisse etwas einschränken. Bei der Wahl zwischen AND (Und im weitesten Sinne), OR (nicht ausschließendes Oder), ADJ (für unmittelbar benachbarte Begriffe), NEAR (Begriffe im gleichen Satz), WITH (Begriffe im gleichen Feld) oder NOT (der nachfolgende Begriff darf im Ergebnis nicht vorhanden sein) entscheide ich mich für Treffer, die Neurose AND Trauma enthalten und habe Erfolg: 50 Ergebnisse wirken bereits um einiges übersichtlicher.

Im übrigen kann man für AND, OR und NOT auch den sogenannten Search Builder (unter dem Start Search-Button) verwenden und gleichzeitig die beiden Suchbegriffe bezüglich Citation (Zitat), Accession Number (Datensatznummer) und Title (Titel) einzeln eingrenzen.

50 Publikationen sind mir immer noch etwas zu viel und ich nütze eine weitere Möglichkeit zur Eingrenzung: Durch Klick auf den Button Limit Your Search kann man das Publikationsjahr wählen, den Dokumententyp, die Sprache, das Land, die Population und vieles mehr.

Ich bin furchtbar altmodisch und interessiere mich ausschließlich für Bücher zu diesem Thema; daher wähle ich Bücher in deutscher Sprache, die in Österreich zu diesen Themen erschienen sind. Danach klicke ich auf Set Limits, gebe auf der Suchseite (siehe Abb. 1) ein weiteres Mal den gewünschten Begriff ein - und erkenne, daß ich bei der Auswahl wohl etwas zu rigoros war, da ich keine Ergebnisse erhalte.

Mit Clear All Limits kann dieser Vorgang wieder rückgängig gemacht werden. Bescheidener geworden, wähle ich nun Artikel zu Neurose und Trauma in deutscher Sprache und erhalte 28 Treffer, die ich mittels Klick auf Display auflisten lasse (siehe Abb. 2).

suche
Abb. 2: Auf der Suche nach Neurose und Trauma - in der unteren Fensterhälfte wird die Search History angezeigt

Unter Change Display kann man die Darstellung der Suchergebnisse wählen - z.B. wieviele Treffer gleichzeitig angezeigt werden, wie sie gezeigt werden (ob nur mit Titel oder mit Zitat und Kurzübersicht) und die Kriterien, nach denen die Ergebnisse sortiert werden sollen. Ich beschränke mich auf Bündel zu jeweils 10 Ergebnissen, verlange aber eine Kurzübersicht und möchte die Treffer nach Autoren alphabetisch aufsteigend geordnet angezeigt bekommen. Schnell klicke ich noch auf Confirm Changes und betrachte das Ergebnis (siehe Abb. 3).

Abb. 3: Die Liste der Ergebnisse
Abb. 3: Die Liste der Ergebnisse

Gefunden, was nun?

Sobald die Ergebnisliste vorliegt, ist ihre weitere Verarbeitung einfach: Mit Klick auf View Complete Record kann man sich alle verfügbaren Daten zum gewünschten Werk anzeigen lassen. Weiters kann man die Ergebnisse drucken, sichern oder via eMail versenden.

Index und Thesaurus

Eine völlig andere Möglichkeit des Zugangs zu den Inhalten der Datenbank bietet die Abfrage mittels Index oder Thesaurus. Der Index ist eine vom System automatisch erstellte, alphabetisch geordnete Liste aller in der Datenbank vorhandenen Begriffe. Auch dort kann man innerhalb von Datenfeldern (z.B. Publikationsjahr, Dokumententyp, Sprache, ...) suchen. Bei Begriffen wie Neurose ist der Index wegen der hohen Trefferrate nicht zu empfehlen, selbst wenn man Gebrauch von den einschränkenden Funktionen macht.

Der Thesaurus ist hingegen am ehesten dem Schlagwortkatalog einer Bibliothek zu vergleichen. Da seine Erstellung aufwendig ist (die Inhalte der Publikationen werden anhand eines kontrollierten Wortschatzes geordnet), bietet nicht jeder Datenbankbetreiber dieses Service an. Man erhält zum eingegebenen Suchbegriff (in diesem Fall Neurose) eine Liste von Unterbegriffen, Verknüpfungen und Synonymen, wobei ich mit dem Suchergebnis sehr zufrieden bin, da Traumatische Neurose bereits der fünfte Unterbegriff ist (siehe Abb. 4). Mit Klick auf Search Checked Subjects kann man die Suche insofern einschränken, als man die Unterbegriffe nicht berücksichtigt; mit Explode Checked Subjects erreicht man das Gegenteil. Ich wähle meine traumatischen Neurosen, entscheide mich für die begrenzte Suche und erhalte 210 Treffer, da eine Wahl der gewünschten Sprache nicht möglich ist und auch die englischsprachigen Suchergebnisse aufgelistet werden.

Abb. 4: Das Ergebnis der Suche mittels Thesaurus
Abb. 4: Das Ergebnis der Suche mittels Thesaurus

Die Gegenwart ist die Vergangenheit der Zukunft

Die Funktion SilverLinker, die eine Verbindung zwischen der Datenbankabfrage und dem tatsächlichen, im WWW veröffentlichten Werk darstellt, ist wegen des hohen Aufwands für Verleger und Datenbankbetreuer leider noch nicht implementiert.