Digitale Wasserzeichen
Copyright im Web

von Elisabeth Zoppoth (Ausgabe 01/3, Ausgabe 2001)

 

Wenn man Dokumente im WWW veröffentlicht, sollte man in Bezug auf seine Urheberrechte nicht allzu anspruchsvoll sein: Im allgemeinen hat jeder Besucher einer Webseite die Möglichkeit, die darin enthaltenen Daten auf seinem Rechner zu speichern, sie beliebig oft zu kopieren und zu verändern. Das ist für den Privatgebrauch durchaus legal. Mitunter werden die Daten aber weitergegeben oder gar kommerziell verwertet - sei es in böser Absicht oder aus fehlendem Unrechtsbewußtsein ("Das Internet ist doch frei, oder?"). In solchen Fällen reichen die möglichen Folgen für den Urheber von finanziellen Einbußen bis zu Imageverlusten.

Leider ist es nicht ganz einfach, die nötigen Voraussetzungen für die Wahrung von Urheberrechten an digitalen Informationen zu schaffen. Abgesehen von den juristischen Problemen - die Klärung der Rechtslage für den Umgang mit elektronischen Medien1) hinkt der rasanten Entwicklung des Internet hinterher - ist ein wirksamer Copyright-Schutz auch technisch eine harte Nuß. Bereits seit Jahren tüftelt man an Methoden, die eine widerrechtliche Nutzung von Bild-, Video- oder Audiodateien verhindern oder zumindest erschweren sollen. Gesucht wird eine unsichtbare bzw. unhörbare Markierung, die dauerhaft mit dem digitalen Dokument verbunden ist - in Analogie zu herkömmlichen Verfahren spricht man daher vom "digitalen Wasserzeichen". Die Schwierigkeit besteht darin, zusätzliche Informationen wie Copyright-Vermerke so mit den eigentlichen Daten zu verweben, daß sie einerseits das Dokument nicht merklich verändern (d.h. von Menschen mit durchschnittlichem Seh- bzw. Hörvermögen nicht wahrgenommen werden) und andererseits mit geeigneter Software jederzeit auslesbar sind (d.h. nicht gelöscht oder beschädigt werden können).

Ein digitales Wasserzeichen muß also möglichst robust gegen verschiedene "Übergriffe" sein - im Falle von Bilddaten sollte es z.B. Manipulationen wie Ändern des Farbmodus oder des Dateiformats, Komprimieren, Ausschneiden von Bildteilen, Skalierungen, Ausdrucken und nochmaliges Einscannen des Bildes, teilweise sogar die Anwendung einiger Filter unbeschadet überstehen. Die Tests der Comment-Redaktion mit der Software Digimarc ImageBridge, die vom Bildbearbeitungsprogramm Adobe Photoshop zum Erstellen digitaler Wasserzeichen verwendet wird, haben gezeigt, daß diese Anforderungen bereits in erstaunlich hohem Ausmaß erfüllt werden.2) Zwischen der Robustheit und der Sichtbarkeit eines Wasserzeichens besteht allerdings ein unmittelbarer Zusammenhang: Je widerstandsfähiger es ist, desto eher werden auch Störungen im Bild erkennbar.

Mit den heute verfügbaren Techniken kann man nur sehr geringe Datenmengen unauffällig und dauerhaft in einem Bild verstecken. Daher enthält ein Digimarc-Wasserzeichen im wesentlichen nur die Identifikationsnummer des Urhebers; die dazugehörigen Informationen - z.B. die Kontaktadresse für eine Lizenzierung des Bildes - werden in einer Referenzdatenbank geführt. Beim Auslesen des Wasserzeichens sorgt ein direkter Link zum jeweiligen Datenbank-Eintrag dafür, daß diese Informationen auf einfache Weise via Webbrowser abrufbar sind. Es existieren auch bereits spezielle Suchmaschinen (das entsprechende Digimarc-Produkt nennt sich MarcSpider), die das WWW nach Dateien mit Wasserzeichen durchforsten und registrierte Urheber auf Wunsch darüber informieren, auf welchen Webseiten ihre Werke zu finden sind. Wie alle Suchmaschinen sind aber auch diese auf den allgemein zugänglichen Teil des WWW beschränkt - paßwortgeschützte und viele dynamisch generierte Seiten bleiben ihnen verborgen.

