IMAP, you map, he/she ...
Die Einführung des IMAP-Protokolls am Mailbox-Rechner

von Alexander Talos (Ausgabe 00/1, März 2000)

 

Bisher hatten Benutzer des Mailbox-Service der Universität Wien die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten, eMail zu bearbeiten: Die Nachrichten konnten entweder mit Hilfe eines eMail-Klienten über POP3 (Post Office Protocol Version 3) auf den lokalen Rechner übertragen und dort gelesen oder aber interaktiv auf dem Mailbox-Rechner mit dem dort installierten Mailprogramm Pine bearbeitet werden. Mit IMAP 4 (Internet Message Access Protocol Version 4rev1) bietet der Zentrale Informatikdienst nun für Mitarbeiter der Uni Wien einen neuen Dienst als Alternative zu POP3 an.

POP3? Was ist das?

Fast jede/r verwendet POP - es sei denn, Sie lesen Ihre Mail direkt am Server unter Unix (mittels Pine). Sobald Sie aber ein Mailprogramm wie Netscape Mail, MS-Outlook, Pegasus Mail oder Eudora starten, auf den Knopf Get Mail (oder wie immer er in Ihrem Programm genau heißen mag) klicken und dann zusehen, wie ein immer größer werdender Balken anzeigt, daß Ihre eMail gerade auf Ihre Festplatte geladen wird, arbeitet - noch - POP. Salopp formuliert geschieht dabei folgendes: Ihr eMail-Klient ruft beim Mailserver an, sagt: Was gibt es Neues? und erhält dann alle neu eingetroffenen Nachrichten. Für Benutzer mehrerer Rechner gibt es noch die Option, von allen Standorten bis auf einen nur Kopien der Mail abzuholen (Leave Mail on Server). Das POP3-Protokoll ist unkompliziert, robust und bewährt. Täglich wird am Mailbox-Rechner fast 100000mal "gepoppt".

Ist POP3 out?

Wenn Sie mit dem bisherigen System zufrieden sind, besteht kein Grund umzustellen. Für den Mail-Gourmet hingegen bietet IMAP eine Reihe neuer Möglichkeiten.

Zentrale Speicherung der eMail

Bei IMAP verbleibt Ihre eMail am Server und wird dort verwaltet. Das hat Vor- und Nachteile:

  • + Mail, die Sie von einem Standort aus gelesen oder gelöscht haben, gilt auch auf allen anderen Rechnern, die Sie zur Bearbeitung Ihrer eMail verwenden, als gelesen bzw. gelöscht.
  • + Wenn Sie eine Nachricht einmal gelesen oder in einem Folder abgelegt haben, finden Sie diese von jedem anderen Arbeitsplatz aus ebenso bzw. ebendort vor.
  • + Wenn Sie die Daten auf der Festplatte Ihres Arbeitsplatzrechners verlieren (Defekt, Virus, Neuinstallation, ...), bleibt die Mail dennoch erhalten. Durch tägliche Backups und gespiegelte Platten ist am Server deutlich mehr Datensicherheit gegeben als im allgemeinen auf PCs üblich ist.
  • - Der Speicherplatz-Bedarf am Server ist bei IMAP viel größer als bei POP; daher ist der für Sie verfügbare Speicherplatz limitiert.
  • - Wenn das zentrale Mailbox-Service ausfallen sollte oder nicht erreichbar ist, haben Sie während dieser Zeit auch auf alte eMail-Nachrichten keinen Zugriff.

Besonders relevant bei Modemzugang sind folgende Eigenschaften von IMAP:

  • + Ähnlich wie z.B. bei NetworkNews erhält der Klient zuerst eine Nachrichtenübersicht, die rasch übertragen wird. Auf Ihren Rechner wird anschließend nur die Mail kopiert, die Sie aufgrund dieser Übersicht anfordern. Uninteressante Nachrichten oder solche mit umfangreichen Attachments können Sie einfach überspringen. Bei POP3 gilt: Alles oder nichts.
  • + Die meisten Mail-Klienten bieten die Möglichkeit, Attachments am Server zu belassen, aber dennoch die Nachrichten zu lesen.
  • - Wenn Sie aufgrund der Nachrichtenübersicht beschließen, doch alle neuen Nachrichten abzuholen, ergibt sich daraus eine längere Onlinezeit als bei POP.

