Blitz und Donnerschlag

von Lukas Ertl (Ausgabe 01/2, Juni 2001)

 

Seit kurzem ist am Software-Server der Uni Wien neben einigen anderen Produkten der Firma Macromedia auch das Programm Flash in der Version 5 als Campuslizenz erhältlich (für Windows und Mac). Das soll als Anlaß dienen, etwas näher auf dieses Programm einzugehen, das sich in den letzten Jahren allmählich zum Standard für komplexere, interaktive Animationen im WWW entwickelt hat und von sich selbst behauptet, mehr Leben ins Web zu bringen.

Eine detaillierte Einführung in die Erstellung von Flash-Animationen würde den Rahmen dieses Artikels allerdings bei weitem sprengen, deshalb werden im folgenden nur die Grundkonzepte von Flash beschrieben.

Intentionally left blank

Macromedia Flash ist zum Liebkind von Grafikern und Webdesignern geworden, die ihren Seiten einen dynamischen Touch geben und interaktive Features einbauen wollen. Mit diesem Programm lassen sich animierte Buttons, Navigationsleisten oder ganze Zeichentrickfilme inklusive Sound auf einfache Art erstellen - auch wenn man sich anfangs erst daran gewöhnen muß, daß neben den üblichen Funktionen eines Grafikprogramms auch die Dimension der Zeit zu beachten ist.

Zur Popularität von Flash haben mehrere Faktoren erheblich beigetragen, insbesondere die relativ einfache Art und Weise, wie man unbewegten Grafiken Leben einhauchen kann: Während bei GIF-Animationen alle Bilder einzeln erstellt und dann wie bei einem Daumenkino hintereinandergelegt werden müssen, braucht der Flash-Autor nur Anfangs- und Endstadium des animierten Objekts anzugeben - den Rest erledigt eine Funktion namens Motion Tweening, die alle benötigten Zwischenschritte errechnet.

Darüber hinaus ist das Flash-Format vektorbasiert und nicht pixelbasiert (wie z.B. GIF, JPG oder PNG). Das bedeutet erstens, daß weniger Daten übertragen werden müssen und somit Bandbreite gespart werden kann, und zweitens, daß die Flash-Animationen (auch Movies genannt) beliebig skaliert und vergrößert werden können, ohne daß sie "pixelig" werden.

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit von Flash ist die Möglichkeit, Klangeffekte einzubinden - beispielsweise, um einen Hintergrund-Sound ablaufen oder einen Button scheppern zu lassen.

Konzepte

Nach dem Starten des Programms präsentiert sich dem Anwender eine Oberfläche, wie sie auch von anderen Grafikprogrammen wie Fireworks, Photoshop oder ImageReady her bekannt ist - in der Mitte der leere Arbeitsbereich, links eine Palette mit Werkzeugen zum Zeichnen von Kreisen, Rechtecken, Linien usw. und rechts weitere Paletten, z.B. die Farbauswahl. Etwas ungewohnt mag manchen allerdings die sogenannte Zeitleiste erscheinen, die im oberen Bildschirmbereich sichtbar ist und ähnlich wie bei Videobearbeitungs-Programmen den zeitlichen Ablauf der Animation anzeigt (siehe Abbildung).

Jedes Flash-Movie basiert auf sogenannten Symbolen. Ein Symbol in der Flash-Terminologie kann eine Grafik sein, aber auch ein animierter Button, ein Klang-Effekt oder eine ganze (Flash-)Filmsequenz. Diese Symbole werden in einer Bibliothek gespeichert, die ebenfalls Bestandteil jedes Flash-Movies ist. In der Animation selbst werden dann nur noch die sogenannten Instanzen der jeweiligen Symbole verwendet. Das hat den Vorteil, daß auch jene Elemente eines Films, die mehrmals verwendet werden, nur einmal gespeichert werden müssen und somit die Dateigröße nicht unnötig "aufgeblasen" wird.

Ein weiterer essentieller Bestandteil von Flash ist die bereits erwähnte Zeitleiste. Sie ist in Frames eingeteilt, die wie bei einem Film die Einzelbilder darstellen. Jene Frames, die als Start- und Endpunkte eines Animationsschritts fungieren, werden als Schlüsselframes bezeichnet. Um z.B. ein Auto über den Bildschirm fahren zu lassen, weist man einen Frame am Anfang der Animation als Schlüsselframe aus, fügt dort die Grafik des Autos (die bereits als Symbol in der Bibliothek vorhanden ist) ein, definiert einige Frames weiter "hinten" in der Zeitleiste einen zweiten Schlüsselframe und verschiebt das Auto nun an die Position, die es in diesem Zeitframe - also am Ende der Animation - haben soll. Das bereits angesprochene Motion Tweening erstellt automatisch alle Bilder, die zwischen den Schlüsselframes liegen, wobei die Objekte am Anfang und am Ende der Animation nicht gleich aussehen müssen. So kann sich z.B. ein Kreis auf seinem Weg über den Bildschirm in einem flüssigen Übergang in ein Viereck verwandeln oder Farbe, Größe und Transparenz ändern. Dieser Effekt kann auch auf Text angewandt werden, so daß z.B. Worte langsam sichtbar werden oder einzelne Buchstaben in andere zerfließen.

