WorldWideWörterbücher

von Vera Potuzak (Ausgabe 01/2, Juni 2001)

 

Die Qualität eines Wörterbuchs zu testen ist schwer. Im Laufe meines Lebens habe ich einige gedruckte Wörterbücher von diversen Herausgebern wutentbrannt an die Wand geworfen, weil sie ausgerechnet das Wort, das ich dringend gebraucht hätte, nicht für erwähnenswert hielten. Wörterbücher, die ihre Dienste im WWW anbieten, lassen sich zwar weniger leicht in die Ecke schleudern (außer man gibt im Zuge dieser Aktion seinem Computer den Todesstoß), doch dieses kleine Detail kann nicht von der Problematik ablenken, daß es schwer zu entscheiden ist, ob ein Wörterbuch nun zu empfehlen sei oder nicht. Der folgende Überblick zum Thema Online-Wörterbücher ist daher eher beschreibend als wertend - nicht zuletzt auch deshalb, weil ausschließlich Wörterbücher vorgestellt werden, die bei der Recherche (die ich mit einem breit gefächerten Spektrum an Begriffen durchgeführt habe) positiv auffielen. Die Frage nach dem Auswahlkriterium für die getesteten Wörterbücher ist rasch beantwortet: Ich habe mich auf jene beschränkt, die bei den bekanntesten Suchmaschinen an vorderster Stelle angeführt wurden - und bitte um Verzeihung, falls Ihr Lieblingswörterbuch aus diesem Grund nicht von mir berücksichtigt wurde.

Ein grundlegender Unterschied zwischen den Wörterbüchern wird bereits auf den ersten Blick offensichtlich: der Preis. Etliche Online-Wörterbücher, wie beispielsweise das berühmte Oxford Dictionary (http://www.oed.com/), lassen sich ihre Dienste mit saftigen Preisen entgelten (in diesem Fall 350 Pfund pro Benutzer und Jahr); alle in diesem Artikel vorgestellten Services sind hingegen kostenlos. Gleich vorweg noch eine Warnung: Manche Browser können Schriften wie Arabisch, Kyrillisch oder Chinesisch nicht darstellen oder müssen dafür nachgerüstet werden.1)

Wörterbuchsammlungen

Im WWW existieren nicht nur "alleinstehende" Wörterbücher (die mitunter auf ein anderes Wörterbuch verweisen, wenn sie mit einer Eingabe nichts anfangen können), sondern auch sogenannte Wörterbuchsammlungen, die einen Begriff entweder automatisch in mehreren Wörterbüchern suchen oder eine Liste verfügbarer Wörterbücher anbieten. Der Vorteil von Wörterbuchsammlungen - die Vielfalt - ist aber gleichzeitig auch ihr Nachteil. Für die schnelle Übersetzung eines bestimmten Begriffs aus einem eingegrenzten Bereich ist man daher mit den weiter unten angeführten Wörterbüchern besser beraten.

Falls man jedoch umfassende Beschreibungen und viele ergänzende Informationen zu einem bestimmten Begriff sucht, kann man sich von http://www.onelook.com/ an mehr als 100 verschiedene Wörterbücher vermitteln lassen. Bei der Eingabe des Begriffs wählt man zwischen Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Chinesisch oder sonstigen Sprachen (other) und kann sich dann entweder für eine Übersetzung oder für eine Erklärung des Begriffs in der Ausgangssprache (mono-lingual) entscheiden. Als Ergebnis liefert OneLook eine Auflistung von Links zu den passenden Wörterbüchern.

Benötigt man Übersetzungen in weniger gängige Sprachen wie Altgriechisch, Khmer, Latein, Sanskrit, Sardisch oder Yiddisch, ist http://www.foreignword.com/ genau die richtige Adresse. Dort stehen 63 Sprachen (auch die "Klassiker" wie Englisch, Deutsch oder Französisch) zur Auswahl, wobei Foreignword automatisch die geeigneten Wörterbücher für den gewünschten Begriff sucht und sich dabei sogar zu Wörterbüchern Zutritt verschafft, die auf anderem Wege kostenpflichtig wären. Foreignword bietet ebenfalls eine Begriffserklärung in der Ausgangssprache und findet fast alles - der einzige Nachteil dieser Wörterbuchsammlung ist, daß man ohne JavaScript nicht sehr weit kommt.

Wenn man an Spezialservices wie Links zu (Fach-)Wörterbüchern aus 240 Sprachen (inklusive Gustostückerln wie Starostin's Etymological Data Bases - about 40 languages from Altaic, North Caucasian, Dravidian, Chukhot-Kamchatkan, Sino-Tibetan, Semitic families), Übersetzungen vollständiger Texte innerhalb des europäischen Sprachraums, Spracherkennung unbekannter Begriffe, Kreuzworträtsel, Bibliothek, Thesaurus und Wort des Tages interessiert ist, sollte man sich an http://www.yourdictionary.com/ wenden. Ungeduldige Gemüter, die nur schnell ein Wort übersetzen lassen wollen, wird diese Vielfalt allerdings abschrecken - eine gezielte Suche kann zwar durchaus erfolgreich, aber leider auch sehr aufwendig sein. Im Gegensatz dazu findet man beim eher schlicht gehaltenen http://www.woerterbuch.at/ die gelungene Verknüpfung einer großen Auswahl an Wörterbüchern (67 verschiedene Konstellationen, wobei auch ausgefallene Sprachen wie Mingo, Tibetisch und Hawaiianisch vertreten sind) mit einem gut strukturierten Aufbau.