"Wasserzeichnen" mit Photoshop

Der Umgang mit digitalen Wasserzeichen wird im folgenden anhand von Adobe Photoshop 6.0 beschrieben, da dieses Programm sowohl in den PC-Räumen der Uni Wien installiert als auch für Institute im Rahmen der Standardsoftware kostengünstig erhältlich ist. Wie bereits erwähnt, arbeitet Photoshop mit der Wasserzeichen-Software Digimarc ImageBridge, die auch von anderen Bildbearbeitungsprogrammen (z.B. Adobe ImageReady, Corel Photo-Paint, PhotoImpact, Paint Shop Pro) verwendet wird. Die Digimarc Corporation ist selbstverständlich nicht der einzige, laut eigenen Angaben aber der führende Hersteller von Software für digitale Wasserzeichen.

Wenn man mit dem Digimarc-Filter von Photoshop seine Werke mit Wasserzeichen versehen will, muß man sich zunächst unter https://www.digimarc.com/imaging/ eine Urheber-Identifikationsnummer zuteilen lassen.3) Nachdem man das Registrierungsformular ausgefüllt hat, erhält man eine Webseite, auf der ein zweistelliger PIN und eine sechsstellige Creator ID angezeigt werden, die man zum Personalisieren des Digimarc-Filters benötigt. Dazu startet man das Programm Photoshop und wählt im Menü Filter den Punkt Digimarc und Mit Wasserzeichen versehen. Im folgenden Dialogfenster klickt man auf Personalisieren und gibt anschließend in das erste Feld seinen Digimarc-PIN und in das zweite Feld seine Urheber-ID ein.

Nun steht dem "Wasserzeichnen" nichts mehr im Wege. Für ein brauchbares Ergebnis sollte man jedoch einige Punkte beachten:

  • Pro Bild ist nur ein Wasserzeichen möglich. Ist ein Bild bereits markiert, kann der Filter nicht verwendet werden.

  • Das Einbetten des Wasserzeichens ist der letzte Arbeitsschritt vor dem Speichern des Bildes. Alle gewünschten Bildveränderungen sind vorher durchzuführen.

  • Das Bild muß eine gewisse Mindestgröße aufweisen:
    100x100 Pixel für Bilder, die unverändert bleiben,
    256x256 Pixel für Bilder, die komprimiert (z.B. als GIF/JPEG gesichert) oder verändert werden,
    750x750 Pixel für Bilder, die mit hoher Auflösung (ab 300 dpi) gedruckt werden.

  • Je mehr Farben das Bild enthält, desto unauffälliger und wirksamer kann das Wasserzeichen eingebettet werden. Monochrome Bilder und solche mit sehr wenigen Farben sind nicht geeignet.

  • Besteht ein Bild aus mehreren Ebenen, so erscheint das Wasserzeichen nur in der aktiven Ebene. Das Bild sollte daher zuvor auf eine Ebene reduziert werden.

  • Bei Bildern, die den Farbmodus Indizierte Farben verwenden, stehen keine Filter zur Verfügung - auch nicht der Digimarc-Filter. In diesem Fall muß man zuerst über das Menü Bild und die Option Modus diesen auf RGB-Farbe ändern, dann das Wasserzeichen einbetten, dann mittels Bild - Modus - Indizierte Farben den Farbmodus wieder zurücksetzen und das Bild speichern.

Wasserzeichen einbetten

Um ein Bild mit einem Wasserzeichen zu markieren, öffnet man das Bild im Photoshop und klickt auf Filter - Digimarc - Mit Wasserzeichen versehen. Im nun erscheinenden Dialogfenster (siehe Abb. 1) ist die Urheber-ID bereits angeführt.4) Zusätzlich kann man hier das Copyright-Jahr und einige Bildattribute (Transaktions-ID, Nicht kopieren, Beschränkter Gebrauch, Nur für Erwachsene) festlegen.5) Unter Zielausgabe definiert man die geplante Verwendung des Bildes (z.B. Web oder Druck). Der vierstufige Regler für die Haltbarkeit des Wasserzeichens ermöglicht es, den für das jeweilige Bild geeignetsten Kompromiß zwischen Haltbarkeit und Sichtbarkeit zu finden. Bei JPEG-Bildern, die für das WWW bestimmt sind, ist hier in den meisten Fällen eine Einstellung von 3 oder 4 sinnvoll: Ein Wasserzeichen im Web sollte nicht zu zart gebaut sein, und durch die niedrige Bildschirmauflösung fällt auch die verstärkte Sichtbarkeit kaum auf. Es empfiehlt sich jedenfalls, vor der Veröffentlichung eines Bildes verschiedene Haltbarkeitseinstellungen auszuprobieren.

