I love you!

von Alexander Talos (Ausgabe 00/2, Juni 2000)

 

Dieser Frühling hat der Netzgemeinde eine besondere Blüte beschert: den Loveletter-Wurm. Wer keinen in seiner eMail vorgefunden hat, braucht sich aber nicht vom ZID ungeliebt zu fühlen - im Gegenteil: Noch am selben Tag, an dem der Loveletter bekannt wurde, wurden die zentralen Mailserver der Universität Wien, MAILBOX.UNIVIE.AC.AT und UNET.UNIVIE.AC.AT, durch einen chirurgischen Eingriff im Quellcode der Mailsoftware sendmail immunisiert. Der Erfolg dieser Maßnahme kann sich sehen lassen: Wurden bereits am ersten Tag über 400 "Loveletters" durch den Filter abgewehrt, waren es bis Ende Mai weitere 1800 (also etwa ein Loveletter für jeden zwanzigsten Benutzer). Der Loveletter ist noch nicht ganz ausgestorben - in den ersten Juni-Tagen wurden schon zwei Exemplare dieser Spezies gesichtet und abgefangen. Der Fall des ILOVEYOU-Virus war einzigartig: Die üblichen Empfehlungen, Virenscanner zu verwenden, gingen ins Leere, da diese den Wurm noch nicht kannten. Ebenso einzigartig die Maßnahmen: Daß kurzerhand die Mailsoftware umprogrammiert wird, um dieses Defizit auszugleichen, gab es unseres Wissens nur an der Uni Wien und wird auch hier ein Ausnahmefall bleiben. Also jetzt erst recht: Virenscanner? Ja, bitte!

PS: Wer Software einsetzt, die nicht nur singt, springt und tanzt, sondern auch noch Pizza bäckt und die Wohnung putzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn der Computer eines Tages mit dem Putzbenzin das Backrohr in die Luft jagt...