Mehrere Mailfolder

Für manche ist es ein alter Hut: Mehrere Folder, in die die Mail händisch oder automatisch (nach Mailingliste, nach Absender oder nach Schlüsselwörtern im Subject) einsortiert wird. Mit IMAP können Sie sich bereits am Server mehrere Mailfolder einrichten. Wenn Sie von mehreren Standorten aus auf Ihre Folder zugreifen, haben Sie dadurch den Vorteil, daß sich diese immer in gleicher Weise präsentieren.

Filterfunktionen

Filterfunktionen gehören zwar nicht direkt zum IMAP-Protokoll, ohne sie wäre aber die Möglichkeit, mehrere Folder am Server zu verwalten, eher nutzlos. Mit dem neuen IMAP-Server kann bereits am Mailbox-Rechner gefiltert werden - das heißt, Sie finden Ihre Nachrichten schon sortiert vor, während Sie bei klientenbasiertem Filtern vorher alles vom Server holen müßten. Die Einstellung Ihres Filters am Server erfolgt über eine Webmaske und ist nicht komplizierter als bei einem eMail-Klienten.

eMail-Nachrichten, die bestimmte Kriterien erfüllen, können im Zuge des Filterns

  • in einem anderen Folder als der Inbox gespeichert werden,
  • kommentarlos gelöscht werden,
  • weitergeleitet werden,
  • automatisch beantwortet werden ("Out-of-Office-Management").

Als Filterkriterien kommen in Betracht:

  • die Absender-Adresse (auch der sogenannte Return-Path, an dem die meisten Mailinglisten zuverlässig zu erkennen sind),
  • die Empfänger-Adresse (z.B. bei eMail-Forwards),
  • das Subject (z.B. "Wichtig"),
  • die Größe der Nachricht und
  • weitere Header-Zeilen (z.B. X-Spam-Flags: oder Precedence:).

Teile und Maile

Prinzipiell wäre es auch möglich, für einzelne Mailfolder Zugriffsrechte zu vergeben. Damit kann zum Beispiel ein gemeinsamer Mailfolder für Instituts-Mailadressen, Arbeitsgruppen etc. eingerichtet werden, auf den mehrere Personen zugreifen - aber das bleibt vorerst noch Zukunftsmus

Wann wird umgestellt?

Eine große, globale Umstellung wird es nicht geben - IMAP und POP3 werden am Mailbox-Rechner parallel angeboten. Falls Sie sich für IMAP entscheiden, können Sie die serverseitige Umstellung mittels Webmaske selbst vornehmen und notfalls auch wieder rückgängig machen. Voraussetzung ist natürlich ein IMAP-fähiger eMail-Klient (z.B. neuere Versionen von Netscape Mail, MS-Outlook, Pegasus Mail, Eudora Pro, Pine, ...), in dem Sie ebenfalls einstellen müssen, daß Sie nun IMAP verwenden wollen.

Da Ihnen der Zugang mittels POP3 gleichzeitig zur Verfügung steht, ist es z.B. auch möglich, eMail von einem Standort aus mittels IMAP abzuholen und von einem anderen mittels POP (POP fragt allerdings nur Ihre Inbox ab; wenn Sie am Mailbox-Rechner zusätzliche Folder eingerichtet haben, in die neue Nachrichten automatisch einsortiert werden, bleiben diese unberücksichtigt).

Fazit: Wer von zu Hause aus bloß hin und wieder mal nachsehen will, ob es was Neues gibt, ist mit IMAP sicher gut bedient. Die Tatsache, daß die Mailfolder auch nach einem Standortwechsel so aussehen, wie man sie zuletzt verlassen hat, wird jenen helfen, die von mehr als einem Rechner aus ihre Nachrichten lesen.

Weitere Informationen finden Sie im WWW unter http://mailbox.univie.ac.at/imap.html.