Abb. 1: Photoshop-Dialogfenster Mit Wasserzeichen versehen
Abb. 1: Photoshop-Dialogfenster Mit Wasserzeichen versehen

Das Kontrollkästchen Prüfen sollte aktiviert sein. Es bewirkt, daß nach dem Einbetten des Wasserzeichens mit Hilfe des sogenannten "Signalstärkenlesers" die Haltbarkeit automatisch eingeschätzt und das Ergebnis durch einen färbigen Balken dargestellt wird. Ein zu schwaches Signal kann somit noch vor der Veröffentlichung korrigiert werden, indem man eine höhere Haltbarkeitseinstellung wählt. (Bei Bildern, die man selbst mit einem Wasserzeichen versehen hat, wird der Signalstärkenleser auch aufgerufen, wenn man auf Filter - Digimarc - Wasserzeichen anzeigen klickt.)

Sobald das Dialogfenster Mit Wasserzeichen versehen durch Klick auf OK geschlossen wird, bettet der Digimarc-Filter das Wasserzeichen automatisch ein. In der Titelleiste des Bildes erscheint vor dem Dateinamen ein ©-Symbol.

Wasserzeichen anzeigen

Der Filter zum Auslesen von digitalen Wasserzeichen kann für jedes beliebige Bild6) verwendet werden, auch wenn man keine Digimarc-Urheber-ID besitzt. Man wählt dazu einfach Filter - Digimarc - Wasserzeichen anzeigen und erhält ein Fenster, in dem die Urheber-ID, das Copyright-Jahr und die Bildattribute angeführt sind. Klickt man nun in diesem Fenster auf Im WWW suchen, wird im Browser automatisch eine Seite mit Informationen zur Urheber-ID aufgerufen. Dabei kann es sich entweder um eine Digimarc-Seite mit den vom Urheber bei der Registrierung angegebenen Kontaktinformationen handeln, oder um eine beliebige Webseite, die von ihm für diesen Zweck definiert wurde.

Zum Weiterlesen

 

1) siehe dazu z.B. http://www.rechtsprobleme.at/urheberrecht.html

2) Dabei wurde auch deutlich, daß man sich von einem intakten Wasserzeichen nicht zu der Annahme verleiten lassen sollte, man habe die unverfälschte Originalversion eines Bildes vor sich.

3) Für maximal 99 Anwendungen des Filters ist dies kostenlos; bei höherem Bedarf fällt eine mengenmäßig gestaffelte, jährliche Gebühr an (z.B. USD 399,- für 1000-4999 Anwendungen). Das MarcSpider-Service ist in jedem Fall kostenpflichtig (z.B. USD 49,- pro Jahr bei 1-99 Wasserzeichen).

4) Hat man den Filter noch nicht personalisiert, erscheint statt der Urheber-ID PictureMarc Demo; durch Klick auf OK kann man den Filter mit dieser "Test-ID" ausprobieren.

5) Welche Bildattribute verfügbar sind, hängt von der Art der Digimarc-Lizenz ab. Die Angabe Nur für Erwachsene ist derzeit rein informativ; möglicherweise werden zukünftige Programme (z.B. Webbrowser) den Zugriff auf solcherart markierte Bilder entsprechend einschränken.

6) Ausgenommen sind Bilder, die den Modus Indizierte Farben verwenden: Wie bereits erwähnt, sind in diesem Farbmodus keinerlei Filter verfügbar. Das ©-Symbol in der Titelleiste ist aber auch bei solchen Bildern vorhanden, sodaß man durch die oben beschriebene Modusänderung in den meisten Fällen das Wasserzeichen anzeigen lassen kann.