Nicht vergessen darf man, daß Flash auch die Komponente der Interaktivität stark hervorhebt: Anstatt die Animation einfach nur linear ablaufen zu lassen, kann man dem Besucher mit Hilfe von Buttons die Möglichkeit geben, in das Geschehen einzugreifen. Diese Buttons können entweder (wie "normale" Hyperlinks) auf andere Seiten verweisen oder auch auf bestimmte Szenen innerhalb des Flash-Movies zeigen.

Falls diese kurze Einführung Verwirrung gestiftet hat, muß man seine Laufbahn als Flash-Designer nicht gleich an den Nagel hängen. Der Installation von Flash 5.0 liegen zahlreiche Beispiele und Lektionen bei, die dem Anwender Schritt für Schritt die nötigen Techniken beibringen, sodaß man bald seine ersten Experimente wagen kann. Außerdem finden sich im WWW (wie immer) viele Seiten, die Tips & Tricks zu Flash bereitstellen - beispielsweise

Fallstricke

Bei allem Enthusiasmus zu Multimedia im Web sollte man natürlich eines nicht vergessen: Nur weil die Bilder laufen lernen, werden sie nicht unbedingt besser. Angehende Flash-Designer sollten sich deshalb einige Grundregeln zu Herzen nehmen:

  • Ohne Plugin (ein Browser-Zusatzprogramm für die Darstellung der Animation) ist jedes Flash-Movie wertlos. Obwohl modernen Webbrowsern das benötigte Macromedia-Plugin meistens bereits beiliegt, gibt es immer noch zahlreiche Browser, die nicht über dieses Plugin verfügen. Anstelle einer großartigen Animation sehen die Besucher dann schlichtweg gar nichts, was besonders ärgerlich ist, wenn der gesamte Content einer Seite in Flash verpackt ist oder die Navigation nur auf Flash aufbaut. Bieten Sie Ihren Besuchern deshalb auch eine HTML-Alternative an! Gängige Praxis ist es, zuerst eine Checkseite anzuzeigen, die sowohl einen Link zur HTML-Version als auch einen kleinen Flash-Button enthält, der zur Flash-Version führt. So kann der Besucher selbst sehen (weil er den Button sieht), ob das erforderliche Plugin vorhanden ist.
  • Ähnliches gilt auch, wenn Sie auf Ihren Seiten ein Flash-Intro einsetzen wollen: Eine oft angewandte Technik ist es, die Besucher zunächst auf einer Einstiegsseite mit einer Flash-Animation "einzustimmen" und dann erst zu den wesentlichen Seiten weiterzuleiten. Wie bereits erwähnt, sieht ein Besucher ohne Plugin nichts; aber auch für Besucher mit Plugin verliert ein solches Intro bald seinen Reiz, wenn sie öfter wiederkehren und immer die gleiche Animation über sich ergehen lassen müssen, bevor sie zum eigentlichen Content kommen. Geben Sie Ihren Besuchern deshalb die Möglichkeit, unabhängig von Plugins das Flash-Intro zu überspringen.
  • Musik ist nicht gleich Musik. Auch wenn Ihnen der Hintergrund-Sound Ihres Movies sehr gut gefällt, muß das nicht für alle Besucher gelten. Ermöglichen Sie ihnen deshalb, die Musik abzudrehen, ohne die Lautsprecher ausschalten zu müssen.

Conclusio

Macromedia Flash stellt für viele Webdesigner ein vielseitiges und ausdrucksstarkes Werkzeug dar, das der Kreativität des Anwenders kaum Grenzen setzt. Allerdings sollte man seine Animationen mit Bedacht erstellen: Versuchen Sie, nicht alle verfügbaren Features und Effekte einzubauen, nur weil es möglich ist, und nehmen Sie auch auf Browser ohne Plugin Rücksicht.

Letztendlich sollte man sich die Frage stellen, ob das Resultat den Arbeitsaufwand rechtfertigt, also ob man einen Webauftritt wirklich nur mittels Flash bewältigt - denn wie so oft gilt auch im Falle von Flash: Weniger ist mehr.