 

Viele Sprachen, ein Wörterbuch: http://www.ectaco.com/ kennt das englische Wort "water" unter anderem auch in Deutsch, Arabisch, Farsi, Griechisch, Koreanisch oder Russisch.

Englisch-Arabisch
Englisch-Arabisch
Englisch-Farsi
Englisch-Deutsch
Englisch-Deutsch
Englisch-Griechisch
Englisch-Griechisch
Englisch-Koreanisch
Englisch-Koreanisch
Englisch-Russisch
Englisch-Russisch

Mehrsprachige Wörterbücher

Unter den mehrsprachigen Wörterbüchern ist Pons (http://www.pons.de/) durch die schnelle, aber äußerst genaue Übersetzung herausragend. Zwar sind nur die Konstellationen Deutsch-Englisch, Deutsch-Italienisch und vice versa kostenlos verfügbar; Pons bietet aber auch Lautschrift, eine Liste der mit dem gesuchten Begriff verbundenen Redensarten (z.B. die Katze aus dem Sack lassen) sowie ähnliche Wörter an und findet auch Begriffe aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und Recht. Falls man an einer weiteren Vertiefung auf dem politischen oder wirtschaftlichen Sektor interessiert ist, sollte man sich an http://zeres.de/dict/ wenden, ein Deutsch-Englisch/-Italienisch/-Spanisch/-Französisch-Wörterbuch. Zeres kann zwar nicht mit Services wie Beispielphrasen und Lautschrift aufwarten oder mehrere Wörter gleichzeitig übersetzen, aber es findet nahezu alles.

Deutsch-Englische/Englisch-Deutsche Wörterbücher

Das wahrscheinlich bekannteste und umfassendste derartige Online-Wörterbuch, ein Service der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München, befindet sich unter http://dict.leo.org/, wobei LEO für Link Everything Online steht. LEO kennt viele Begriffe aus diversen Themengebieten, liefert brauchbare Ergebnisse inklusive anschaulicher Beispielphrasen und ermöglicht es dem Benutzer, gleichzeitig mehrere (auch unzusammenhängende) Wörter übersetzen zu lassen. Grundsätzlich ist man bei LEO sehr gut aufgehoben, außer man benötigt Indizes oder eine Möglichkeit, die Treffer zu organisieren. In einem solchen Fall leistet http://cron.servus.at/, ein offizieller LEO-Mirror, bessere Dienste: Servus greift auf die Daten von LEO zu, kann aber bis zu zwei Fehler bei der Eingabe tolerieren und somit auch nicht ganz korrekt geschriebene Begriffe übersetzen, liefert ebenfalls Beispielphrasen und erzielt zusätzlich nach Wunsch auch Treffer von Teilen der Eingabe.

Weniger Begriffe, aber weitergehende Services bietet http://dict.tu-chemnitz.de/: Hier kann man z.B. komplette Worte oder einzelne Wortteile übersetzen lassen, keinen oder einen Fehler im Ausgangswort gestatten, ähnliche Begriffe berücksichtigen oder deutsche Maß- und Temperatureinheiten in Inches und Fahrenheit umrechnen lassen. Zusätzlich verfügt dieses Wörterbuch über sogenannte Wortlisten, die zu verschiedenen Themen (Musiktheorie, Tiere, Schach, Krankheiten, ...) alphabetisch gereihte Übersetzungen beinhalten, was mitunter sehr praktisch sein kann.

Einsprachige Wörterbücher

Stößt man bei einem Begriff der englischen Sprache an seine Grenzen und benötigt eine Umschreibung, eine Erklärung oder eine Aussprachehilfe für die Betonung (leider keine Lautschrift), so findet man unter der Adresse http://www.wordsmyth.net/ die Lösung für dieses Problem. Falls Wordsmyth ein Wort nicht kennt - was leider öfter vorkommt -, schlägt es ein ähnliches vor oder verweist den Suchenden zu OneLook.

Das deutsche Pendant http://wortschatz.informatik.uni-leipzig.de/html/sitemap.html (dies ist der URL der JavaScript-freien Version) bietet neben Übersetzungen vom Deutschen ins Deutsche inklusive Beispielphrasen (gut für mundartliche Begriffe aus den verschiedenen Regionen Deutschlands) auch ein Herkunfts-, ein Bedeutungs- und ein Synonymwörterbuch, erstellt Anagramme und findet so ziemlich alle Begriffe, die man ihm anvertraut.

Spezialwörterbücher

Hier öffnen sich schöne fremde Welten - zum Beispiel kann man unter http://www.persianflora.com/ ein Wörterbuch der Blumensprache finden und den entsprechenden Strauß binnen weniger Tage gegen ein geringes Entgelt in den Iran senden. Leider führen viele verlockend klingende Links lediglich zu Werbeseiten für kostenpflichtige Spezialwörterbücher, die via WWW angefordert werden können.

Im Gegensatz dazu stellen die auf den Webseiten von Universitäten veröffentlichten fachspezifischen Wörterbücher eine erfreuliche Überraschung dar - beispielsweise:

Ohne Worte

1) Auch mit der Darstellung von Lautschrift sind Browser überfordert; daher wird diese von keinem der hier vorgestellten Wörterbücher angeboten (Ausnahme: Pons, wo sie mittels JavaScript und GIF-Grafiken integriert wurde). Aussprachehilfen in Form von Audiodateien fehlen leider ebenfalls bei allen angeführten Wörterbüchern. Falls man auf diese Services Wert legt bzw. regelmäßig mit einer bestimmten Sprache arbeiten muß, sollte man daher die Anschaffung eines CD-ROM-Wörterbuchs überlegen - diese sind zwar nicht gratis, haben aber in der Regel deutlich mehr zu bieten.